Stand: 15.01.2019 15:07 Uhr

Havarie der "MSC Zoe": Mikroplastik auf Borkum

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Noch immer wird am Strand von Borkum Ladung der "MSC Zoe" angespült. (Archivbild)

Es sind längst nicht nur Kühlschränke, Fahrradbleche, Kleidung oder Plastikblumen, die nach der Havarie der "MSC Zoe" an den Stränden der Inseln in Ostfriesland und den Niederlanden auftauchen. Nach Angaben der Umweltschutzorganisation Greenpeace wird darüber hinaus täglich Mikroplastik auf Borkum angespült. Einer der beiden verloren gegangenen Gefahrgut-Container enthalte neben den bisher kommunizierten Peroxiden auch bis zu 50 Prozent umweltschädliches Dicyclohexyl-Phthalat, auch als Weichmacher bekannt. Die grauen und weißen Partikel seien Granulate und würden zur Herstellung von Plastikverpackungen eingesetzt, teilte Greenpeace am Dienstag mit. Das Havariekommando habe den Greenpeace-Verdacht bestätigt und daraufhin die Gefahreninformationen für die beteiligten Einsatzkräfte entsprechend präzisiert, heißt es weiter.

Immer mehr Mikroplastik in Meerestieren und Seevögeln

Das Problem: Mikroplastik ist biologisch nicht abbaubar und werde zunehmend in Meerestieren und Seevögeln nachgewiesen, so Greenpeace. Greenpeace forderte die Reederei MSC auf, den Inhalt der über Bord gegangenen Container vollständig offen zu legen, um die Umweltrisiken besser abschätzen zu können. Außerdem seien die winzigen Teile nur schwer zu bergen. Greenpeace testet nach eigenen Angaben derzeit mit Staubsaugern und Greifern verschiedene Möglichkeiten der Strandreinigung.

Chemikalien können das Hormonsystem schädigen

Die im Granulat enthaltenen Phthalate schädigen laut Greenpeace das Hormonsystem, beeinträchtigen die männliche Fortpflanzungsfähigkeit und können sogar ungeborene Kinder im Mutterleib gefährden. Zudem hätte die Chemikalien-Gruppe langfristige schädliche Wirkungen auf Wasserorganismen.

Strandgut landet auch am Festland

Unterdessen wird immer mehr Strandgut aus den Containern auch am ostfriesischen Festland angespült. Betroffen ist vor allem die Gemeinde Krummhörn (Landkreis Aurich). Rund 200 Feuerwehrleute und Mitarbeiter der Deichacht sind seit Dienstagmorgen unterwegs, um Deiche und Vorländer zu säubern. "Hier ist durch die Sturmfluten und den Wind eine gewaltige Menge angespült worden", sagt Deichacht-Geschäftsführer Frank Rosenberg. Sitzschalen, Pumpen von Seifenspendern, Schutzbleche, Wäsche und Farbrollen verteilten sich flächendeckend, sagte er NDR 1 Niedersachsen. Die Einsatzkräfte sammeln den Müll auf einer Strecke von 20 Kilometern zwischen Campener Leuchtturm und Leybucht. Das Strandgut komme snchließend auf die Deponie. "Wir hoffen, dass wir bis zum Abend alles eingesammelt haben", sagt Rosenberg.

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Unterdessen sind in Bremerhaven alle rund 450 beschädigten Container von Bord der "MSC Zoe" geholt worden. Laut Hafenkapitän lief das Entladen einfacher ab als erwartet. Einige der Container, die nicht über Bord gegangen waren, hatten sich mit ihren Halterungen ineinander verkeilt. Diese mussten Experten mit speziellen Maschinen trennen. Die Hafenbehörde prüft nun, wie stark das Containerschiff beschädigt wurde und ob es noch fahrtüchtig ist - es wurden unter anderem Halterungen von Containern beschädigt und an einigen Stellen die Reling eingedrückt. Erst im Anschluss an die Abnahme wird entschieden, ob und wann die "MSC Zoe" auslaufen kann. Ein genauer Termin steht einer Reedereisprecherin zufolge noch nicht fest.

Mehr als 1.200 Tonnen Frachtgut eingesammelt

Die "MSC Zoe" hatte in der Nacht zum 2. Januar insgesamt 291 Container verloren, davon zwei mit Gefahrstoffen, die bisher noch nicht geortet werden konnten. 18 Container waren aufgebrochen und an niederländischen Inseln angespült worden. Der Inhalt der Container landete an den Stränden mehrerer niederländischer und deutscher Inseln. Plastik, Styropor, Schuhe, Spielzeug, Kühlschränke und Fernseher mussten eingesammelt werden. Mehr als 1.200 Tonnen Frachtgut seien mittlerweile eingesammelt worden, teilte die Schweizer Reederei "MSC" mit.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 15.01.2019 | 15:30 Uhr

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