Stand: 29.04.2016 18:10 Uhr

Heftige Debatte nach "Kurtis" Tod

"Finde es unmöglich, was die gemacht haben", "Erst anfüttern, dann abknallen" oder "Wenn ihn niemand aufnimmt und er immer wieder den Menschen zu nahe kommt, dann ist das die beste Lösung" - nach der vom niedersächsischen Umweltministerium angeordneten Tötung des Wolfs "MT6", genannt "Kurti", ist in den sozialen Netzwerken eine emotionale Debatte über die Entscheidung der Behörde ausgebrochen. Nahezu unversöhnlich stehen sich dabei Befürworter und Gegner gegenüber. Unter mehreren Hundert Kommentaren auf NDR.de, bei Facebook und Twitter gab es etliche, die unter die Gürtellinie gingen und deshalb gelöscht wurden.

Einige Kommentare zum Abschuss des Wolfs auf Facebook und Twitter

AndreaBaer_Bo schreibt bei Twitter:

"Seine Neugier war sein Todesurteil!"

 

Einhellige Entscheidung

Bei einer Pressekonferenz verteidigte Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) den Abschuss. Laut Wenzel war die Tötung nach Absprache mit mehreren Behörden und Naturschutzverbänden nach dem erfolglosen Vergrämungsversuch als einzige Möglichkeit angesehen worden. Das wird allerdings von einigen Wolfsbefürwortern in Zweifel gezogen. Sie hätten das Tier lieber in einem Gehege untergebracht. Diese Idee wurde allerdings im Ministerium verworfen, weil es sich bei dem Wolf aus dem Munsteraner Rudel um ein erwachsenes Tier handelte. Solche Wölfe nehmen laut Naturschutzbund Nabu ein Revier von rund 250 Quadratkilometern in Anspruch.

Minister: Abschuss Einzelfall-Entscheidung

Klar ist, dass der Munsteraner Wolf in den vergangenen Monaten mehrfach verhaltensauffällig war und sich zuletzt, trotz eines Vergrämungsversuchs, Menschen bei Groß Hehlen im Landkreis Celle unmittelbar genähert hatte. Auch aufgrund dieses Vorfalls hatte sich das Umweltministerium für die Erschießung des Tiers entschieden. Minister Wenzel hatte aber auch deutlich gemacht, dass es sich bei dieser Entscheidung um eine Einzelfall-Entscheidung gehandelt habe, denn das geltende Washingtoner Artenschutzabkommen lasse die Tötung eines Tieres nur im absoluten Ausnahmefall zu. Nämlich dann, wenn der Mensch in Gefahr ist. Zunächst gelte es, immer das "mildeste Mittel", die Vergrämung, zu wählen. Weil das nicht funktionierte, musste der Wolf sterben.

Nabu: "Nachvollziehbare Entscheidung"

Zwei Tage nach dem Abschuss von "Kurti" hat der Nabu eine durchwachsene Bilanz zur Situation freilebender Wölfe in Deutschland gezogen. Die Bestandsentwicklung mit aktuell 40 Wolfsfamilien bundesweit sei erfreulich, das Wolfs-Management aber noch nicht ausreichend, hieß es vom Nabu am Freitag. Mit Blick auf den getöteten Wolf sagte Fachmann Markus Bathen, der Nabu und andere Umweltverbände bedauerten den Tod - sie könnten die Entscheidung der Landesregierung aber nachvollziehen. Das Tier habe durch sein auffälliges Verhalten ein nicht mehr zu kalkulierendes Risiko für den Menschen dargestellt.

Der Körper des toten Wolfes wird nun im Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung untersucht.

Weitere Informationen
Das Logo von Facebook © NDR

NDR Niedersachsen bei Facebook

Besonders interessante Nachrichten aus Niedersachsen, dazu Unterhaltsames und Wissenswertes: Via Facebook informieren wir Sie über die besten Geschichten auf NDR.de/Niedersachsen. extern

Das Logo von Twitter © NDR

NDR Niedersachsen bei Twitter

Was bewegt Niedersachsen? Wir twittern die wichtigsten Themen aus dem Land: Nachrichten, Sport, Kultur und Unterhaltung sowie aktuelle Hinweise und Hintergründe. extern

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 29.04.2016 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus der Region

Mitarbeiter eines Gastronomen bauen am Stint in der historischen Altstadt von Lüneburg einen Tisch im Außenbereich auf. © dpa-Bildfunk Foto: Philipp Schulze

Diese Corona-Regeln gelten ab Montag in Niedersachsen

Ein besonderes Augenmerk legt die Landesregierung auch auf die Belange von Kindern und Jugendlichen. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen