Stand: 27.11.2015 11:32 Uhr  | Archiv

Der Dolmetscher - Mittler zwischen den Welten

Silversterabend 1994: Fahad Hudsch kommt im Aufnahmelager Braunschweig an. Er ist aus Syrien geflohen. Er hat gegen den Vater des heutigen Präsidenten Baschar al-Assad gekämpft und wurde politisch verfolgt. "Ich war zweieinhalb Jahre im Gefängnis", erzählt er über seine Zeit vor der Flucht nach Deutschland. "Es war schwer. Ich wurde in Syrien bedroht." Bereits nach 15 Tagen erhält Hudsch Asyl. Er kommt nach Hameln, dort bezieht er eine kleine Wohnung.

VIDEO: "Ich erzähle auch von der deutschen Kultur" (4 Min)

Ein neues Leben

In Hameln stürzt er sich direkt in sein neues Leben, absolviert Sprachkurse und qualifiziert sich weiter, um als Krankenpfleger zu arbeiten. "Das war einfach ein neues Leben für mich", erzählt er rückblickend. Ein Leben, das ihm nicht nur leicht fiel. Es gab kaum Dolmetscher in seiner Gegend. Briefe vom Amt ließ er tagelang ungeöffnet, weil er sie einfach nicht verstand. Dieser Eindruck steckt bis heute tief in ihm.

Brücke zur deutschen Kultur

Auch deshalb hat er sich entschieden, nun selbst zu helfen. Als Dolmetscher arbeitete der 49-Jährige erst ehrenamtlich, mittlerweile aber hauptamtlich, für das Deutsche Rote Kreuz im Flüchtlingslager in Hameln. "Ich will den Leuten weiterhelfen, ihnen eine Freude machen", sagt er. Und das kommt bei den Menschen an. Beinahe jeder auf dem Gelände kennt seinen Namen. Steht er auf dem riesigen Parkplatz vor den Kasernen, bildet sich innerhalb von Minuten eine große Traube um ihn. Die Flüchtlinge kommen mit Fragen, Sorgen und Wünschen zu ihm. Der Dolmetscher ist für die Menschen hier so etwas wie eine Brücke zwischen der alten Heimat und der deutschen Kultur.

"Die Menschen müssen etwas machen"

Fahad Hudsch hat in Hameln eine Familie gegründet. Er und seine Frau haben eine Tochter und zwei Söhne, die hier zur Schule gehen. Für dieses Stück Heimat und Normalität hat er gekämpft. Das erwartet er auch von den Flüchtlingen, die neu nach Deutschland kommen. "Die Menschen müssen sich bewegen, etwas machen. Sie können nicht nur essen, schlafen und herumsitzen, sondern müssen auch zur Schule gehen und arbeiten", findet er. Hudsch will die Flüchtlinge motivieren und aufrütteln - und ihnen helfen, den Neustart in Deutschland so leicht wie möglich zu machen.

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 27.11.2015 | 19:30 Uhr

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