Stand: 12.08.2020 15:14 Uhr

Zwei Frauen getötet: Anklage fordert lebenslang

Der Angeklagte im Gerichtssaal in Göttingen und Justizbeamte. Alle tragen Mundschutz. © dpa - picture alliance Foto: Swen Pförtner
Der 53-jährige Angeklagte hat die Taten eingeräumt. (Archivbild)

Im Mordprozess um die tödliche Attacke auf zwei Frauen in Göttingen hat die Staatsanwaltschaft für eine lebenslange Haft des Angeklagten plädiert. Der 53-Jährige sei in Sicherungsverwahrung unterzubringen, forderte die Anklagebehörde am Mittwoch vor dem Landgericht Göttingen. Zudem müsse eine besondere Schwere der Schuld festgestellt werden. Beide Taten seien als Mord zu werten, so der Staatsanwalt. Zudem habe der Angeklagte zwei Helfer schwer verletzt. Hier liege gefährliche Körperverletzung vor.

Verteidigung sieht Mordmerkmale nicht gegeben

Die Verteidiger des Angeklagten argumentierten dagegen, die Tötungen erfüllten nicht die Kriterien für Mord. Sie plädierten daher dafür, die Taten als Totschlag beziehungsweise als Totschlag in einem besonders schweren Fall zu werten, was den Anwälten zufolge aber ebenfalls eine lebenslange Haft bedeuten könnte. Der Angeklagte hatte die Taten nach anfänglichem Schweigen gestanden. In seinem letzten Wort entschuldigte er sich noch einmal bei allen Beteiligten. Das Urteil wird für Freitag erwartet.

Ex-Freundin auf der Straße brutal getötet

Der 53-Jährige soll seine 44-jährige Ex-Freundin im vergangenen September in Göttingen auf der Straße mit Benzin übergossen, angezündet und erstochen haben. Der Mann habe es nicht ertragen können, dass sie sich von ihm getrennt habe, sagte der Staatsanwalt. "Er hat sie aus Wut getötet." Kurz vor der Tat habe der 53-Jährige seine Ex-Freundin von deren Balkon aus mit einem anderen Mann beobachtet, so der Ankläger. Daraufhin habe er die Möbel auf dem Balkon zertrümmert.

Allein vier Stiche ins Herz

Das Opfer habe nach dem Angriff vergeblich versucht zu fliehen, so der Staatsanwalt. Als Zeugen das Feuer löschen wollten, habe der Angeklagte die Frau erneut angezündet und mit einem Messer auf sie eingestochen. Sie starb noch auf der Straße. Allein ihr Herz sei viermal durchstochen worden. Laut Anklage hatte der 53-Jährige die Tat "geplant und gut vorbereitet".

Arbeitskollegin des Opfers stirbt im Krankenhaus

Eine zu Hilfe eilende Arbeitskollegin der Frau verletzte der Mann mit drei Stichen so schwer, dass sie im Krankenhaus starb. Laut Anklage griff er sie an, um die Tötung seiner Ex-Freundin vollenden zu können.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 12.08.2020 | 13:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus der Region

Ein umgestürzter Baukran liegt auf einer Straße im Göttinger Stadtteil Esebeck. © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Rampfel

Göttingen: Ermittlungen noch tödlichem Kran-Unfall

Bei dem Unglück war ein Mann ums Leben gekommen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Kranführer fahrlässige Tötung vor. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen