Stand: 13.10.2019 13:53 Uhr

Als die Mauer fiel: Geschichten von der Grenze

Ein ehemaliger Grenzwachturm bei Sorge: Wo heute Moos und Pflanzen wachsen, wurde vor dem 9. November 1989 scharf geschossen.

Rund 1.400 Kilometer war die innerdeutsche Grenze lang. Kein Bundesland verband die DDR mit einem derart langen Abschnitt wie Niedersachsen. Zum 30. Jahrestag des Mauerfalls ist der NDR in Niedersachsen auf Spurensuche entlang der damaligen Grenze gegangen. Jeden Grenzort verbindet mit dem 9. November 1989 eine eigene Geschichte und noch viel mehr die Menschen, die dort lebten. Die einen konnten ihre Familien wieder in die Arme schließen oder hatten zumindest Hoffnung, dass es in Kürze weit sein würde. Für die anderen bedeutete die Grenzöffnung das Ende eines Regimes, das sie fast das Leben gekostet hätte.

Ralf Wolfensteller blickt auf die Überreste der alten Grenzanlage im Harz, wo er einst die Flucht in den Westen versucht hatte.

Ein Fluchtversuch, der fast das Leben kostete

Hallo Niedersachsen -

1967 ergriff der damals 21-jährige Ralf Wolfensteller während seines Wehrdienstes bei den DDR-Grenztruppen die Flucht nach Niedersachsen. Doch ein Kollege verfolgte ihn - und schoss.

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Eine Mauer trennt Zicherie und Böckwitz

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Ein Stück Mauer erinnert an die ehemalige Grenze zwischen Zicherie und Böckwitz. (Archivbild)

Die benachbarten Orte Zicherie (Landkreis Gifhorn) und Böckwitz (Altmarkkreis Salzwedel, Sachsen-Anhalt) etwa trennt seit 1952 zunächst ein Stacheldraht, später wird die Grenze ausgebaut. Für die Menschen in Westdeutschland bekommt das Schicksal der Bewohner Symbolcharakter: Familien werden über Nacht getrennt. Nach dem Bau der Berliner Mauer wird dort 1961 erstmals ein Mensch von Grenzsoldaten erschossen, ein westdeutscher Journalist. Nur wenige Tage nach Öffnung der Grenze beginnt der Abriss der Mauer zwischen Zicherie und Böckwitz. Heute erinnert ein Grenzmuseum an diese Ereignisse.

Wandern am Grenzstreifen: Westharz und Ostharz

In einem Wander- und Erholungsgebiet wie dem Harz wirkt der Grenzstreifen mit seinen Wachtürmen und Stacheldrahtzäunen besonders befremdlich. Dort, wo einst zahlreiche Menschen versuchen, in den Westen zu flüchten, erinnern heute am ehemaligen Grenzübergang zwischen Hohegeiß (Landkreis Goslar) und Sorge (Landkreis Harz, Sachsen-Anhalt) ein Grenzmuseum und das "Grüne Band" an die Zeit vor der Wende.

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Barnitzer blicken aufs zweimal eingezäunte Rüterberg

Auch die unmittelbar an der Elbe liegenden Orte Barnitz (Landkreis Lüchow-Dannenberg) und Rüterberg (Landkreis Ludwigslust-Parchim, Mecklenburg-Vorpommern) sind durch den Eisernen Vorhang getrennt. Die Bewohner von Rüterberg leben unter besonders kuriosen Bedingungen: Wegen der Lage, die an eine Insel erinnert, wird der Ort zweifach eingezäunt - und das nicht nur Richtung Westen. Selbst wer Richtung Osten will, muss einen Passierschein vorlegen.

Durchs "Lübener Loch" nach Reddigau

Durch den Wittinger Ortsteil Lüben (Landkreis Gifhorn) und das nahe gelegene Reddigau (Altmarkkreis Salzwedel, Sachsen-Anhalt) zieht sich ebenfalls jahrzehntelang die Grenze. Auch wenn die Orte eher unbekannt sind, verbindet sie zumindest in der Region eine gemeinsame Geschichte aus der Zeit nach dem Mauerfall. Weil sich der Abriss des Zauns hinzieht und der nächste Grenzübergang weit scheint, lotsten die Lübener Pfingsten 1990 Schützenfest-Gäste aus Reddigau durch ein Loch im Zaun. Das "Lübener Loch".

Geschichten und Schicksale bei Hallo Niedersachsen

Bis zum 9. November erzählt der NDR jeden Sonntag im Regionalmagazin Hallo Niedersachsen das Schicksal von Menschen aus den Grenzorten:

  • 6. Oktober: Zicherie-Böckwitz - Das Hochzeitsfoto
  • 13. Oktober: Hohegeiß und Sorge - Die missglückte Flucht
  • 20. Oktober: Die Grenzdörfer Barnitz und Rüterberg
  • 27. Oktober: Zicherie-Böckwitz - Eine Stunde Wiedersehen
  • 3. November: Das Lübener Loch

 

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 13.10.2019 | 19:30 Uhr

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