Stand: 13.03.2019 17:44 Uhr

Wende-Gedenken in Waren: Landtag diskutiert Pläne

Bild vergrößern
Tausende gingen im Herbst 1989 auf die Straßen Mecklenburg-Vorpommerns und leiteten damit die friedliche Revolution ein. (Archivbild)

In Waren an der Müritz waren sie die Ersten in den damaligen DDR-Nordbezirken: Mitte Oktober 1989 gingen Menschen nach einem Gottesdienst auf die Straße. Still und friedlich protestierten sie gegen das DDR-Regime. Heute, 30 Jahre danach, wird die Wende allmählich Geschichte: Der Landtag will die Erinnerung an die Geschehnisse von damals wachhalten. Deshalb soll Waren zentraler Gedächtnisort des Landes werden. So steht es in einem Konzept der Landesregierung, über den das Landesparlament erneut beraten hat.

Kein "Kranzabwurfplatz"

Fest steht bisher, dass der Landtag am 16. Oktober nach Waren zu einer zentralen Gedenkveranstaltung in einer der beiden großen Kirchen im Zentrum kommen wird. Die Stadt soll außerdem eine Dauerausstellung bekommen, die die Ereignisse vor 30 Jahren in den Blick nimmt. CDU-Fraktionschef Vincent Kokert warb für einen unverkrampften Umgang mit der jüngsten Geschichte: Waren solle kein "Kranzabwurfplatz" werden, stattdessen solle die Freude über das Gelingen der Friedlichen Revolution im Vordergrund stehen.

Linke: Vorschläge mit "heißer Nadel gestrickt

Der Innenexperte der Linksfraktion, Peter Ritter, warnte davor, die Vorbereitung auf das Jubiläum schleifen zu lassen. Vieles in dem Konzept der Landesregierung sei ungeklärt, zum Beispiel dass neben Waren auch in 25 anderen Orten an die Ereignisse erinnert werden soll. Die Planungen sehen bisher vor, dass in einem Wettbewerb ein verbindendes Element für diese dezentralen Gedächtnisorte gefunden werden soll. Jeder Ort soll 1.989 Euro für die Gestaltung seiner Gedenkstätte bekommen. Die Vorschläge seien mit heißer Nadel gestrickt, so Ritter. "Das wird dem Anliegen einer wahren Gedächtniskultur an die Ereignisse von 1989 nicht gerecht."

Geld aus Vermögen der DDR-Massenorganisationen

Viel zu vage seien auch die Planungen für die Angebote auf den Internetseiten der Landeszentrale für politische Bildung und der Beauftragten für die Aufarbeitung der SED-Diktatur. Die Finanzierung sei nicht geklärt. Justizministerin Katy Hoffmeister (CDU) hob dagegen hervor, dass Geld kein Problem sei: "Klar ist, dass der zentrale Gedenkort mit einer Dauerausstellung durch die dem Land zur Verfügung stehenden Mittel aus dem Vermögen der Parteien und Massenorganisationen der ehemaligen DDR finanziert wird.

AfD sorgt für Misstöne

Für Misstöne in der Debatte sorgte die AfD. Ihr Abgeordneter Jörg Kröger, gleichzeitig Vorsitzender des Bildungsausschusses, verglich das Ende der DDR mit der aktuellen Situation in Deutschland. Damals wie heute würden Andersdenkende verfolgt: "Wer sich gegenwärtig einen vom politischen Mainstream gesteuerten Zeitgeist abweichenden Standpunkt bewahrt, riskiert gnadenlos an den Pranger gestellt, ausgegrenzt und gesellschaftlich geächtet zu werden. Der CDU-Abgeordnete Torsten Renz wollte das so nicht stehen lassen: "Sie können antreten für ein kommunales Parlament. Und wir haben einen Rechtsstaat, wo die Polizei ihre Demonstrationen schützt."

Weitere Informationen

Dietlind Glüer ist Ehrenbürgerin von Rostock

14.12.2018 06:00 Uhr

Die Bürgerrechtlerin Dietlind Glüer ist zur Ehrenbürgerin der Stadt Rostock ernannt worden. Sie gehöre zu den maßgeblichen Persönlichkeiten der friedlichen Revolution, hieß es. mehr

Unsere Geschichte: Atlas des Aufbruchs

25 Jahre nach der friedlichen Revolution in der DDR trägt der NDR einen norddeutschen Atlas des Aufbruchs zusammen. Von Güstrow bis Grimmen, von Schwerin bis Stralsund: Schreiben Sie mit! mehr

Von der friedlichen Revolution zur Einheit

Mit Montagsdemos und Massenfluchten zwingen die DDR-Bürger ein Regime in die Knie. Am 9. November 1989 öffnen sich die Grenzen, 327 Tage später ist Deutschland wiedervereinigt. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 13.03.2019 | 17:50 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

00:48
Nordmagazin
00:31
Nordmagazin