Sanierte alte Chirurgie in Rostock © Universitätsmedizin Rostock

Unimedizin Rostock: Chefärzte wehren sich gegen Sparkurs

Stand: 11.03.2021 10:55 Uhr

Die Uni-Medizin Rostock will mit einem rigiden Sparkurs raus aus den roten Zahlen. Mehrere Chefärzte und Spitzenprofessoren wehren sich - sie warnen vor Leistungskürzungen. Die Klinikspitze setzt auf Gespräche.

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

In der landeseigenen Universitätsmedizin Rostock (UMR) droht ein Aufstand der Chefärzte. In einem Brandbrief an Aufsichtsrat und Vorstand warnen sie vor den Folgen eines massiven Sparkurses. Das Schreiben liegt dem NDR vor. Mehr als 20 Klinikchefs schlagen darin Alarm. Seit gut zehn Jahre fehle eine Strategie für die UMR, schreiben sie. Die Mängel hätten sich an allen Standorten verschärft. Schon jetzt gebe es deshalb erhöhte Risiken für die Krankenversorgung der Patienten. Die Anfang des Jahres intern vom Vorstand angekündigten Sanierungsmaßnahmen werde die Lage an der Uniklinik weiter verschärfen, warnen die Chefärzte. Die Klinik müsse Leistungen zurückfahren. Die Klinikchefs befürchten, dass der Sparkurs vor allem einen Personalabbau mit sich bringen wird. Etwa 50 der 470 Ärzte sollen gehen, heißt es nach unbestätigten Angaben.

32 Millionen Euro Verlust eingefahren

Die UMR ist für das Land längst zum Sanierungsfall und zum Dauer-Zuschussgeschäft geworden. Als Hemmschuh gilt die vielfach alte Bausubstanz der Klinik mit weit verteilten Standorten in der gesamten Hansestadt. Die fehlende Konzentration wichtiger Medizinangebote an einem Standort führt zu deutlichem Mehraufwand. Im Jahr 2019 fuhr die Universitätsmedizin Rostock ein Minus von 32 Millionen Euro ein. Für das Corona-Jahr 2020 wird mit weiteren Verlusten gerechnet. Die Zahl der behandelten Patienten ging zurück und damit auch die Einnahmen. Offizielle Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr liegen noch nicht vor. Vom neuen kaufmännischen Vorstand, Christian Petersen, werden Ergebnisse erwartet. Der langjährige Asklepios-Manager hat jedoch keine Erfahrung mit der Arbeit in einem großen Universitätsklinikum.

Aufsichtsratschef gegen Personalabbau

UMR-Vorstandschef Christian Schmidt und der Aufsichtsratsvorsitzende, Ex-Finanzminister Mathias Brodkorb (SPD), erklärten auf NDR-Anfrage, die Unimedizin müsse aus der Verlustzone geführt werden, die Klinik müsse auch künftig leistungsfähig bleiben. Die Einnahmeverluste durch die Pandemie sollten nicht zu einem Personalabbau führen. Dazu sei man mit den Klinikchefs im Gespräch. Ein erstes Treffen an diesem Mittwoch sei in "kollegialer Atmosphäre" geführt worden. Über Ergebnisse ist bisher nichts bekannt. Brodkorb erklärte jedoch, ein großer Stellenabbau sei nicht geplant. Er dementierte ausdrücklich, dass 50 Stellen wegfallen sollen. "Das ist nicht richtig."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 11.03.2021 | 08:00 Uhr

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