Stand: 13.07.2018 14:37 Uhr

Trotz Mehrausgaben fehlt Marine Personal

von Christoph Prössl

Bis 2024 will die Bundesregierung deutlich mehr Geld für die Bundeswehr ausgeben: 1,5 Prozent der Wirtschaftsleistung. 2019 steigt der Wehretat bereits auf 42,9 Milliarden Euro. Doch so einfach ist es gar nicht, das Geld auszugeben. Ausrüstung zu beschaffen ist das eine, doch für zusätzliche Waffensysteme wird auch mehr Personal benötigt. Das birgt Schwierigkeiten.

Bild vergrößern
Ab 2023 sollen fünf baugleiche Schiffe die Korvette "Magdeburg" und ihre Schwesterschiffe ergänzen.

Im Marinehafen von Warnemünde in Mecklenburg-Vorpommern liegt derzeit eine Korvette. Die "Magdeburg" ist gerade aus dem Einsatz zurück, das Schiff muss bald in die Werft. Die anderen vier Korvetten sind im Einsatz vor der Küste des Libanon, werden überholt oder sind mit der Besatzung zur Ausbildung unterwegs. Das Bild macht die Belastung deutlich, unter der die Marine leidet, die an fünf internationalen Einsätzen teilnimmt.

Doppelt so viel Personal nötig

In Warnemünde ist das 1. Korvettengeschwader - so heißt das bei der Marine - stationiert: Fünf Schiffe eben dieses Typs. Ab 2023 kommen weitere Korvetten dazu. Noch einmal fünf Stück, wie der Bundestag entschieden hat. Die Bundeswehr soll besser ausgerüstet sein. Vor allem wachsen muss die Marine, wie Fregattenkapitän und stellvertretender Kommandeur Kenneth Harms erläutert. "Das heißt, wir werden uns mit Blick auf unsere Personalstrukturen verdoppeln müssen von derzeit 500 auf dann möglicherweise 1.000 Soldatinnen und Soldaten. Wir bereiten uns jetzt schon sehr aktiv auf diesen Aufwuchs des Verbandes vor.

Derzeit hat diese Teilstreitkraft, die deutlich kleiner ist als Heer, Luftwaffe und Sanität 14.500 Dienstposten. Neue Stellen sind hinzugekommen - das ist die "Trendwende Personal" von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen. Aber immer noch sind 1.500 Stellen unbesetzt. Die Marine will deshalb die Nachwuchsgewinnung verbessern.

Kampfschwimmer und Piloten fehlen

"Für uns ist das ein ambivalentes Bild. In Teilen gelingt es sehr gut, Menschen für die Marine zu gewinnen", sagt Kapitän zur See Thomas von Buttler, der den Bereich Personalmanagement bei der Marine verantwortet. Die Marine bildet derzeit schon deutlich mehr Soldatinnen und Soldaten aus, als es Plätze an den Schulen gibt. "Aber in einigen Bereichen ist es extrem schwierig, gerade in den technischen Bereichen, im Bereich der Kampfschwimmer und der Minentaucher, in der Marinefliegerei und bei den Hubschrauberpiloten. Das macht uns schon erhebliche Sorgen, weil wir hier noch große Lücken haben, die wir füllen müssen."

Bild vergrößern
Lange Zeiten auf See belasten das soziale Umfeld der Marinesoldatinnen und -soldaten.
Schnuppertage sollen Nachwuchs locken

Deswegen lädt die Marine Jugendliche und junge Erwachsene zu Schnuppertagen nach Kiel ein: Dort können sie mit einem Schiff auslaufen und ihnen wird erklärt, welche Karrierewege es gibt. Die Werbung sei für die Marine eben schwieriger, sagt von Buttler, weil die Standorte nicht über das gesamte Bundesgebiet verteilt seien. Das Heer kann am Tag der offenen Tür viel mehr Menschen ansprechen. "Das zweite Feld sind die monetären Anreize. Wir müssen unseren Leuten was bieten für die besondere Belastung, die wir ihnen aufbürden bei der Marine", sagte von Buttler mit Blick auf Einsätze, in denen Soldatinnen und Soldaten bis zu vier Monate von zu Hause weg sind.

Arbeitsumgebung muss attraktiver werden

Die Marine will die Planbarkeit von Einsätzen für Soldatinnen und Soldaten verbessern, damit der Dienst attraktiver wird. Die höheren Zulagen würde die Marine gerne im Verteidigungsministerium durchsetzen; ebenso wie eine eigene Werbekampagne. Auf den Plakaten sei zu viel Grün zu sehen, heißt es bei der Marine und manch einer wisse gar nicht, dass die Marine zur Bundeswehr gehört.

Weitere Informationen
NDR Info

50 Jahre Streitkräfte und Strategien

NDR Info

Seit einem halben Jahrhundert werden in der Sendereihe sicherheits- und militärpolitische Themen vertieft und kritisch betrachtet. Jetzt feiert "Streitkräfte und Strategien" den 50. Geburtstag. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 13.07.2018 | 14:11 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

00:45
NDR Fernsehen