Auf einem Feld wird Raps geerntet. © dpa-Bildfunk Foto: Bernd Wüstneck

Trecker, Schweine, Wolf - Landwirtschaft im Zeichen der Wahl in MV

Stand: 26.08.2021 09:31 Uhr

Zu wenig Wertschätzung, zu viel Bürokratie, der Wolf, der Streit um bio oder konventionell - vielen Bauern drückt der Schuh gleich an mehreren Stellen. Sie sind nicht zufrieden mit der Agrarpolitik. Im Vorfeld der Landtagswahl reden wir darüber in unserem Podcast Dorf-Stadt-Kreis - und schauen was die Parteien dazu in ihren Wahlprogrammen anbieten.

"Ich habe keine Lust mehr, mir von Leuten die keine Ahnung haben erzählen zu lassen wie ich es machen muss", bringt es Stefan Wille-Niebur auf den Punkt. Er ist Landwirt in Plate bei Schwerin, hält 13.000 Schweine und betreibt auch Ackerbau.

Bio oder konventionell?

Landwirte beider Fraktionen sind unzufrieden: Öko-Landwirte fordern schnellere Reformen und auch mehr Anreize, Planungssicherheit bei der Förderung und dass mehr landeseigene Flächen an Bio-Bauern verpachtet werden. Und die Wahlprogramme der meisten Parteien sagen auch: die Landwirtschaft muss ökologischer werden. In der Praxis heißt das, die Verpachtung freier Landesflächen wird an Umweltauflagen gekoppelt. Das wäre gut für kleine Bio-Betriebe. Die Statistik zeigt aber, dass neu verpachtetes Land in den vergangenen zehn Jahren zum großen Teil an große Betriebe ging und nicht an die oft kleinen Bio-Bauern.

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Konventionelle Bauern hingegen beklagen, dass Umweltauflagen die Produktivität mindern. Öko-Flächen bringen nicht mal die Hälfte des Ertrags herkömmlicher Bewirtschaftung, sagte ein Bauer im Podcast Stadt-Land-Kreis. Davon könne er seine Tiere nicht mehr füttern. Sein Fazit: Bitte nicht öko gegen konventionell ausspielen, sondern die Bio-Landwirtschaft muss konventioneller und ertragreicher werden, die konventionelle Landwirtschaft ökologischer.

"Da fühlt man sich als Landwirt wirklich verarscht"

"Der Mähdrescher arbeitet auf dem Feld, es staubt und ein vorbeifahrender Autofahrer zeigt mir deshalb den Vogel", erzählt ein Landwirt im Podcast. Unsere Arbeit wird viel zu wenig wertgeschätzt, sagen viele Bauern. Sie verlangen mehr Aufklärung über das was die Landwirte tun: für die Ernährung, aber auch für die Landschaft und die Natur. Mehr Bildung: Das müsse im Kindergarten anfangen und sich durch Schule und Berufsausbildung ziehen. In den Wahlprogrammen der Parteien spiegelt sich das Thema Wertschätzung für die Landwirtschaft in der Forderung wider, hier angebaute Nahrungsmittel stärker aufzuwerten. Durch regionale Marken und Gütesiegel oder Wertschöpfungsketten. Was hier wächst wird auch hier verarbeitet.

Dorf Stadt Kreis: Porträt von Thomas Naedler  Foto: Jörn Lehmann
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Bauer oder Bürohengst?

Anträge, Förderung, Richtlinien, Fristen, Dokumentation - viele Bauern klagen, dass sie fast so viel Zeit im Büro verbringen wie auf dem Feld. Der bürokratische Aufwand wird immer größer, sagen Bauern. Er bedroht sogar die Existenz vor allem kleiner Betriebe, die sich keine Fachkraft extra für diese Aufgaben leisten können. Zeit im Büro fehlt dem Kleinbauern auf dem Trecker oder im Stall. Für die Landespolitik ist Bürokratie- Abbau für die Landwirte ein schwieriges Thema: die meisten Förderprogramme zum Beispiel werden in Brüssel, von der EU aufgelegt. Vereinfacht und gestrafft werden könnten die Anträge dafür also nur dort. Und einfach keine Förderanträge ausfüllen und stellen ist für die Landwirte auch keine Option, denn es geht um viel Geld, und dieses Geld ist für manche sogar überlebenswichtig.

Und dann noch der Wolf

Der Wolf und der Schaden den er anrichtet taucht in den Wahlprogrammen fast aller Parteien auf. Das Thema ist emotional und medienwirksam. Und fast alle Parteien fordern, dass der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen wird, die Herden der Weidetiere besser geschützt und die Halter besser entschädigt werden, wenn Wölfe Tiere reißen. Die letzten beiden Punkte kann durchaus die Landespolitik regeln. Beim Thema Jagd auf Wölfe werden die Regeln allerdings nicht in Schwerin gemacht, sondern in Brüssel. Der Wolf ist europaweit geschützt. Die Politik hier im Land hat wenig Handlungsspielraum.

Zu wenig Wertschätzung, zu viel Bürokratie, der Wolf, der Streit um bio oder konventionell - vielen Bauern drückt der Schuh gleich an mehreren Stellen. Wir reden darüber und mit ihnen und schauen, was die Parteien dazu in ihren Wahlprogrammen anbieten. Im neuen NDR MV Podcast Dorf Stadt Kreis - ab sofort in der ARD-Audiothek.

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