Stand: 28.09.2020 15:22 Uhr

Toter bei Hausbrand: Anwohner kritisieren Behörden

Brandruine in Neustrelitz
Zehn Mietparteien können nach dem Brand mit Todesfolge in Neustrelitz auf absehbare Zeit nicht in ihre Wohnungen zurückkehren. (Archivbild)

Nach der Verpuffung und dem Brand mit einem 55-jährigen Toten am Freitag in Neustrelitz erheben Anwohner nun schwere Vorwürfe gegen die Behörden. Der 55-Jährige, der bei dem Brand ums Leben kam, soll seit mehreren Wochen die gesamte Nachbarschaft, Polizei und Rettungsdienste in Atem gehalten haben. So hätten Anwohner teils mehrmals innerhalb eines Tages - meistens nachts - die Polizei wegen Ruhestörung gerufen. Außerdem soll der Mann in der Wohnung randaliert, laut gesungen und Gegenstände aus dem Fenster geworfen haben, so der Vorwurf von Nachbarn. Es habe sich niemand mehr so richtig sicher gefühlt, sagte ein Anwohner.

Mann wurde kurzzeitig in Psychiatrie eingewiesen

Die Verunsicherung ist noch dadurch gesteigert worden, weil Mieter beobachtet haben wollen, wie der Mann Propangasflaschen in die Wohnung getragen habe. Anfang vergangener Woche, wenige Tage vor der verhängnisvollen Verpuffung, wurde der Mann in die Psychiatrie gebracht. Nach Angaben der Polizei kam er aber am nächsten Tag wieder nach Hause. Warum, dazu gibt es aus Datenschutzgründen keine Auskünfte. Eine Zwangseinweisung in die Psychiatrie ist grundsätzlich möglich. Es müssen aber bestimmte Bedingungen erfüllt sein. Das geht nur, wenn jemand sein Leben oder seine Gesundheit auf's Spiel setzt - zum Beispiel bei einem Selbstmordversuch.

Mann wegen Todes einer Frau in Alt Rehse verurteilt

Der 55-Jährige war kein unbeschriebenes Blatt. Nach dem Tod einer Frau im Jahr 2016 in Alt Rehse bei Neubrandenburg war er verurteilt worden. Die 32-Jährige sei von ihm an ein Bett gefesselt und ausgepeitscht worden, so ein Richter in einer Urteilsverkündung. In der Folge starb die Frau - nach Einschätzung eines Rechtsmediziners, weil sie nicht zu Essen und Trinken bekam. Die Leiche hatten Polizisten Wochen später zufällig entdeckt, weil sie wegen einer Ruhestörung alarmiert worden waren. Der Mann war zunächst zu fünf Jahren Haft verurteilt worden, in einem Revisionsprozess nur noch zu einer Geldstrafe. Auch dagegen hatten Verteidigung und Staatsanwaltschaft Revision eingelegt. Doch durch den Tod des Mannes ist der Rechtsstreit nun an sein Ende gekommen.

Gaskartuschen lösten Verpuffung aus

In Neustrelitz sind derweil aufgrund der Feuer- und Löschwasserschäden zehn Mietparteien ohne Wohnung. Sie müssen zunächst in ihren Notunterkünften bleiben. Ob das Haus überhaupt saniert werden kann, müsse noch durch andere Gutachter geklärt werden, hieß es. Am heutigen Montag untersuchte ein Brandursachenermittler die Ruine. Nach ersten Erkenntnissen lösten in der Wohnung gelagerte Gaskartuschen die Verpuffung aus.

Weitere Informationen
Löscharbeiten in Neustrelitz © NDR Foto: Heike Becker

Mann stirbt nach Brand: Rechtsstreit um Frauentod endet

Nach dem Brand in einem Mehrfamilienhaus in Neustrelitz ist der 55 Jahre alte Mieter gestorben. Mit dem Tod des Mannes endet ein jahrelanger Rechtsstreit um den Tod einer Frau in Alt Rehse. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 28.09.2020 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

Ein Abstrichstäbchen wird in einer Corona-Test- Einrichtung gehalten. © picture alliance/dpa Foto: Britta Pedersen

Corona in MV: Vorpommern-Greifswald wird Hochrisikogebiet

Vorpommern-Greifswald überschreitet erstmals die Marke von 200 bei den Inzidenzwerten. Verschärfte Regeln werden geplant. mehr

Geerntete Zuckerrüben liegen auf einem Haufen. © dpa-Bildfunk Foto: Philipp Schulze

Rübenkampagne beendet: Ertrag unter Erwartungen

Bei der Rübenkampagne fielen Ertrag und Zuckergehalt niedriger aus, die Preise waren aber etwas besser als im Vorjahr. mehr

Marode Vorpommernbrücke in Rostock © NDR Foto: Max Fuhrmann

Von heute an Behinderungen an Vorpommernbrücke in Rostock

Auf der Verbindung ins östliche Umland wird es eng: Für Messarbeiten werden tagsüber zwei Fahrstreifen gesperrt. mehr

7-Tage-Inzidenzkarte vom 17. Januar

Corona in MV: 122 Neuinfektionen, zehn weitere Todesfälle

Die meisten Neuinfektionen wurden im Landkreis Vorpommern-Greifswald registriert. mehr