Vor dem Eingang eines Hauses in Torgelow, wo am 12.01.2019 eine Sechsjährige ums Leben kam, stehen Gedenkkerzen. © dpa-Zentralbild Foto: Bernd Wüstneck

Revisionsprozess Mordfall Leonie: Lebenslange Haft gefordert

Stand: 15.02.2021 16:08 Uhr

Im Revisionsprozess um den gewaltsamen Tod der sechsjährigen Leonie aus dem vorpommerschen Torgelow, hat die Staatsanwaltschaft wie im ersten Prozess vor einem Jahr eine lebenslange Haftstrafe gefordert. Leonies Stiefvater habe den Mord begangen, um zu vertuschen, dass er Leonie zuvor schwer misshandelt hatte.

Damit argumentierte die Anklagebehörde wie im ersten Prozess. Für ihn komme aber auch ein Mord aus niederen Beweggründen in Betracht, falls das Gericht die Tat nicht als Verdeckungsmord werte, sagte Staatsanwalt Bernd Bethke in seinem Plädoyer. Der Angeklagte habe eine negative Grundeinstellung zu beiden Stiefkindern gehabt und seine Machtstellung innerhalb der Familie mit Gewalt durchsetzen wollen. Zudem habe sich der 29-Jährige der Körperverletzung mit Todesfolge und der schweren Misshandlung Schutzbefohlener schuldig gemacht, auch bei Leonies Bruder. Einer der beiden Verteidiger erklärte in seinem Schlussvortrag, dass der Angeklagte Leonie nicht töten wollte, sondern bei der Erziehung der Kinder lediglich zu hart zugeschlagen habe. Deshalb solle er insgesamt zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt werden. Das Urteil soll am 25. Februar verkündet werden.

BGH hob Urteil in Teilen auf

Vor den Plädoyers wurden noch zwei Gutachter gehört, um das Motiv des Angeklagten besser einschätzen zu können. Von Motiv hängt eine Verurteilung wegen Mordes ab. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte das erste Urteil in Teilen aufgehoben, weil das Landgericht Neubrandenburg nicht schlüssig begründet hatte, dass es sich um einen Vertuschungsmord handelt.

Sechsjährige starb nach Bestrafung durch Stiefvater

Leonie war am 12. Januar 2019 tot in der Wohnung der Familie in Torgelow gefunden worden. Der Stiefvater gab damals an, das Mädchen sei eine Treppe im Hausflur hinuntergestürzt und später an den Verletzungen gestorben. Das Gericht folgte dem nicht. Nach Einschätzung der Richter hatte die Mutter vor Gericht glaubhaft geschildert, wie Leonie und ihr damals zwei Jahre alter Bruder mehrfach vom Stiefvater misshandelt worden waren. Zuletzt sei die Sechsjährige Opfer einer Bestrafungsaktion des Mannes geworden, hatte der Richter erklärt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 15.02.2021 | 15:00 Uhr

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