Ein Kind mit Maske kuschelt sich an einen Teddybär © Colourbox Foto: Vladimir

Psychiater: Kaum psychische Störungen bei Kindern wegen Corona

Stand: 22.11.2020 10:26 Uhr

Die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie teilt Befürchtungen nicht, wonach Lockdowns und Kontaktverbote zu schweren psychischen Schäden bei Kindern führen. Mediale Aspekte der Corona-Pandemie müssten "entkatastrophiert" werden.

Die Corona-Pandemie zeigt nach Erkenntnissen von Psychiatern bislang geringere Auswirkungen auf die Psyche von Kindern und Jugendlichen als befürchtet. "Es gibt aktuell keine Anhaltspunkte, dass sich in der psychischen Entwicklung der jungen Menschen etwas nachhaltig verändern könnte", sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Michael Kölch. Er ist zugleich Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Unimedizin Rostock.

Warnung vor Spekulationen über Langzeitfolgen

Die Pandemie sei sowohl für Kinder als auch für Erwachsene oftmals anstrengend und auch belastend, dennoch laufe die normale geistige Entwicklung der Kinder weiter. Kölch warnte auch davor, über mögliche Langzeitfolgen zu spekulieren. Das wäre wissenschaftlich nicht haltbar. Es müsse auch darum gehe, solche medialen Aspekte der Pandemie zu "entkatastrophieren".

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Bedarf an weiteren Untersuchungen

Gleichwohl müsse die Entwicklung der Kinder während der Pandemie weiter genau beobachtet und untersucht werden. Insbesondere Menschen in sozial schwierigen Lebensumständen seien von der Krise betroffen. "Falls dann öffentliche Fördersysteme in der Schule wegfallen oder Eltern die Kinder nicht wie notwendig unterstützen können, könnte eine Schere aufgehen." Kritisch sieht der Mediziner auch den häufigen Wegfall von Schuleingangsuntersuchungen in Folge der Überbelastung der Gesundheitsämter. Dies könnte sich langfristig negativ auswirken.

Maskentragen macht Kindern "überhaupt nichts aus"

"Es ist nicht auszuschließen, dass Entwicklungsstörungen nicht rechtzeitig entdeckt, Kinder falsch eingeschult werden oder nicht die Unterstützung erhalten, die sie brauchen", so Kölch. Das Risiko einer psychischen Störung könne steigen. Das Maskentragen bei Kindern und Jugendlichen sieht er hingegen nicht allzu problematisch. Selbst bei seinen jungen Patienten, von denen viele als psychisch wenig belastbar gelten, gebe es kaum negative Reaktionen. "Denen macht das überhaupt nichts aus."

Studien: Pandemie hinterlässt Spuren bei den Jüngsten

Dass die Pandemie aber nicht spurlos an den Kindern und Jugendlichen vorbeigeht, zeigen mehrere Studien in Deutschland. Eine Mehrheit der befragten Kinder und Jugendlichen fühle sich durch die Corona-Krise seelisch belastet, ist eine Erkenntnis. Eine neue Studie der Ruhr-Universität Bochum mit über 3.000 Eltern zeigte, dass auch schon die ganz Kleinen betroffen sind: Eltern von Babys und Kleinkindern beobachteten während des Lockdowns im Frühjahr 2020 einen Anstieg von Verhaltens- und emotionalen Problemen bei ihren Kindern. Zudem warnen Kinderärzte und Sozialarbeiter vor der Zunahme von häuslicher Gewalt und Gewalt gegen Kinder.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 22.11.2020 | 13:00 Uhr

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