Proteste gegen Corona-Maßnahmen: Erneut Tausende in MV auf der Straße

Stand: 04.01.2022 16:31 Uhr

In mehreren Städten Mecklenburg-Vorpommerns sind am Montagabend erneut mehrere Tausend Menschen auf die Straße gegangen. Die meisten protestierten gegen die Corona-Schutzmaßnahmen. Es gab aber auch Gegendemonstrationen.

Nach Polizeiangaben beteiligten sich am ersten Montag im neuen Jahr insgesamt rund 12.000 Menschen in mehr als 20 Orten an angemeldeten "Lichterspaziergängen", Kundgebungen sowie nicht angemeldeten Schweigemärschen. Das waren etwa ein Drittel weniger als vor einer Woche. Allein in Rostock waren fünf Demonstrationen angemeldet - sowohl von Gegnern der Corona-Schutzmaßnahmen als auch von deren Befürwortern. Nach Polizeiangaben versammelten sich rund 4.000 Demonstranten, um gegen die Corona-Maßnahmen zu protestieren. Für die angemeldete Demonstration galt eine Mund-Nasen-Schutz-Pflicht, die aber größtenteils nicht eingehalten wurde. Im Gegensatz zur Demonstration am vergangenen Montag sperrten die Polizeikräfte alle Nebenstraßen der vorgesehenen Route konsequent ab - um zu verhindern, dass sich verschiedene Demonstrationszüge bildeten.

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Rostock: Demo-Teilnehmer blockieren Kreuzung

Demonstranten in Rostock © Jürn-Jakob Gericke Foto: Jürn-Jakob Gericke
In Rostock wurde mit Slogans des als rechtsextremistisch eingestuften "Compact"-Magazins demonstriert.

Teilnehmer der Maßnahmengegner-Demo versuchten, sich anfangs zum Neuen Markt zu einer Gegendemonstration mit rund 80 Teilnehmern zu bewegen, was die Polizei aber mit einer Kette aus Fahrzeugen verhinderte. In Höhe Vögenteich trafen Teilnehmer des Protestzuges und Gegendemonstration dann aber doch noch aufeinander, es blieb aber bei verbalen Auseinandersetzungen. In dem Demonstrationszug wurden auch Plakate mit Parolen des "Compact"-Magazins wie etwa "Impfdiktatur" hochgehalten. Der Verfassungsschutz stuft das Magazin als rechtsextremistisch ein. Auch kleine Kinder riefen Parolen durch ein Megafon, wie ein NDR Reporter berichtete. Nach dem Ende der Veranstaltung weigerten sich zunächst Tausende Demonstranten, nach Hause zu gehen und blockierten noch eine Weile die Steintor-Kreuzung.

Schwerin: Rund 2.000 demonstrieren gegen Corona-Maßnahmen

In Schwerin zogen bei strömendem Regen laut Polizei etwa 2.000 Demonstranten friedlich durch die Innenstadt, die Veranstalter sprachen von 2.500. Die Teilnehmer - laut Polizei quer durch alle Bereiche der Gesellschaft, auch mit Familien - protestierten gegen die andauernden Einschränkungen im Alltag und die Pläne der Bundesregierung, eine allgemeine Impfpflicht einzuführen. Auf Höhe der Staatskanzlei skandierten einige Teilnehmer "Schwesig muss weg". Die Beteiligung blieb leicht hinter den Teilnehmerzahlen der beiden Vorwochen zurück. Am vergangenen Montag hatte die Polizei in Schwerin etwa 2.700 Teilnehmer gezählt. Es kam zu Verkehrsbehinderungen. Auch in Wismar gab es eine Demonstration gegen die Corona-Politik.

Neubrandenburg: Demonstration für Impfpflicht

In Neubrandenburg kamen bei Hagel- und Regenschauern nach Schätzung der Polizei rund 1.800 Maßnahmengegner zusammen, in der Vorwoche waren es 2.500. Zugleich demonstrierten rund 60 Menschen für die Corona-Maßnahmen der Landesregierung und für eine allgemeine Impfpflicht. In Redebeiträgen prangerten die Teilnehmer unter anderem die Unterwanderung der Anti-Corona-Demos durch rechte Gruppierungen an. Auch in anderen Orten an der Mecklenburgischen Seenplatte versammelten sich Gegner der Corona-Politik: in Waren rund 500, in Röbel laut Polizei 300 und in Neustrelitz etwa 200. Auch in Malchow wurde gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert.

400 Teilnehmer in Stralsund - darunter AfD-Landeschef Holm

In Stralsund zogen laut Polizei 400 Demonstranten - unter ihnen auch AfD-Landeschef Leif-Erik Holm - durch die Stadt. Laut NDR Reportern vor Ort blieb es friedlich. Die Teilnehmer forderten eine Entschuldigung von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), weil sie sich öffentlich diskriminiert fühlten. Schwesig hatte in einem Brief an Parteimitglieder radikalen Corona-Leugnern vorgeworfen, sich "faschistischer" Methoden zu bedienen. Die Demonstranten forderten zudem einen runden Tisch mit Politikern, Kirche und der Presse.

Etwa gleich starker Gegenprotest in Greifswald

In Greifswald stand den Kritikern der Corona-Maßnahmen eine große Gruppe von Gegendemonstranten gegenüber. Auf dem Greifswalder Marktplatz kamen laut Polizei 400 bis 500 Menschen zum Protest gegen die Corona-Maßnahmen zusammen. Andere - etwa in gleicher Anzahl - waren dem Aufruf eines Bündnisses gefolgt, das unter dem Motto "Impfen - Verantwortung und Solidarität!" zeigen wollte, dass die Mehrheit der Bevölkerung die Corona-Schutzmaßnahmen für nötig hält.

Anklam: Polizist mit Faust geschlagen

Bei einer unangemeldeten Demonstration in Anklam (Landkreis Vorpommern-Greifswald) kam es zu Auseinandersetzungen. Laut Polizei versuchten bis zu 100 Demonstranten mehrmals, die Straßensprerrungen zu durchbrechen. Ein Teilnehmer schlug einem Polizisten mit der Faust ins Gesicht. Die Polizei setzte Pfefferspray ein. In Güstrow versammelten sich rund 200 Menschen vor dem Rathaus zu einer unangemeldeten Demonstration. Die Polizei forderte die Teilnehmer zur Einhaltung der Abstandsregeln und Tragen einer Maske auf, was aber größtenteils verweigert wurde.

Vor Weihnachten protestierten 17.000 in MV

Daneben waren in weiteren Städten des Landes für Montag Demonstrationen angekündigt beziehungsweise waren von der Polizei erwartet worden. Die Teilnehmerzahl der Demonstrationen war in Mecklenburg-Vorpommern zum Ende des vergangenen Jahres hin gestiegen. Am Montag vor Weihnachten hatten sich in 20 Städten etwa 17.000 Menschen beteiligt - der bisherige Höchststand.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 04.01.2022 | 16:15 Uhr

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