Stand: 17.07.2020 15:19 Uhr

Perspektivsuche für Kaufhof Neubrandenburg

Außenansicht des großen Kaufhof in Neubrandenburg.
Auch in Zukunft soll das Kaufhof-Gebäude möglichst als Warenhaus genutzt werden.

Vier Wochen nachdem der Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof das Aus von 50 Filialen verkündet hat, sieht es für das Neubrandenburger Kaufhaus weiter düster aus. Das Karstadt-Gründungshaus in Wismar und Galeria Kaufhof in Rostock sind von der Schließungswelle nicht betroffen. Auch die angekündigte Schließung von sechs Filialen hat der Konzern inzwischen zurückgenommen. Für Neubrandenburg gibt es dagegen keine Zeichen, die für Optimismus sorgen.

Schließung noch in diesem Jahr?

Oberbürgermeister Silvio Witt (parteilos) hatte angekündigt, für den Erhalt des Kaufhauses kämpfen zu wollen. Er hat die Konzernleitung von Galeria Karstadt Kaufhof aufgefordert, den Mietvertrag zu erfüllen. Dieser würde bis 2022 laufen. Reagiert hat das Management des Konzerns bisher allerdings nicht. Deshalb denkt der Oberbürgermeister auch über Alternativen nach: "Wir haben in den letzten Jahren hier in Neubrandenburg viel richtig gemacht. Die Turmstraße, die Treptower Straße das sind unsere Einkaufsstraßen. Und wir legen darauf Wert, dass dort Gastronomie und Einzelhandel platziert sind." Und da spiele der Kaufhof eine wichtige Rolle, so Witt. "Sollte man das Gebäude anders nutzen wollen, müssten wir umplanen." Nach Informationen von NDR 1 Radio MV könnte das Haus schon vor dem Jahresende geschlossen werden.

Schwarze Zahlen, aber größere Erwartungen

Bislang hat der Kaufhof in Neubrandenburg offenbar keine wirtschaftlichen Probleme: Zumindest schreibt er laut City-Manager Michael Schröder schwarze Zahlen. Aber das reicht dem Management des Konzerns offenbar nicht aus. Manager Miguel Müllenbach begründete die fehlende Zukunftsperspektive gegenüber dem "Handelsblatt" mit soziodemografischen Nachteilen. Das bedeutet: Die Kaufkraft reicht in der Region nicht aus, damit das Warenhaus die Erwartungen des Konzerns erfüllen kann. Ein Blick auf die Kaufkraftdaten von der IHK bestätigen das: In der Region liegt dieser Wert noch unter dem Landesschnitt von knapp 20.000 Euro pro Jahr. Das ist deutschlandweit der niedrigste Wert. Im Nachbarland Schleswig-Holstein kann zum Beispiel jeder Haushalt pro Jahr rund 4.000 Euro mehr ausgeben.

Möglichst Warenhaus, notfalls Wohnungen

Das Gebäude soll möglichst ein Warenhaus bleiben - in welcher Form auch immer. Da seien sich alle einig, sagt City-Manager Schröder: "Diese Fläche am Marktplatz, also 1a-Lage, das wird aber nicht ganz einfach. Das haben wir schon beim Marien-Carrée gesehen, wie schwierig die Vermietung war." Als City-Manager werde er alle Interessenverbände zusammenbringen, um einen "gewissen Branchenmix" hinzubekommen und vielleicht auch neue Anreize schaffen. In der Neubrandenburger Innenstadt gibt es beispielsweise immer noch keinen Discounter. Vorstellen könne sich Oberbürgermeister Witt diese Variante. Und wenn gar nichts andere gehe: Wohnungen würden in der Innenstadt immer gebraucht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Der Tag | 17.07.2020 | 16:10 Uhr

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