Stand: 11.12.2019 05:48 Uhr

Klinik-Nachverhandlungen: Betreiber überrascht

Die Landesregierung will mit Nachverhandlungen die geplante Schließung der Geburtenstation in Crivitz noch verhindern. Das kündigte Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) an. Die Klinikbetreiber in Crivitz und Parchim reagierten zurückhaltend auf die Ankündigung.

Mediclin bleibt bei Schließung zum Jahresende

Sie sei überrascht und wisse noch nichts von Nachverhandlungen, sagte die Sprecherin von Mediclin in Crivitz, Gabriele Eberle, NDR 1 Radio MV. Sie betonte, es sei klar, dass die Frauen- und Geburtenstation am Standort zum Jahresende geschlossen werden. Ähnlich äußerte sich ein Sprecher des Mediclin-Mutterkonzerns Asklepios, der das Parchimer Krankenhaus betreibt. Ein Fortbestand der Abteilung in Crivitz sei mit Risiken verbunden.

Betrieb zweier Geburtenstationen laut Asklepios nicht möglich

Es gebe Faktoren, die zur Schließung geführt hätten, aber nicht von den Kliniken beeinflussbar gewesen seien, sagte der Asklepios-Sprecher und nannte Personalengpässe und sinkende Geburtenzahlen als Beispiele. Es sei auch nicht möglich, beide Geburtenstationen in Crivitz und Parchim langfristig zu halten. Eine Bündelung der Abteilungen, so wie jetzt vereinbart, gebe insgesamt mehr Sicherheit in der Region.

Kabinett beschließt Nachverhandlungen

Das Kabinett hatte sich am Dienstag mit dem Thema beschäftigt. Vor der Staatskanzlei protestierten etwa 100 Menschen lautstark gegen die Schließung der Frauen- sowie der Geburtenstation in Crivitz. Sowohl Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) als auch Ministerpräsidentin Schwesig sprachen mit den Demonstranten. Die Regierungschefin ging dabei auf Distanz zu Glawe: Sie sei von der am vergangenen Freitag bekanntgewordenen Entscheidung überrascht worden und halte sie auch für falsch, sagte Schwesig. Nach der Kabinettssitzung kündigte sie Nachverhandlungen mit den Krankenhauskonzernen an. Gesundheitsminister Glawe wurde beauftragt, noch einmal mit Vertretern von Mediclin und Asklepios zu sprechen. "Hier muss es zu einer anderen Lösung kommen", sagte Schwesig nach der Sitzung der Ministerrunde dem NDR Nordmagazin.

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Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) spricht vor der Staatsklanzlei zu Protestierenden gegen die Schließung der Geburtenstation in Crivitz. © ndr.de Foto: ndr.de

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Kinderärzte sehen Geburtenstation in Parchim kritisch

Kritik an den Plänen für eine Bündelung der Klinikabteilungen von Crivitz und Parchim kommt auch von Kinderärzten. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Mecklenburg-Vorpommern kritisiert, dass in Parchim eine vollwertige Geburtenstation entstehen soll, ohne dass dort eine Kinderklinik existiert. Gerade wenn Neugeborene in Lebensgefahr schweben, müssten qualifizierte Kinderärzte schnell zur Stelle sein, so Verbandssprecher Steffen Büchner. So etwas komme zwar sehr selten vor, dennoch könnten in solchen Notfällen auch Hubschrauber keine Lösung sein. Ein Hubschrauberlandeplatz in Parchim, so wie von Gesundheitsminister Glawe angekündigt, sei zwar für das Krankenhaus ein Gewinn, dennoch würden Hubschrauber nicht im Dunkeln und bei schlechten Wetterverhältnissen fliegen, sagte Büchner weiter.

Positive Reaktion auf Kinder-Tagesklinik in Parchim

Die Einrichtung einer Tagesklinik für Kinder in Parchim begrüßte der Verband der Kinder- und Jugendärzte hingegen. Nach dem Aus der Kinderstation würde es in einer Tagesklinik wenigstens gute Möglichkeiten geben, kranke Kinder zu untersuchen. So könnten zum Beispiel auch Röntgenbilder gemacht und Blut untersucht werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 11.12.2019 | 06:00 Uhr

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