Nach Kraftwerk-Blockade: Klimaaktivisten müssen zahlen

Stand: 14.09.2021 14:07 Uhr

In Greifswald hatten Klima-Aktivisten am Freitag ein Heizkraftwerk besetzt. Die Stadt hat ihnen nun den Feuerwehr-Einsatz in Rechnung gestellt. Außerdem ermittelt die Polizei.

Nachdem am vergangenen Freitag sechs Klimaaktivisten das Heizkraftwerk in der Greifswalder Innenstadt besetzt hatten, hat die Stadt ihnen nun die Kosten für den Feuerwehr-Einsatz in Rechnung gestellt - rund 1.700 Euro. Nach Angaben einer Stadtsprecherin werden aber noch Folgekosten ermittelt, sodass die Rechnung noch höher ausfallen könnte. Die Greifswalder Berufsfeuerwehr war mit elf Kameraden und fünf Einsatzfahrzeugen ausgerückt.

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Das Blockheizkraftwerk der Stadtwerke in Greifswald mit einem Feuerwehrauto mit ausgefahrener Drehleiter im Vordergrund - Klima-Aktivisten haben das Kraftwerk besetzt und fordern eine Abkehr von Gas als Energiequelle  Foto: Michaele Rüting

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Polizei ermittelt gegen Klimaaktivisten

Zudem haben die Stadtwerke Greifswald nach der Besetzung des Blockheizkraftwerks drei Aktivisten wegen Hausfriedensbruchs angezeigt. Die Polizei ermittelt inzwischen aber gegen insgesamt sechs Aktivisten - von einigen sei die Identität noch nicht geklärt. Laut Polizei haben drei Gruppenmitglieder sich geweigert, ihre Personalien preiszugeben. Sie hätten ihre Hände mit einer klebrigen Substanz eingeschmiert, damit ihnen keine Fingerabdrücke abgenommen werden können, und hätten ihre Gesichter verschmutzt, hieß es. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft seien die Gesichter gereinigt, fotografiert und andere erkennungsdienstliche Daten genommen worden.

Stadtwerke stufen die Aktion als lebensgefährlich ein

Der Geschäftsführer der Stadtwerke Greifswald, Thomas Prauße, hatte mehrfach versucht, die Aktivisten dazu zu bewegen, vom Schornstein und vom Dach des Blockheizkraftwerkes herunterzukommen. "Ich habe jederzeit Verständnis für Protest, aber nicht für diese Art von Aktionen", sagte Prauße NDR 1 Radio MV. Die Aktion sei ein lebensgefährlicher Akt gewesen. In der Anlage werde Erdgas verbrannt, aus dem 30 Meter hohen Schornstein würden bis zu 300 Grad heiße Gase abgeleitet. Außerdem bestehe das Dach des Gebäudes aus sogenannten Lüftungsmatten. Die Gefahr, dort durchzubrechen, sei sehr hoch.

Kraftwerk aus Sicherheitsgründen abgestellt

Die Klima-Aktivisten hatten seit dem frühen Freitagmorgen Teile auf dem Gelände des Kraftwerks besetzt. Um 5.30 Uhr war ein Aktivist am Abluftturm des Kraftwerks empor geklettert und hatte ein großes Transparent entrollt. Mitstreiter stiegen auf das Dach des Kraftwerks. Eine Person kletterte auf einen Baum und hängte dort ein Plakat mit der Aufschrift "Gas is over", also "Gas ist vorbei", auf. Mit der Aktion wollten sie darauf aufmerksam machen, dass das Verbrennen von Erdgas klimaschädlich sei und der Ausstieg aus der Nutzung deshalb ihrer Ansicht nach schnell erfolgen müsse. Nach Gesprächen mit der Polizei verließen die Aktivisten am späten Vormittag mit einer Drehleiter der Feuerwehr wieder die Anlage. 450 Haushalte und 25 Unternehmen waren laut den Stadtwerken zeitweise von der Warmwasserversorgung abgeschnitten.

Scharfe Kritik von CDU und AfD

Scharfe Worte fand der CDU-Bürgerschaftsfraktion in Greifswald für die Aktion. "Die sogenannten Klimaaktivisten haben mit ihrer Aktion den Rahmen der politischen Auseinandersetzung über Klimaschutzpolitik verlassen und sind für mich schlicht Kriminelle", sagte Fraktionschef Axel Hochschild. Sie schadeten Tausenden von Greifswaldern und den Stadtwerken. "Während der Aktion und in den anschließenden Gerichtsverfahren muss die ganze Härte des Gesetzes wegen dieses Hausfriedensbruchs gegen die Straftäter zum Einsatz kommen", so Hochschild. Die AfD im Landtag in Schwerin betonte, Klimaschutz sei kein Freischein für Kriminalität. Die vorsätzliche Störung eines Kraftwerksbetriebes sei kein "Klima-Aktivismus" oder "grüne Folklore" mehr, sondern ein staatsgefährdender Akt, sagte AfD-Fraktionschef Nikolaus Kramer.

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 14.09.2021 | 15:00 Uhr

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