Eine Spritze mit einer Beschriftung im Hintergrund "Sputnik V" © picture alliance / ZUMAPRESS Foto: Thiago Prudencio

Mecklenburg-Vorpommern verzichtet vorerst auf Sputnik V

Stand: 18.08.2021 05:45 Uhr

Mecklenburg-Vorpommern verzichtet vorerst auf den russischen Impfstoff Sputnik V. Das geht nach Informationen von NDR 1 Radio MV aus einem regierungsinternen Beschluss hervor.

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Nach heftiger Kritik hat die rot-schwarze Landesregierung ihre Pläne zur Beschaffung des Vakzins fallengelassen. Die Staatssekretärsrunde hat sich am vergangenen Montag in einer Sonder-Sitzung dafür entschieden, die Sputnik-V-Pläne auf Eis zu legen. Der Vorgang werde "ruhend gestellt", heißt es in dem Protokoll. Der Grund: Es sollen keine weiteren Kosten entstehen. Bisher hat der Steuerzahler aber mindestens 20.000 Euro für das Beschaffungs-Vorhaben gezahlt. Diese Summe ist an eine Berliner Anwaltskanzlei geflossen, die die Verträge mit der russischen Seite vorbereiten sollte.

Eine Million Dosen Sputnik V sollten gekauft werden

Insgesamt war vorgesehen, eine Million Dosen für bis zu zehn Millionen Euro zu  kaufen. Das Vorhaben wurde im April öffentlich. Damals beklagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) einen Impfstoff-Mangel und warb für Sputnik V - sollte der die EU-Zulassung bekommen. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat diese Zulassung bisher nicht erteilt. Es gibt weiter Zweifel an der Zuverlässigkeit der russischen Angaben. Neben Schwesig machte sich auch Wirtschafts- und Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) für den Impfstoff stark und hatte seinerzeit eine erste Lieferung schon für Juni in Aussicht gestellt.

Ausreichend Impfstoff vorhanden, Sputnik-V-Anschaffung unnötig

Mittlerweile ist genügend Impfstoff vorhanden. Auch Mecklenburg-Vorpommern hat Dosen schon an den Bund zurückgegeben, der sie in ärmere Länder geschickt hat. Zuletzt hatte der Chefberater der Landesregierung, der Rostocker Uni-Mediziner Emil Reisinger, eine geplante Anschaffung von Sputnik V für unnötig erklärt. Damit geriet Schwesigs Vorhaben weiter in Erklärungsnot.

Die Grünen-Bundestagsabngeordnete Müller sagte, hier werde still und leise ein Prestige-Projekt der Ministerpräsidetin beerdigt. Dieses klammheimliche Vorgehen entlarve die Sache als PR-Wahlkampf-Nummer, Schwesig habe sich von ihrer Begeisterung für das Putin-Regime den Blick auf die Realitäten verstellen lassen. Statt Geld für die Beschaffung auszugeben, hätten besser Luftfilter für Schulen gekauft werden sollen, so Müller. Schwesig war in der Landespressekonferenz bereits öffentlich auf Distanz zu dem Vorhaben gegangen. "Eine Option für Sputnik V steht nicht im Raum, weil der Impfstoff nicht zugelassen ist", sagte sie. Dass die Pläne jetzt auf Eis gelegt sind, verschwieg sie.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern | 18.08.2021 | 08:00 Uhr

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