Eine Schiffbauhalle der MV Werften in Stralsund. © dpa-Bildfunk Foto: Jens Büttner

MV-Werften: Job-Abbau rückt näher

Stand: 09.02.2021 15:25 Uhr

Die Spitze der MV-Werften will die Belegschaft am Abend über den geplanten Job-Abbau informieren. Offenbar stehen mehr als 1.000 Jobs auf der Kippe - möglicherweise auch ein Standort.

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV Aktuell

Die Belegschaft der MV-Werften mit Standorten in Wismar, Rostock und Stralsund soll heute am frühen Abend über den anstehenden Stellenabbau informiert werden. Den Schiffbauern steht ein harter Arbeitsplatzverlust bevor: Nach Informationen des NDR soll offenbar mehr als jede dritte Stelle wegfallen. Denn die MV-Werften stecken seit fast einem Jahr in der Krise. Für Kreuzfahrtschiffe "made in Mecklenburg-Vorpommern" gibt es im Moment keinen Markt. Der Mutterkonzern Genting Hong Kong hat wegen einiger Finanzprobleme keinen weiteren Bedarf für diese Schiffstypen.

Bleiben alle Standorte erhalten?

Von den rund 3.100 Beschäftigten sollen möglicherweise 1.200 gehen - die Werftleitung strebt einen Sozialplan an. Darüber soll demnächst mit der Gewerkschaft IG Metall verhandelt werden. Diese erwartet seit Wochen ein Angebot der Unternehmensspitze. Die Frage ist auch, ob alle drei Standorte erhalten bleiben - vor allem die Werft in Stralsund steht als Produktionsort auf der Kippe. Ein Werftensprecher sagte auf Anfrage, er wolle im Vorfeld der Betriebsinformation nichts sagen. Das sollten zunächst die Mitarbeiter erfahren. Die Information soll per Video erfolgen, das die Mitarbeiter über eine betriebsinterne App abrufen können.

Landespolitiker wollen drohende Insolvenz abwenden

Die MV-Werften hoffen weiter auf staatliche Hilfe aus dem Corona-Rettungsschirm. Kreditgarantien des Bundes und des Landes haben in den vergangenen Monaten mehrfach das Überleben des Unternehmens gesichert. Führende Landespolitker, darunter Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hatten wiederholt über eine Insolvenzgefahr berichtet, die abgewendet werden müsse. Für Ende des Monats wird Genting-Chef Colin Au zu Gesprächen in Schwerin erwartet.

IG Metall fordert Transfergesellschaft

Die IG Metall will am Mittwoch mit ihren Mitgliedern das weitere Vorgehen besprechen. Der Bevollmächtige Stefan Schad sagte dem NDR, bei den MV-Werften werde es nicht ohne Arbeitsplatzabbau gehen. Betroffen sei "eine hohe Zahl". Auch deshalb sei eine Transfergesellschaft nötig. In der Vergangenheit waren diese öffentlich geförderten Übergangsbetriebe eine Drehscheibe, um Mitarbeiter in andere Jobs zu vermitteln.

Glawe: Alle arbeiten gemeinsam am Ziel Rettungsschirm

Das Wirtschaftsministerium in Schwerin gibt sich unterdessen weiter optimistisch. Minister Harry Glawe (CDU) erklärte, es sei wichtig, dass das Unternehmen die bereits angeschobenen und laufenden Projekte weiter umsetzen könne. Das gelte ebenso für den Aufbau einer Fortführungsperspektive. Die Landesregierung wolle die Werften weiter unter den Rettungsschirm des Bundes bekommen. Daran würden alle Beteiligten "gemeinsam arbeiten."

Weitere Informationen
Warnemünde: Laufkatzen hängen am Bockkran der MV Werft in Rostock-Warnemünde. © dpa-Bildfunk Foto: Jens Büttner/dpa

MV-Werften: Insolvenz vorerst abgewendet

Mit 53 Millionen Euro werden die drei Standorte in Wismar, Rostock und Stralsund vorerst vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt. mehr

In der Schiffbauhalle der MVWerften am Standort Stralsund arbeiten Mitarbeiter an der Luxus-Expeditionsyacht "Crystal Endeavor". © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Sauer

Finanzausschuss rettet wieder einmal die MV-Werften

In einer Sondersitzung wurden erneut Sicherheitsreserven für die wirtschaftlich angeschlagenen Werften freigegeben. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 09.02.2021 | 06:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

Die Innenstadt von Schwerin ist wie ausgestorben © NDR Foto: Henning Strüber

Geimpft oder genesen: Die aktuellen Corona-Regeln in MV

Alles, was Sie über die geltenden Corona-Einschränkungen in Mecklenburg-Vorpommern wissen müssen. mehr