Stand: 02.12.2019 11:46 Uhr

Klimawandel: "Waldumbau ist dringend nötig"

von Dana Zelck, NDR Nordmagazin

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Die enorme Trockenheit hat zu Schäden in den Wäldern geführt. (Archivbild)

Dem Wald geht es schlecht, er leidet unter den Folgen der Dürre der vergangenen Jahre. Allein im Landeswald Mecklenburg-Vorpommerns mussten im vergangenen Jahr rund 380.000 Festmeter Holz aufgrund von Schädigungen der Bestände außerplanmäßig geerntet werden. Förster Holger Weinauge, ein Waldeigentümer aus dem Land, der auch die Interessen von 80 weiteren Eigentümern vertritt, hält die angestrebten Maßnahmen von Bund und Land für unzureichend, um das Sterben der Bäume zu stoppen.

Zwei gefällte Baumstämme liegen auf dem Waldboden.

Ist der Wald noch zu retten?

Nordmagazin -

Forstwirt Holger Weinauge macht sich große Sorgen um die Wälder in MV. Er vermisst eine naturnahe Bewirtschaftung, die bodenschonend ist und eine flächendeckende Verjüngung des Waldes.

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Waldeigentümer fordern "totalen Paradigmenwechsel"

Weinauge meint, wenn nicht ein totaler Paradigmenwechsel im Umgang mit dem Wald erfolgt, wird das katastrophale Folgen haben. Der Mann ist nicht irgendwer, er war derjenige, der Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner im vergangenen Jahr die schlimmen Schäden nach der Trockenheit zeigte und erklärte. Weinauge hält deutschlandweit Vorträge über Waldbewirtschaftung. Seine wichtigste These lautet: "Wir müssen das Innenklima der Wälder wieder gesunden, um die Bäume in die Lage zu versetzen, mit den klimatischen Extremen umzugehen." Denn das, so Weinauge, passiert im Moment "leider nicht."

Waldbewirtschaftung nach "altem" Forstwissen

Dabei, meint er, wäre das gar nicht so schwierig, wie sein eigener Wald bei Teterow zeige. Er selbst wirtschaftet ausschließlich nach altem Forstwissen. Ein Blick in seinen Wald gibt ihm Recht, denn ihm hat die Trockenheit und die hohen Temperaturen kaum geschadet, er wirkt gesund. Das gilt für die großen wie auch die kleinen Bäume - ein seltenes Bild. Entscheidend sei, dass hier das Waldinnenklima stabil ist.

Schweres Gerät vermeiden nützt Wasserversorgung

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Holger Weinauge bewirtschaftet seinen Wald bei Teterow mit sogenannten Rückepferden, die schweres Gerät ersetzen und den Waldboden schützen.

Für essentiell hält Weinauge den Schutz des Waldbodens: Schwere Maschinen findet man in seinem Wald in Teterow nicht. "Leichte Raupen und Rückepferde", so Weinauge, "erhalten die Wasserkreisläufe im Boden, weil es der Verdichtung entgegenwirkt". Wer sich derzeit durch die Wälder im Land bewegt, dem bietet sich ein ganz anderes Bild. Schwere Maschinen reißen in regelmäßigen Abständen zwischen zwanzig und vierzig Meter sogenannte Gassen in den Wald. "Und diese Schachbretter", wie Weinauge sie nennt, "sind ein riesiges Problem für die Waldgesundheit - gerade bei extremer Dürre." Dadurch würden Wasseradern unterbrochen, was "verheerend" für die Bäume sei.

Buchen und Eichen schützen Waldklima

Kritik übt er aber auch an der Art der Einschläge. "Wirft man einen Blick in die Wälder wird offenbar, dass nicht etwa nur kranke Fichten im Wald geschlagen werden", so Weinauge. Großflächig sei in den vergangenen beiden Jahren trotz des extremen Klimas Wertholz gewonnen worden. Vor allem große Buchen und Eichen sind "die Kühlschränke im Wald", so Weinauge. Sie regulieren das Klima und bieten den Jungpflanzen Schutz - "wenn sie denn überhaupt da sind."

Wildbestände gefährden den Wald zusätzlich

"Es ist einfach zu viel Wild im Wald", meint er und steht damit nicht allein da. Erst kürzlich hatten auf Initiative von Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) Verbände, die mit Wald, Naturschutz und Jagd zu tun haben, ein Papier unterzeichnet. Darin ging es unter anderem um ein gründliches Schadensmonitoring im Wald und die zeitliche Ausdehnung der Bejagung von Wild. Dass dies der Landesjagdverband zwei Tage später zurückzog ist für Weinauge, der selbst Jäger ist, ein Skandal. Denn so meint er, damit war endlich ein erster wichtiger Schritt getan, ohne den der Wald keine Chance hat.

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Dieses Thema im Programm:

Die Nachrichten | 02.12.2019 | 16:10 Uhr

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