Stand: 27.11.2019 19:02 Uhr

Kleinkind tödlich verbrüht - Bewährungsstrafe für Mutter

Die Angeklagte Mutter der dreijährigen verbrühten Emma im Gerichtsaal in Amtsgericht Greifswald © dpa-Bildfunk Foto: Stefan Sauer/dpa-Zentralbild
Eine 28-jährige Wolgasterin ist vor Gericht wegen des Todes ihrer dreijährigen Tochter nach einem Erkältungsbad zur Verantwortung gezogen worden.

Rund ein Jahr nach dem Verbrühungstod der dreijährigen Emma aus Wolgast (Landkreis Vorpommern-Greifswald ) ist die Mutter zu einer Haftstrafe von sechs Monaten verurteilt worden, die aber für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wird. Das Schöffengericht am Amtsgericht Greifswald befand die 28-Jährige der fahrlässigen Tötung durch Unterlassen für schuldig. Nach Ansicht des Gerichts hat die Frau ihre Tochter in 57 Grad heißem Wasser gebadet. Erst als sie am nächsten Morgen das Kind reglos im Bett gefunden hatte, habe sie den Notarzt gerufen. Sie hätte erkennen können, dass das Mädchen in Gefahr ist, so das Gericht. Staatsanwaltschaft und Verteidigung hatten auf eine Verurteilung wegen fahrlässiger Körperverletzung plädiert. Das Gericht wertete eine gutachterlich festgestellte Intelligenzminderung der Beschuldigten als strafmildernd.

Erkältungsbad zu heiß

Die Mutter sagte vor Gericht umfassend zum Vorwurf aus und räumte im Wesentlichen ihre Schuld ein. Vor Gericht schilderte die 28-Jährige, wie sie ihre Tochter Anfang Oktober 2018 in ein Erkältungsbad gesetzt habe. Emma habe wegen des zu heißen Badewassers aber nicht geschrien oder geweint. Die Mutter sagte, sie habe vergessen, das Wasser zu testen "wie andere Muttis". "Ich habe Bockmist gebaut." Erst nach etwa einer halben Stunde will sie gemerkt haben, dass das Wasser zu heiß war. Daraufhin habe sie das Kind in kaltes Wasser gesetzt, weil Emmas Haut bis zum Bauchnabel gerötet gewesen sein soll. Danach habe sie das Kind schlafen gelegt.

Gutachterin widerspricht Mutter

Eine Obduktion hatte später großflächige Verbrühungen an bis zu 30 Prozent der Haut als Todesursache ergeben. Die Haut habe dem Kind in Fetzen von den Füßen gehangen, sagte eine rechtsmedizinische Gutachterin aus. Es müsse für kurze Zeit in sehr heißes Wasser gehalten oder gesetzt worden sein. "Das ist sehr schmerzhaft", so die Gutachterin. Das Kind müsse sehr wohl geschrien und geweint haben, widersprach sie der Aussage der Mutter. Hätte Emma sofort ärztliche Hilfe erhalten, wäre sie nach Ansicht der Gutachterin zu retten gewesen.

Staatsanwaltschaft: Kein Notruf, weil Mutter Konsequenzen fürchtete

Die Staatsanwaltschaft vermutete, die Frau habe aus Angst vor Konsequenzen des Jugendamts nicht rechtzeitig einen Arzt gerufen. Erst als sie am nächsten Morgen das Kind reglos im Bett fand, habe sie die Rettungsstelle angerufen. Nach Ansicht des psychiatrischen Gutachters war es für die Frau aufgrund ihrer Intelligenzminderung jedoch nicht erkennbar, dass die Verbrühungen ihrer Tochter innerhalb weniger Stunden zum Tod hätten führen können und sie ärztliche Hilfe hätte rufen müssen. Deshalb war die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung abgerückt.

Jugendamt erteilte Auflagen

Die 28-Jährige ist nach Ansicht eines psychiatrischen Gutachters aufgrund ihrer Intelligenzminderung nicht in der Lage, ein Kind alleine zu versorgen. Das Jugendamt hatte ihr und ihrem Ehemann die Auflage erteilt, sich gemeinsam um die Kinder zu kümmern. Der Vater hatte zwei Wochen vor dem Unglück eine Arbeit in Schleswig-Holstein aufgenommen und war an Emmas Todestag nicht bei der Familie. Früheren Angaben des Landkreises Vorpommern-Greifswald zufolge hatte die Familie eine Zeit lang Hilfe zur Erziehung in Anspruch genommen. Zwei ältere Geschwisterkinder leben demnach in Pflegefamilien.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 27.11.2019 | 18:00 Uhr

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