Stand: 22.02.2019 17:37 Uhr

Kirche will Missbrauchsfälle in MV aufarbeiten

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Begünstigte die Situation in der DDR den Missbrauch innerhalb der Katholischen Kirche? Ein Beirat soll in Mecklenburg für Aufklärung sorgen.

Am Freitag hat der Beirat zur Aufklärung des sexuellen Missbrauchs innerhalb der Katholischen Kirche in Mecklenburg seine Arbeit aufgenommen. Wie die Vorsitzenden Manuela Dudek, Professorin für Psychotraumatologie an der Universität Ulm, und Martin Colberg, Archivar beim Erzbistum Hamburg, mitteilte, soll das Gremium bis zum Sommer 2021 ein Gutachten vorlegen, welches die Missbrauchsfälle innerhalb der Katholischen Kirche untersucht.

Leid der Betroffenen soll Anerkennung finden

Eine wichtige Rolle soll dabei auch die Fragen spielen, ob die besondere Situation der Katholischen Kirche in der DDR den sexuellen Missbrauch möglicherweise begünstigt hat. "Externe Forscher sollen auf mehreren Ebenen die Geschehnisse unter Beteiligung der Betroffenen im historischen Kontext der beiden geschlossenen Systeme DDR und Kirche erforschen", so Colberg. Ziel des Projekts ist, dass Betroffene die Anerkennung ihres Leids erfahren. Die offene und transparente Aufarbeitung soll betroffenen Frauen und Männern psychische Entlastung ermöglichen und einen Beitrag zur individuellen Aufarbeitung leisten.

14 Fälle in Mecklenburg sind bekannt

Besonders schwere Missbrauchsfälle hatte es von 1946 bis 1975 innerhalb der Katholischen Kirchgemeinde Neubrandenburg gegeben. Neubrandenburg wird daher laut des Beirates ein Schwerpunkt in der Aufklärung sein. Insgesamt sind dem Erzbistum Hamburg 14 Fälle in Mecklenburg bekannt. Davon waren nach den kirchlichen Unterlagen 53 Kinder und Jugendliche betroffen. Ein erster Zwischenbericht des Beirates ist für den Herbst 2019 angekündigt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 22.02.2019 | 17:30 Uhr

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