Stand: 19.02.2019 17:52 Uhr

Kinder in MV häufiger krank als im Bundesschnitt?

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Stadtkinder leiden laut einer Studie häufiger unter Viruserkrankungen, Zahnkaries und grippalen Infekten als Landkinder. (Symbolbild)

Kinder und Jugendliche in Mecklenburg-Vorpommern sind häufiger krank als Gleichaltrige in anderen Bundesländern. Das geht aus einer Studie der Krankenkasse DAK hervor, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Mehr als jedes dritte Kind leidet unter einer chronischen körperlichen Erkrankung, fast jedes zehnte ist psychisch erkrankt.

Gleiche Krankheiten, mehr Betroffene

Wie ein DAK-Sprecher mitteilte, dominieren zwar die gleichen Erkrankungen wie im Bundesschnitt, aber der Anteil der Betroffenen ist vielfach höher. So haben Jungen und Mädchen in Mecklenburg-Vorpommern häufiger Atemwegserkrankungen und Infektionen als im Bundesschnitt (jeweils +13 Prozent). Auch gebe es mehr Probleme mit dem Verdauungs- oder Muskel-Skelett-System (+24 Prozent beziehungsweise +17 Prozent).

Große Unterschiede zwischen Stadt und Land

Die Studie zeige zudem, dass der Unterschied zwischen Stadt und Land größer ist als gedacht, betonte die Leiterin der DAK-Landesvertretung, Sabine Hansen. Landkinder leiden demnach häufiger unter Allergien, Stadtkinder häufiger unter Viruserkrankungen, Zahnkaries und grippalen Infekten. Die Gründe dafür seien allerdings noch unklar. Es könne an den Versorgungsstrukturen liegen, an der Umwelt oder am Verhalten der Eltern.

Daten von rund 19.000 Kindern ausgewertet

Für die repräsentative Studie wurden die Daten von rund 19.000 Kindern und Jugendlichen aus dem Jahr 2016 ausgewertet und auf alle Minderjährigen im Land hochgerechnet, hieß es. Am häufigsten sind Atemwegserkrankungen, gefolgt von Infektionen, Augen- und Hauterkrankungen und psychische Leiden. Bereits Schulkinder klagen vermehrt über Rückenschmerzen. Fünf Prozent der Kinder und Jugendlichen haben krankhaftes Übergewicht.

Mediziner relativiert Zahlen

Professor Wolfgang Hoffmann vom Institut für Community Medicine in Greifswald relativierte die Ergebnisse. Es handle sich um diagnose-bezogene Zahlen keine krankheitsbezogenen Zahlen. Ein Beispiel: Wenn ein Patient beim Hautarzt einen Leberfleck untersuchen lässt, dann bekommt die Krankenversicherung eine Hautkrebsuntersuchung übermittelt. Wenn das Ergebnis der Untersuchung negativ ist, also zeigt, dass kein Hautkrebs vorliegt, wird der Patient bei der Krankenkasse trotzdem als Hautkrebspatient registriert.

Laut Hoffmann könnten auch die vielen arbeitenden Mütter in Mecklenburg-Vorpommern ein Grund für die hohen Zahlen sein, denn sobald ein Kind Schnupfen habe, dürfe es nicht in die Kita und müsse zu Hause von der Mutter betreut werden. Diese benötige für ihren Arbeitgeber eine Krankschreibung für ihr Kind, um zu Hause bleiben zu können. Sie müsse also mit dem Sohn oder der Tochter zum Arzt, auch wenn es sich nur um einen Schnupfen handle.

Anteil der chronisch kranken Kinder viel geringer?

Hoffmann liegen dagegen andere Zahlen vor. Nach seinen Daten, die bei Erzieherinnen in Mecklenburg-Vorpommern erhoben wurden, gibt es hierzulande nur 2,2 Prozent Kinder mit sichtbaren chronischen Krankheiten. Die tatsächlichen Zahlen müssten also irgendwo dazwischen liegen. Wie Hoffmann weiter erklärte, geben die Abrechnungsdaten keinen Aufschluss darüber, wo der Patient wohnt, sondern nur, wo er zum Arzt gegangen ist. In Städten gebe es eben mehr Ärzte und Kinderärzte als auf dem Land. 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 19.02.2019 | 17:15 Uhr

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