Ein Wolf steht im Wald. © picture alliance Foto: Patrick Pleul

Jagdrecht für den Wolf: Macht es MV wie Niedersachsen?

Stand: 05.11.2020 04:53 Uhr

Die einen sehen in ihm ein Zeichen für eine gesunde Natur, andere fürchten um ihre Weidetiere: Der Wolf und der Umgang mit ihm sorgt immer wieder für hitzige Debatten. Niedersachsen will ihn jetzt ins Jagdrecht aufnehmen. Folgt Mecklenburg-Vorpommern?

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Muss die Zahl der Wölfe begrenzt werden? Diese Frage beschäftigt wieder einmal die Landespolitik in Mecklenburg-Vorpommern. Anlass sind Pläne von SPD und CDU in Niedersachsen, den Wolf in das landeseigene Jagdrecht aufzunehmen. Der geplante Schritt im Nachbar-Bundesland feuert die Debatte um Wolfsabschüsse in Mecklenburg-Vorpommern neu an.

Schlupp: "Guter Erhaltungszustand" beim Wolf

Die CDU-Abgeordnete Beate Schlupp sieht sich bestätigt. Seit Jahren fordert die artenschutzpolitische Sprecher eine Obergrenze für den Wolfsbestand. Auch in Mecklenburg-Vorpommern müsse der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen werden, alles andere "wäre wenig schlüssig". Gleichzeitig will Schlupp den strengen EU-Schutzstandard für die Tiere senken. Wölfe würden sich immer stärker vermehren und seien nicht mehr gefährdet. "Die Wolfspopulation hat längst ein guten Erhaltungszustand erreicht", sagte Schlupp.

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SPD: Aufnahme ins Jagdrecht macht keinen Sinn

Es müsse auch deshalb "schleunigst" festgelegt werden, wann ein Wolf als problematisch eingestuft werde und wann das erträgliche Maß für Schäfer und andere Tierhalter erreicht sei. Die jagdpolitische Sprecherin der SPD, Elisabeth Aßmann, erklärte, eine Aufnahme in das Jagdrecht ändere nichts an seinem Schutzstatus und mache auch deshalb keinen Sinn. Für den Wolf müsste im selben Zuge eine ganzjährige Schonzeit ausgesprochen werden. Gleichzeitig seien Jäger dann für seine Hege verantwortlich, sie müssten unter anderem für gute Lebensbedingungen sorgen. Erst wenn die EU feststelle, dass der Wolf nicht mehr gefährdet ist, könne sich die Lage ändern. Dazu müsse der Bund aber einen Antrag stellen. Sie sehe aber nicht, dass das beabsichtigt ist, so Aßmann, die selbst Jägerin ist.

Ministerium arbeitet an neuem Wolfsmanagement

Auch Agrarminister Till Backhaus (SPD) erklärte, eine Aufnahme des Wolfs in das Jagdrecht ändere nichts daran, dass er weiter als streng geschützte Art gilt. Die Behauptung, der Wolf habe einen guten Erhaltungszustand erreicht, sei nicht "faktenbasiert", erklärte Backhaus auf Anfrage. Jedenfalls habe die Bundesregierung diesen Status nicht festgestellt. Dennoch arbeite sein Ministerium an einem neuen Wolfsmanagement, das mit der Jägerschaft abgestimmt werde. "Mir ist vor allem wichtig die Weidetierhalter in die Lage zu versetzen, Schutzmaßnahmen für ihre Tiere zu ergreifen", so Backhaus.

In Mecklenburg-Vorpommern leben nach den neuesten Daten des Wolfsmonitorings elf Rudel, vor fünf Jahren waren es noch zwei. Die Tiere unterliegen strengsten Schutzkategorien, unter anderem dem Bundesnaturschutzgesetz. Das stuft den Wolf als "streng geschützte Art" ein, ebenso wie beispielsweise den Luchs. Der unterliegt zwar dem Jagdrecht, hat aber ganzjährige Schonzeit.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 05.11.2020 | 08:00 Uhr

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