Stand: 16.10.2018 17:06 Uhr

Heringsquote enttäuscht Fischer und Wissenschaft

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Die Heringsquote für die westliche Ostsee wurde erneut reduziert. (Archivbild)

Mecklenburg-Vorpommerns Kutter- und Küstenfischer haben entsetzt auf die Reduzierung der Heringsfangquote um 48 Prozent in der westlichen Ostsee für 2019 reagiert. "Die Stimmung ist am Boden", sagte die Vorsitzende des Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer, Ilona Schreiber, am Dienstag. Seit Jahren bewegten sich die Dorsch- und Heringsquoten auf dramatisch niedrigem Niveau.

Dramatischer Einkommensverlust befürchtet

Die Quotenerhöhung beim Dorsch um 70 Prozent erfolge auf niedrigem Niveau und könne die Verluste beim Hering nicht ansatzweise ausgleichen, hieß es weiter. Die heimischen Fischer gehen von einem dramatischen Einkommensverlust aus. Zuletzt war dem Ostseehering bereits die Zertifizierung für nachhaltige Fischerei entzogen worden.

Fischer fordern Beihilfen

Eine finanzielle Unterstützung von Bund und EU sei dringend erforderlich, um das Überleben der Fischerei zu sichern, so Schreiber weiter. Für die rund 200 hauptamtlichen Kutter-und Küstenfischer in Mecklenburg-Vorpommern ist der Hering der Brotfisch. Mit ihm erzielen sie mehr als die Hälfte ihres Einkommens. Von der Politik fordern die Fischer Beihilfen, um den Verlust auszugleichen. Sonst müssten Betriebe aufgeben. Bereits in diesem Jahr war die Heringsquote um 39 Prozent gesenkt worden.

Backhaus: Absenkung der Quote schwer vermittelbar

Für Mecklenburg-Vorpommern bleiben den Heringsfischerei-Betrieben knapp 3.000 Tonnen Hering. Das ist laut Landwirtschaftsministerium etwa ein Drittel im Vergleich zu den durchschnittlichen Fangmengen zwischen 2013 und 2017. Der Internationale Rat für Meeresforschung hatte sogar ein Fangverbot vorgeschlagen. Agrarminister Till Backhaus (SPD) zeigte sich erleichtert, dass es nicht zu dem befürchteten Fangstopp gekommen ist. "Allerdings ist die erneute Absenkung der Quote den Fischern schwer zu vermitteln, zumal sie sich in der Vergangenheit strikt an die ihnen auferlegten Fangvorgaben gehalten haben", sagte Backhaus.

Bestand muss sich erholen

Nun steht für 2019 die nächste Kürzung bevor. Die Schonung hält das Thünen-Institut für Ostseefischerei in Rostock hingegen für notwendig. Nur so könne sich der Bestand innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre erholen. Der Internationale Rat für Meeresforschung hatte sogar ein Fangverbot vorgeschlagen. Heringe produzieren nur noch halb so viel Nachwuchs wie vor 30 Jahren. Ursache ist laut Experten vom Thünen-Institut der Klimawandel. "Die schlechte Nachwuchsrekrutierung hat in den letzten drei Jahren weiter angehalten", sagte Institutsdirektor Christopher Zimmermann. Wenn sich diese Entwicklung fortsetze, werde eine 48-prozentige Absenkung der Quote nicht ausreichen, um die Bestände langfristig zu stabilisieren.

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Ostsee-Fangquoten: Weniger Hering, mehr Dorsch

Deutsche Fischer dürfen 2019 deutlich weniger Hering aus der westlichen Ostsee ziehen als 2018. Die erlaubte Fangmenge wird um 48 Prozent reduziert. Die Fangquote für Dorsch wird angehoben. mehr

Fällt die Stillegeprämie?

Aktuell erhalten die Kutter- und Küstenfischer einen Ausgleich dafür, dass sie keine Heringe fangen, die sogenannte Stillegeprämie. Ob diese auch im kommenden Jahr gezahlt wird, ist noch unklar. Bliebe die Hilfe bei den Stillegezeiten aus, seien massive Einsparungen und Personalabbau die Folge, so Michael Schütt von der Fischereigenossenschaft Peenemündung in Freest, der größten Genossenschaft in Mecklenburg-Vorpommern. Auch das Landwirtschaftsministerium in Mecklenburg-Vorpommern fordert die Fortsetzung der Stillegeprämien bis 2021. Für das kommende Jahr bedarf es aber noch der Zustimmung der Kommission, heißt es aus dem Ministerium.

Dorschfang-Quote steigt, der Jubel bleibt aus

Der Landesanglerverband begrüßte die Anhebung der Dorsch-Fangquote auf sieben statt fünf geangelten Fischen pro Tag und Angler. Großer Jubel blieb jedoch aus. Denn die Dorschquote war in den vergangenen Jahren bereits auf etwa 600 Tonnen Dorsch für das kommende Jahr gekürzt worden. Hintergrund der Anhebung der Quote für Dorsch ist dem Landwirtschaftsministerium zufolge ein starker Dorschjahrgang 2016.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 16.10.2018 | 08:00 Uhr

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