VIDEO: Chaos am ersten Schultag in MV: Was gilt überhaupt? (1 Min)

Frust über Wechselunterricht bei Schülern und Eltern

Stand: 19.05.2021 16:58 Uhr

Mecklenburg-Vorpommern öffnet zu Pfingsten. Restaurants und Gaststätten dürfen wieder Gäste bewirten, die Geschäfte können wieder öffnen, aber die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 7 bis 9 bleiben vorerst im Wechselunterricht. "Das ist ein Skandal" sagt Kay Czerwinski, der Vorsitzende des Landeselternrats.

Gemeinsam mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und dem Landesschülerrat hat Czerwinski schon in der vergangenen Woche versucht, deutlich zu machen, dass es vor allem um die sozialen Kontakte gehe, nicht so sehr um die Wissensvermittlung. Czerwinski kann auch nicht verstehen, dass die Grundstandards - die Hygienekonzepte wie Testpflicht und Maskentragen - bei der Bewertung keine Berücksichtigung finden. Die Zahlen des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (LAGuS) würden zudem belegen, dass die Schulen kein Treiber in der Pandemie seien. Der Landeselternratsvorsitzende schlägt auch offene Klassenräume vor - das heißt Unterricht im Freien. Es sei wichtig, dass die Kinder das Lernen überhaupt wieder lernen. "Jeder Tag, den die Schüler jetzt nicht zur Schule gehen können, wirkt sich aus wie eine Woche. Wir empfinden es als keinen guten Umgang, jetzt bis zum 31. Mai (dem Termin für den nächsten MV-Gipfel; Anm. d. Red.) zu warten und dann erst zu entscheiden, wie es weitergeht."

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Immer mehr junge, verhaltensauffällige Patienten

Auch die Linksfraktion im Landtag fordert ein baldiges Ende des Wechselunterrichts. Nach Pfingsten, spätestens aber am 31. Mai, müsse damit Schluss sein, so die Fraktionsvorsitzende Simone Oldenburg. Mediziner warnen schon lange vor den Folgen des Homeschoolings. Im Schweriner Kinderzentrum steigt seit Herbst die Zahl der Neuanmeldungen. Kindern und Jugendlichen machten vor allem die fehlende Tagesstruktur und die fehlenden sozialen Kontakte zu schaffen, sagt der Leiter des Zentrums, Kinderarzt Dr. Tilman Köhler. Deshalb seien immer mehr junge Patienten verhaltensauffällig oder litten an psychischen Störungen.

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Bildungsministerium will erst beim MV-Gipel am 31. Mai über weitere Lockerungen beraten

Die Inzidenzen gingen runter, das sei eine ermutigende Entwicklung, heißt es aus dem Bildungsministerium. Deshalb werde darüber beraten, ob auch die älteren Schüler wieder komplett in den Präsenzunterricht gehen können. Allerdings wird das erst beim nächsten MV-Gipfel am 31. Mai geschehen. Der Landtag berät dann am Tag danach darüber. Vorher passiert nach Angaben eines Ministeriumssprechers nichts. Damit sind Schüler und Eltern nicht zufrieden, zumal der 18. Juni der letzte Schultag vor den Sommerferien ist.

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Unterschiedliche Regelungen in anderen Bundesländern

Auch in anderen Bundesländern wird nach wie vor Wechselunterricht praktiziert. In den Großstädten Hamburg (mit einer Inzidenz von rund 35) und Berlin (Inzidenz rund 60) gibt es Wechselunterricht in allen Klassenstufen. Rheinland-Pfalz hat bis zum 18. Juni auch Wechselunterricht in allen Klassenstufen, danach Präsenzunterricht für alle Jahrgangsstufen bei einer stabilen Inzidenz unter 100 angekündigt. Lockerer ist es in Bayern (landesweite Inzidenz bei etwa 74). Dort soll nach Pfingsten in Kreisen mit einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 50 in allen Schularten zum vollen Präsenzunterricht übergegangen werden - bei einer Inzidenz von 50 bis 165 gibt es weiter Wechselunterricht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 19.05.2021 | 17:10 Uhr

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