Stand: 25.03.2015 20:22 Uhr  - NDR 1 Radio MV  | Archiv

Flugzeugunglück weckt Erinnerungen an 1986

Das Flugzeugwrack an der Absturzstelle in der Nähe des Flughafens Berlin-Schönefeld (DDR). Am 12. Dezember 1986 wurden bei dem Absturz eines sowjetischen Verkehrsflugzeugs des Typs Tupolew 134 kurz vor der Landung 72 Menschen getötet - darunter 20 Schüler aus Schwerin. © picture-alliance Foto: Chris Hoffmann
Als Ursache für die Katastrophe im Dezember 1986 gilt ein Pilotenfehler.

Der Absturz der Germanwings-Maschine über den Alpen weckt in Mecklenburg-Vorpommern Erinnerungen an ein dramatisches Unglück, das fast 30 Jahre zurückliegt: Am 12. Dezember 1986 stürzte im brandenburgischen Bohnstorf südöstlich von Berlin eine Tupolew 134 der russischen Fluggesellschaft Aeroflot ab. 70 der 82 Insassen finden bei einer der schwersten Flugzeugkatastrophen der DDR-Geschichte den Tod.

Die Abschlussfahrt endete tragisch

Wie beim Absturz der Germanwings-Maschine über den Alpen war auch damals eine Schulklasse an Bord. Die Schüler der 10a der Schweriner Ernst-Schneller-Oberschule waren auf dem Rückweg von einer Abschlussfahrt aus der weißrussischen Hauptstadt Minsk. Nur sieben Schüler überlebten den Absturz. 20 Schüler, eine Lehrerin und zwei Betreuer starben.

Bernhard Kadziochs Sohn kam nicht zurück

Unter den Opfern war auch der 16 Jahre alte Torsten Kadzioch. Sein Vater Bernhard aus Schwerin, heute 82 Jahre alt, erinnert sich an den Unglückstag: Zusammen mit seiner Frau machte er sich am 12. Dezember, einem Freitag, auf zum Bahnhof, um seinen Sohn abzuholen. Er hätte eigentlich einige Stunden zuvor in Berlin landen sollen. Aber es war eine Zeit ohne Handys, ohne Internet. Eine Zeit, in der sich nicht jede Nachricht minutenschnell weltweit verbreitete.

Schmerzvolle Erinnerungen

Ein Mann sitzt an einem Tisch und blättert in einem Fotoalbum. © NDR Foto: Petra Heißen
Bernhard Kadzioch, 83, aus Schwerin fühlt mit den Angehörigen der Germanwings-Katastrophe mit.

"Wir sind zum Bahnhof gegangen und wollten den Jungen abholen. Als wir dann auf dem Bahnhof standen, war schon eine Lehrerin da. Als sie merkte, dass wir nun so völlig hilflos dastanden und suchten und mitkriegten, es passiert nichts, es kommt kein Torsten wieder, es kommt keiner wieder von den Jungs, da kam die Lehrerin auf uns zu. Sie sagte, das Flugzeug sei abgestürzt, die Kinder werden wohl nicht kommen." Die letzten Worten des Satzes spricht Bernhard Kadzioch ganz leise, fast lautlos.

Gefühle kommen wieder hoch

Die Erinnerung fällt ihm noch immer schwer, was sind schon 30 Jahre? "Heute denke ich immer noch dran und der Schock, den ich gestern hatte - ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen." Mit "gestern" meint Bernhard Kuzioch den Moment, als er in den Nachrichten hörte, dass der Flug 4U9525 nur knapp eine Stunde nach dem Start in Barcelona inmitten der französischen Alpen zerschellte. Als klar war, dieses Unglück kann niemand an Bord überlebt haben.

Kraft für die Angehörigen

"Mich hat das schon sehr getroffen und natürlich die Tatsache, dass es wieder eine ganze Klasse war. Ich bin dabei, meine Gefühle zu sammeln und fühle mit den Angehörigen, die ihre Kinder verloren haben, genauso wie es uns damals ging", beschreibt Bernhard Kadzioch seine Gedanken zum Flugzeugabsturz der Germanwings-Maschine. "Ich hoffe nur, dass die Kraft bei den Angehörigen vorhanden ist, diesen schweren Schlag zu überwinden." Ihm half damals neben der ärztlichen Betreuung vor allem die Anteilnahme von Nachbarn und Freunden.

Auf dem Schweriner Waldfriedhof erinnert eine Gedenktafel an die Kinder und ihre Begleiter, die bei dem Absturz im Dezember 1986 starben.

tagesschau.de
Der Düsseldorfer Staatsanwalt Christoph Kumpa spricht zu Journalisten, die ihm Mikrofone entgegenhalten. © dpa - Bildfunk Foto: Rolf Vennenbernd

Copilot vor Jahren wegen Suizidgefahr behandelt

Laut Düsseldorfer Staatsanwaltschaft ist der Copilot der abgestürzten Germanwings-Maschine wegen Suizidgefahr in Behandlung gewesen, bevor er den Pilotenschein bekam. Mehr bei tagesschau.de. extern

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 25.03.2015 | 18:00 Uhr

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