Stand: 12.12.2011 08:47 Uhr  | Archiv

Schwerin gedenkt der Absturzopfer

Das Flugzeugwrack an der Absturzstelle in der Nähe des Flughafens Berlin-Schönefeld (DDR). Am 12. Dezember 1986 wurden bei dem Absturz eines sowjetischen Verkehrsflugzeugs des Typs Tupolew 134 kurz vor der Landung 72 Menschen getötet - darunter 20 Schüler aus Schwerin. © picture-alliance Foto: Chris Hoffmann
12. Dezember 1986: Beim Anflug auf Berlin-Schönefeld stürzt eine russische Tupolew 134 ab. 70 Insassen sterben.

Der 12. Dezember 1986 ist ein nebliger Tag. Dichte Wolken ziehen tief über den Südosten Berlins. Gegen 17 Uhr wird die Ruhe in einem kleinen Waldstück bei Bohnsdorf, nahe des Flughafens Berlin Schönefeld, von einer donnernden Explosion durchbrochen. Soeben ist ein Flugzeug abgestürzt. Die Tupolew 134 der russischen Fluggesellschaft Aeroflot hatte zunächst die Baumwipfel gestreift. Nach dem Absturz geht sie sofort in Flammen auf. 70 der 82 Insassen finden bei der zweitschwersten Flugzeugkatastrophe der DDR-Geschichte den Tod.

Oberbürgermeisterin legt Kranz nieder

Unter den Opfern war eine Schulklasse der Schweriner Ernst-Schneller-Oberschule, die von einer Abschlussfahrt aus der weißrussischen Hauptstadt Minsk zurückgekehrt war. Nur sieben Schüler überlebten. 20 Schüler, eine Lehrerin und zwei Betreuer starben. Am Sonntag wurde der Schweriner Absturzopfer gedacht. Die Katastrophe vor 25 Jahre habe die Stadt erschüttert, sagte Schwerins Oberbürgermeisterin Angelika Gramkow. Die Zeit heile nicht, wie behauptet werde, alle Wunden, sagte Gramkow. "Wir wissen es besser", betonte sie mit Hinweis auf die Betroffenen. Zu Ehren der Schweriner Absturzopfer legte sie gemeinsam mit Hinterbliebenen am Sonntag, einen Tag vor dem Jahrestag der Katastrophe, auf dem Waldfriedhof in der Landeshauptstadt einen Kranz nieder. Dort wurden die Opfer seinerzeit beerdigt.

Kein eigener Gedenkort in Schwerin

Das Flugzeugwrack an der Absturzstelle in der Nähe des Flughafens Berlin-Schönefeld (DDR). Am 12. Dezember 1986 wurden bei dem Absturz eines sowjetischen Verkehrsflugzeugs des Typs Tupolew 134 kurz vor der Landung 72 Menschen getötet - darunter 20 Schüler aus Schwerin. © picture-alliance Foto: Chris Hoffmann
Als Ursache für die Katastrophe gilt ein Pilotenfehler.

Einen eigenen Gedenkort in Schwerin gibt es nicht. Noch nicht. Der Schweriner Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Hacker schlug jüngst vor, an der Schule, die mittlerweile Nils-Holgersson-Schule heißt - eine Tafel anzubringen. "Die Menschen, die damals auf so tragische Weise ums Leben gekommen sind, sollten nicht vergessen werden", sagte Hacker. Gramkow erteilte diesem Wunsch jedoch eine absage. Ein Gedenkort speziell für die Schweriner Opfer werde gegenwärtig nicht in Erwägung gezogen, sagte Gramkow mit Verweis auf die zentrale Trauerstätte in dem Waldstück bei Bohnsdorf. Seit einem Jahr steht dort eine Gedenktafel. Am Montag, dem eigentlichen Jahrestag, will dort ein Schweriner Stadtvertreter im Namen der Stadt und seiner Bürger ein Gebinde niederlegen.

In den Jahren nach der Katastrophe hatte die Natur die Unglücksstelle nach und nach zurückerobert. Bis zum Aufstellen der Gedenktafel lieferte lediglich das unterschiedliche Alter der Kiefern einen dezenten Hinweis auf den Unglücksort.

Pilot verstand kein Englisch

Als Absturzursache gilt ein Pilotenfehler. Es hieß, der russische Pilot habe kein Englisch verstanden und die falsche Landebahn angesteuert. Aber es halten sich auch Gerüchte, wonach ein technischer Defekt den Absturz ausgelöst habe. Aus Rücksicht auf den "großen Bruder" Sowjetunion war nach der Katastrophe viel Geheimniskrämerei um die Unfallursache betrieben worden. Auch der teils unwürdige Umgang staatlicher Stellen mit den Familien der Opfer löste Unmut aus. So durften zur zentralen Trauerfeier nur handverlesene Gäste erscheinen. Die Eltern der überlebenden Jugendlichen durften erst daran teilnehmen, nachdem sie sich beschwert hatten.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 12.12.2011 | 05:00 Uhr

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