Stand: 11.07.2020 13:26 Uhr

Erste Waldtherapeuten schließen Ausbildung in MV ab

Teilnehmerinnen eines Waldbaden-Kurses © Annette Bernjus privat Foto: Annette Bernjus
"Waldbaden" liegt voll im Trend und wirkt sich gesundheitsfördernd auf die Waldbesucher aus. (Archivbild)

Spazierengehen im Wald tut gut - diese nicht neue Erkenntnis soll nun auch medizinisch genutzt werden. In Mecklenburg-Vorpommern sind die ersten Waldtherapeuten ausgebildet worden. Sie haben nach einer einjährigen Weiterbildung am Freitag in Waren (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) ihre Abschlussprojekte ausgewertet. Bei der Waldtherapie geht es grundsätzlich darum, das medizinische Potenzial des Waldes zu nutzen. Die Atmosphäre, die Ruhe und vor allem die Gerüche, die die Bäume absondern, haben eine Wirkung auf den menschlichen Körper.

Erholung im Wald liegt im Trend

Das "Waldbaden" - also die Erholung im Wald - liegt derzeit sogar im Trend. Die Waldtherapie ist praktisch das gleiche Verfahren, jedoch begleitet mit medizinischer Diagnose und therapeutischen Maßnahmen. In Japan werden Wälder bereits seit Jahrzehnten medizinisch genutzt, nun auch in Mecklenburg-Vorpommern. Eine Waldtherapie kann ganz unterschiedlich sein - je nachdem, ob sie begleitend zur Physiotherapie, zur Reha oder präventiv genutzt wird.

Konzepte für Wellnesshotels und Rehazentren

Im ersten Durchlauf dieser Fortbildung mussten 14 Teilnehmer aus medizinischen Berufen unter anderem Projekte entwerfen. Zum Beispiel kam von einer Teilnehmerin des Fachkrankenhauses für Neurologische Reha Schwaan-Waldeck ein Konzept zur Behandlung von Wahrnehmungs- und Aufmerksamkeitsstörungen. Eine Gesundheitsprophylaxe für ein Wellnesshotel wurde in Heringsdorf auf Usedom entworfen. Vom Rehazentrum Plau am See kam ein Therapie-Konzept im Heilwald für Menschen mit Gleichgewichtsstörungen. Diese Konzepte werden teilweise auch schon umgesetzt.

Vorerst noch nicht von Krankenkasse bezahlt

Eine Waldtherapie kann aber nicht einfach vom Arzt verschrieben werden. Es handelt sich vorerst nur um private Angebote, die selbst bezahlt werden müssen, denn die Krankenkassen tragen das noch nicht. Die Projektpartner - die Landesforst MV, das Gesundheitsministerium und die Universität Rostock - sind noch in Verhandlungen. Aber im ersten Jahr der Ausbildung seien viele positive Erfahrungen gesammelt worden, hieß es. Das Projekt läuft nach Informationen von NDR 1 Radio MV weiter. Bis Ende des Monats können sich Interessierte aus Gesundheitsberufen oder aus sogenannten grünen Berufen wie Forstwirtschaft sowie Pädagogen für den nächsten Waldtherapie-Kurs anmelden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 11.07.2020 | 14:00 Uhr

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