Stand: 21.06.2020 10:30 Uhr

Die Schattenseiten des Erdbeer-Anbaus

Erdbeeren
Weltweit gibt es zahllose Erdbeersorten. Nur wenige werden noch angebaut.

Süß und rot – als essbare Frucht spielt die Erdbeere seit der Steinzeit eine Rolle. So beliebt sie auch ist, ihr Anbau hat manche Schattenseiten. Darauf macht der neue Erdbeer-Pfad im Botanischen Garten in Rostock aufmerksam. Er gehört zum bundesweiten Projekt "Die politische Pflanze", das von der Universität Kassel gestartet wurde. Es soll Anbau, Transport und Konsum verschiedener Ackerfrüchte genauer unter die Lupe nehmen und Verbraucher darauf aufmerksam machen.

Sortenvielfalt in Gefahr

Entlang des Erdbeerpfads im Botanischen Garten in Rostock, der zusammen mit der Universität Rostock angelegt wurde, wachsen 20 verschiedene Sorten des Rosengewächses. Zahlreiche Informationstafeln führen von einer Sorte zur nächsten. Mize Schindler, Lambada, Sweet Maya - auf dem Pfad finden sich alte Sorten, die im Handel kaum noch zu bekommen sind. Es gebe endlos viele Erdbeersorten auf der Welt, so Dethardt Götze, Kustos des Botanischen Gartens. Aber: "Da sind wir gerade dabei, die im großen Stil zu verlieren, weil sie nicht mehr genutzt werden." Bauern würden dazu gebracht, in einem "Rundum-Sorglos-Paket" bestimmtes Saatgut zu erwerben, und nur dieses anzubauen.

Hoher Wasserverbrauch

Die historischen Gewächshäuser im Botanischen Garten in Greifswald während der Sanierung im Sommer 2019. © NDR Foto: Martje Rust
Zwanzig Erdbeer-Sorten wachsen am Erdbeer-Pfad im Botanischen Garten in Rostock.

Auch der hohe Wasserverbrauch der Erdbeere und die vielerorts schlechten Arbeitsbedingungen bei der Ernte werden auf dem Erdbeer-Pfad thematisiert. Götze: "Zum Beispiel in Argentinien, da werden Kinder eingesetzt, weil sie kleinere Hände haben und dadurch die Erdbeeren besser pflücken können." Auch über den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und die langen Transportwege von den Erdbeer-Feldern zu den Verbrauchern informieren die Tafeln entlang des Erdbeer-Pfades.

Rücksicht auf die Umwelt

Die Biologin Carolin Retzlaff-Fürst will mit der Aktion Verbraucher zum Nachdenken bringen. "Wir wollen sensibel dafür machen, dass es Nahrungsmittel gibt, die einen bestimmten Zeitraum haben, in dem sie produziert werden und in dem sie auch am besten schmecken." Jeder müsse sich fragen, ob es für ihn wichtig ist, dass er zu jeder Jahreszeit das komplette Sortiment an Nahrungsmitteln zur Verfügung hat. "Oder kann ich mich - auch mit ein bisschen Rücksicht auf unsere Umwelt - beschränken?" Die Informationen zum Erdbeer-Pfad gibt es auch per Smartphone-App. Sie kann vor Ort per QR-Code heruntergeladen werden.

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Blick von oben auf eine Schale mit Erdbeeren auf einem Holztisch. © Fotolia.com Foto: graja

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 21.06.2020 | 12:00 Uhr

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