Corona in MV: Schwesig fordert bundesweiten Lockdown

Stand: 11.12.2020 17:26 Uhr

Wegen der hohen Corona-Infektionszahlen hat Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Schwesig schnelle Entscheidungen für schärfere Regeln auf Bundesebene gefordert. Auch eine deutschlandweite Schließung des Einzelhandels sei nun nötig.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hat sich am Donnerstag für schärfere Corona-Schutzmaßnahmen noch vor Weihnachten ausgesprochen. Sie unterstütze aufgrund der rapide steigenen Infektionszahlen den Vorschlag eines deutschlandweiten Lockdowns. Schwesig kündigte Beratungsgespräche für die nächsten Tage zwischen den Länderchefs und der Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) an, um so zu schnellen Entscheidungen zu kommen.

Schließungen im Einzelhandel

Die Schließung von Geschäften im Einzelhandel - außer im Lebensmitteleinzelhandel - sieht die Ministerpräsidentin spätestens ab 4. Advent als notwendig an, um auf diese Weise die Zahlen zu senken. Mit Hinblick auf drohende Schließungen wolle sich die Landesregierung für schnelle Wirtschaftshilfen einsetzen, kündigte Schwesig an. Anders als die Geschäfte sollen Kitas weiter geöffnet bleiben. Für die Schulen in Mecklenburg-Vorpommern kündigte Schwesig Homeschooling ab der 7. Klasse bereits ab kommender Woche für die Landkreise und kreisfreien Städte an, in denen der Inzidenzwert über 50 liegt.

Schwesig kündigt Tests in Pflege- und Altenheimen an

Schwesig kündigte auch an, Pflegeheime besser zu schützen. Es solle schnellstmöglich Tests für Pflegekräfte, Bewohner, aber auch für Besucher geben. Denn nur wenn diese einen negativen Test vorweisen, sollen Besuche bei Angehörigen künftig möglich sein. Laut Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) sollen Corona-Test auch in Rehaeinrichtungen und Krankenhäusern eingesetzt werden. Die Entscheidung für eine landesweit verpflichtende Teststrategie soll am Freitag getroffen werden.

Finanzielle Unterstützungen angekündigt

Glawe riet noch einmal von touristischen Reisen in dieser Zeit ab. Darum sagte er polnischen Pendlern, die hier im Land arbeiten, sowie deren Angehörigen zu, die Übernachtungskosten in Mecklenburg-Vorpommern für 14 Tage zu übernehmen. Die Ministerpräsidentin wies noch einmal darauf hin, dass die aktuelle Lage kritisch sei. Es bewege sich eine zweite Corona-Welle aus Tschechien und Polen direkt auf Mecklenburg-Vorpommern zu. Aktuell liege der Inzidenzwert im Land bei 66,7. Es müsse dringend gehandelt werden. Auch die für Weihnachten und den Jahreswechsel angekündigte Erweiterung der Kontakte auf zehn Personen aus unterschiedlichen Haushalten müsse erneut überdacht werden.

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Manuela Schwesig (SPD), Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, am Rednerpult.

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Strengere Regeln bereits in Schwerin

Erste schärfere Maßnahmen habe einige Regionen bereits ergriffen. In der Schweriner Innenstadt muss von heute an eine Mund-Nase-Bedeckung verpflichtend getragen werden. Die Landeshauptstadt hatte am Mittwochabend eine entsprechende Allgemeinverfügung veröffentlicht. Die Maskenpflicht gilt bis zum 4. Januar zwischen 6 und 22 Uhr. Ausgenommen sind Kinder bis zum Schuleintritt und Personen mit psychischen und medizinischen Beeinträchtigungen oder einer Behinderung. Außerdem ist der Alkoholausschank im gesamten Stadtgebiet untersagt. Auf den Straßen, Plätzen und Flächen der Innenstadt, auf denen die Maskenpflicht gilt, darf auch kein Alkohol konsumiert werden.

Auch Hansestadt Rostock verschärft die Maßnahmen

Auch die Hansestadt Rostock hat ihre Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus verschärft. Von Montag bis Freitag zwischen 10 und 19 Uhr müssen Menschen in der Fußgängerzone rund um die Kröpeliner Straße einen Mund-Nase-Schutz tragen. Dasselbe gilt für den Bahnhofsbereich und den Alten Strom in Warnemünde. An diesen Orten ist es zu keiner Zeit erlaubt, Alkohol zu trinken. Treffen dürfen sich maximal fünf Personen aus bis zu zwei Haushalten. Seit dem Erreichen des Rot-Wertes auf der landesweiten Corona-Ampel müssen demnach auch Städte und Landkreise mit verhältnismäßig niedrigen Zahlen ihr Maßnahmen verschärfen. Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen nennt die Corona-Lage in Rostock bisher relativ entspannt - warnt aber auch, dass sich das täglich ändern könne.

Keine Weihnachtstheater für Schüler*innen

Schülerinnen und Schüler dürfen von Montag an landesweit keine Vorstellungen der Weihnachtsmärchen in den Theatern besuchen. Das erklärte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD). Auch Schulfahrten, Schulwanderungen und Besuche in außerschulischen Lernorten seien bis auf Weiteres nicht möglich.

Höchststand bei Neuinfektionen

Am Donnerstag registrierten die Gesundheitsämter 242 Neuinfektionen. In den beiden Tagen zuvor wurden jeweils Höchststände erreicht. In Schwerin und in den Landkreisen Ludwigslust-Parchim und Mecklenburgische Seenplatte liegen die Inzidenzzahlen bei mehr als 100 Fällen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 10.12.2020 | 15:00 Uhr

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