Stand: 03.05.2016 07:43 Uhr

Block 5 von Prora soll verkauft werden

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Nach den Blöcken 1 bis 4 soll nun auch der letzte Teil der NS-Hinterlassenschaft Prora aus der öffentlichen Hand gegeben werden.

Auch Block 5 der früheren Nazi-Ferienanlage in Prora auf Rügen kann privatisiert werden. Der Kreistag von Vorpommern-Rügen hat am Montagabend in einer Grundsatzentscheidung den Weg für den Verkauf freigemacht. Nach kontroverser Diskussion ermächtigten die Abgeordneten Landrat Ralf Drescher (CDU) mit den Stimmen von CDU, SPD und FDP, Vorbereitungen zum Verkauf des unsanierten, rund 300 Meter langen Gebäudeteils zu treffen.

Bau vor 80 Jahren als riesige Ferienanlage

Vor rund zehn Jahren hatte der Bund vier Blöcke der vor 80 Jahren als gigantisches Seebad geplanten Nazi-Immobilie an Privatinvestoren verkauft, die derzeit die Gebäude direkt am Ostseestrand zu mehr als 1.000 Ferien- und Eigentumswohnungen umbauen. Der Landkreis erwarb den letzten der 450 Meter langen Blöcke für den Kaufpreis von einem Euro plus der Auflage zur Erschließung.

Kreis mit Kosten überfordert

In einem Drittel des Blocks entstand 2011 eine Jugendherberge. Außerdem sollte dort eine Gedenk- und Bildungsstätte geschaffen werden. Der Kreis sieht sich allerdings mit den Kosten in Höhe von fünf Millionen Euro überfordert. Die Verwaltung wolle eine denkmalgerechte Sanierung statt eines weiteren Verfalls, begründete Drescher nun die Verkaufsbemühungen. 

Linke und Grüne scheitern mit ihren Vorschlägen

Die Linken sind gegen eine Privatisierung, konnten sich aber mit dem Vorschlag, Teile das Gebäudes nur an Land oder Bund zu verkaufen, nicht durchsetzen. Die Grünen scheiterten mit einem Antrag zur Vorbereitung eines Bürgerentscheids. In einer Online-Petition hatten sich rund 15.000 Bürger gegen den Verkauf ausgesprochen. Sie beklagen, dass mit dem Verkauf des letzten in öffentlicher Hand befindlichen Blockes der Charakter des Mahnmals zweier Diktaturen verloren geht.

Gedenkstätte ist Bedingung für Verkauf

Landrat Drescher stellte klar, dass Bedingung für eine Privatisierung die Schaffung einer Gedenk- und Bildunsstätte sei. Sollte dies nicht möglich sein, werde der Kreis von einer Privatisierung absehen. "Wir werden ein Vertragswerk suchen, um für das Dokumentationszentrum eine Bildungsstätte auf Dauer zu sichern", sagte Drescher. Mehrere Investoren haben den Angaben zufolge bereits Interesse an der denkmalgeschützten Immobilie signalisiert. Auch sei die Immobilie dem Land angeboten worden. Die Prüfung sei noch nicht abgeschlossen, sagte ein Sprecher der Staatskanzlei.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 02.05.2016 | 21:00 Uhr

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