Stand: 24.04.2020 19:04 Uhr

In MV zwiespältige Reaktionen zum Fehmarnbelt-Tunnel

Von Martin Möller, Nordmagazin

Das Bild zeigt ein Modell der Einfahrt in den geplanten Fehmarnbelttunnel. © Femern A/S
So stellen sich die Planer die Einfahrt zum Fehmarnbelt-Tunnel vor.

Der Tunnel unter dem Fehmarnbelt zwischen der schleswig-holsteinischen Insel Fehmarn und der dänischen Insel Lolland wird gebaut. Das hat die dänische Regierung in Kopenhagen beschlossen. Die Arbeiten sollen im kommenden Januar beginnen und 2029 abgeschlossen werden. In Mecklenburg-Vorpommern gibt es zwiespältige Reaktionen. Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) sieht für den Westen des Landes wirtschaftliche Vorteile. Denn um das Hinterland an den Tunnel anzubinden, soll unter anderem die Bahnstrecke zwischen Schwerin und Lübeck zweigleisig ausgebaut und elektrifiziert werden. Eine neue Verbindungskurve bei Lübstorf ermöglicht außerdem erstmals direkte Züge zwischen beiden Städten - ohne Zwischenstopp in Bad Kleinen. Für Ostseehäfen hingegen befürchtet Pegel erhebliche negative Auswirkungen. Es werde darauf ankommen, dass die EU-Kommission den Wettbewerb ernsthaft kontrolliert und darauf achtet, dass die Tunnelmaut den tatsächlichen Kosten entspricht und nicht einem Dumpingpreis gleicht, so Pegel.

Neue Verkehrsströme

Ähnliche Befürchtungen hat auch die Reederei Scandlines als "Hauptkonkurrent" des künftigen Tunnels. Das private Unternehmen, das die Fährverbindung Puttgarden-Rødby und Rostock-Gedser betreibt, will den Fährverkehr auf beiden Routen aufrecht halten. "Besonders die Verbindung Rostock-Gedser ist auch mit dem Fehmarnbelt-Tunnel attraktiv, weil sie die schnellste und kürzeste Verbindung von beispielsweise Berlin nach Skandinavien ist", so Scandlines-Sprecherin Anette Ustrup Svendsen. "Auf den Fähren können LKW-Fahrer essen, duschen und Pause machen." Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) sagte zum Tunnel-Projekt: "Es ist gut, wenn Europa zusammenwächst. Aber die Verbindung wird auch negative Konsequenzen für Rostock haben." Deshalb forderte der gebürtige Däne Kompensation für Rostock. Das könnte, so Madsen, zum Beispiel eine bessere Anbindung des Seehafens sein.

Start war fünf Jahre früher geplant

Ursprünglich sollte der Verkehr bereits fünf Jahre früher als jetzt vorgesehen durch den Tunnel rollen. Aber das Mammutprojekt hat sich mehrfach verzögert. Es gab zahlreiche Klagen von Naturschutzverbänden und der Reederei Scandlines. Umweltzerstörung, Wettbewerbsverzerrung und zu hohe Kosten - so lautete die Kritik. Vor einem halben Jahr empfahl der Bundesrechnungshof der Bundesregierung sogar, den Staatsvertrag für den Bau des Tunnels mit Dänemark zu kündigen. Allein der Bau des kombinierten Straßen-Eisenbahn-Tunnel soll der dänischen Staatskasse acht Milliarden Euro kosten. Hinzu kommen mehrere Milliarden für die Anbindung des Hinterlandes. In Dänemark ist eine Hochgeschwindigkeits-Bahntrasse von Kopenhagen zur Insel Lolland bereits im Bau und voraussichtlich in drei Jahren fertig. Auf deutscher Seite kann frühestens 2022 mit dem Ausbau der Bahnstrecke zwischen Lübeck und Fehmarn begonnen werden.

Längster Absenk-Tunnel der Welt

Das 18 Kilometer lange Bauwerk wird voraussichtlich der längste Absenk-Tunnel der Welt. Das Bauprinzip gleicht dem des Rostocker Warnow-Tunnels. Die an Land vorgefertigten 89 Tunnelelemente werden Stück für Stück in einen vorbereiteten Graben am Meeresboden abgesenkt, dort miteinander verbunden, leer gepumpt und anschließend mit Sand abgedeckt. An der Südküste Lollands soll der Bau des Arbeitshafen und der Produktionsstätte für die Tunnelelemente bereits in den nächsten Wochen starten. 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 24.04.2020 | 15:00 Uhr

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