NDR Rundfunkrat prüft Arbeitsklima und Berichterstattung

Stand: 23.09.2022 19:52 Uhr

Der Rundfunkrat des Norddeutschen Rundfunks (NDR) will sich nach den Vorgängen in den Landesfunkhäusern Hamburg und Kiel sowohl mit dem Arbeitsklima als auch mit der Gewährleistung unabhängiger Berichterstattung im gesamten NDR kritisch auseinandersetzen.

Erste Sitzung des Kontroll-Gremiums nach dem Bekanntwerden von Anschuldigungen in den Landesfunkhäusern Hamburg und Schleswig-Holstein. In Kiel wird Führungskräften politische Einflussnahme vorgeworfen - in Hamburg soll​ die Funkhausdirektorin Sabine Rossbach eine Tochter, Mitinhaberin einer PR-Agentur, und deren Kunden bei der Berichterstattung bevorzugt haben. Der NDR setzt bei der Aufarbeitung auf mehrere Ebenen: Überprüfung von außen und auch eigene Recherchen, so Thomas Kärst vom Landesrundfunkrat Hamburg.

"In Hamburg ist es so, dass zum einen die Antikorruptionsbeauftragte die Vorwürfe prüft, die in punkto Compliance im Raum stehen", erklärt Kärst. "Zum anderen arbeitet dieses journalistische Team, das aus den Landesfunkhäusern Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern kommt, alles das auf, was redaktionelle Abläufe angeht. Dieses wird in zwei unterschiedliche Berichte gefasst und diese schauen wir uns als Landesrundfunkrat an und bewerten sie."

Noch keine Ergebnisse nach der Sitzung am Freitag

Nach der Sitzung am Freitag gab es noch keine Ergebnisse. Die Rundfunkräte formulierten ihre Sicht auf die Ereignisse im Sender, NDR Intendant Joachim Knuth führte aus, man sei dabei, einen verlässlichen Eindruck über die komplexe Lage zu bekommen. In der Aussprache ging es aber auch um die Kommunikation und die Unternehmenskultur generell im NDR.

Sandra Goldschmidt, Vorsitzende des NDR Rundfunkrates und Mitglied des Landesrundfunkrates Hamburg, bereitet sich auf eine Sitzung in Hamburg vor. © dpa Foto: Axel Heimken
Die Vorsitzende des Rundfunkrates, Sandra Goldschmidt, sieht den NDR bei der Aufarbeitung auf einem guten Weg

Die Vorsitzende des Rundfunkrates, Sandra Goldschmidt, sieht den NDR bei der Aufarbeitung auf einem guten Weg, gibt dem Sender aber auch Hausaufgaben mit: "Wenn in zwei Landesfunkhäusern Beschäftige sagen, das Klima der Diskussion ist schwierig, wir haben das Gefühl, wir können nicht unabhängig diskutieren und arbeiten, dann ist das natürlich etwas, das uns als Rundfunkrat beschäftigt, weil wir uns fragen: Es sind zwei von vier Häusern - gilt das dann für die anderen Häuser auch?"

Der NDR hat angekündigt, zu prüfen, ob die Unternehmenskultur im gesamten Sender untersucht werden soll.

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Das NDR-Logo ist an der Einfahrt zum Landesfunkhaus Schleswig-Holstein auf einer Glasplatte angebracht. © dpa Foto: Axel Heimken

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 23.09.2022 | 19:30 Uhr

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