Corona-Impfung in Hamburg: Wann dürfen alle?

Stand: 06.05.2021 09:27 Uhr

Es gab rund 1.000 Fragen zum Thema Impfen: Das Interesse am Video-Chat am Mittwochabend mit dem ärztlichen Leiter des Hamburger Impfzentrums, Dirk Heinrich, war enorm.

Viele Fragen im Video-Chat auf ndr.de/hamburg betrafen die Reihenfolge der Impfungen. Wann genau die Impfreihenfolge aufgehoben wird, wollten Teilnehmende des Video-Chats wissen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte diesen Schritt für Juni in Aussicht gestellt. Der Impf-Spezialist Heinrich meinte dazu: Er rechne damit, dass es in den Arztpraxen ab Mitte Mai ein "Ausfransen" der Impfreihenfolge geben werde. Wenn Praxen mehr Impfstoff hätten als nötig, könnten sie auch außerhalb der festgelegten Impfreihenfolge Impfen. Dies sei auch möglich, wenn abends noch Impfstoff über sei: "Es ist ein dynamisches Geschehen."

Impfung für Menschen über 50

Dirk Heinrich, ärztlicher Leiter des Impfzentrums Hamburg. © picture alliance/dpa | Georg Wendt Foto: Georg Wendt
Dr. med. Dirk Heinrich ist HNO-Arzt mit Praxis in Horn und Sprecher des sechsköpfigen ärztlichen Leitungsteams im Impfzentrum Hamburg.

Werden nach Aufhebung der Impfreihenfolge zum Beispiel dann Menschen über 50 bevorzugt geimpft, weil sie ein Risiko für einen schweren Verlauf der Covid-19-Infektion haben, fragte NDR 90,3 Reporterin Anna Rüter stellvertretend für drei Hörerinnen. Dem sei nicht so, erklärte Heinrich. Wenn es keine Priorisierung bestimmter Gruppen gebe, dann gelte tatsächlich das Prinzip: Wer zuerst da ist, wird auch zuerst geimpft: "Da ist dann keine Reihenfolge mehr festgelegt." Ob es denn realistisch sei, ohne Priorität im Juli geimpft zu werden, wollte ein Hamburger wissen. Heinrich antwortete, mit Hilfe der Haus- und Facharztpraxen sei dies bis Juli oder August realistisch.

Menschen mit hohem Risiko zuerst schützen

Grundsätzlich hält Heinrich es aber für sinnvoll, dass in Zeiten mit insgesamt zu wenig Impfstoff jene bevorzugt würden, die durch Alter, Vorerkrankung oder durch ihre berufliche Tätigkeit einem besonders hohen Risiko ausgesetzt seien. Wer im Supermarkt an der Kasse arbeite, trage ein höheres Risiko als jemand im Homeoffice.

Wartezeiten bei der Terminvereinbarung wahrscheinlich

Bei einer Aufhebung der Impfreihenfolge rechnet der Arzt mit langen Wartezeiten bei der Terminvereinbarung: "Das wird eine große Herausforderung." Das sei am Anfang der Impfkampagne auch so gewesen, als sehr viele Menschen nach einem Impftermin fragten. "Ich hoffe, dass vieles jetzt über Online-Buchung gehen wird, weil das dann doch einfacher ist."

Telefonische Erreichbarkeit

Eine Hörerin mit Impfberechtigung monierte, dass es schon jetzt sehr schwer sei, einen Impftermin per Telefon oder Internet zu bekommen. Heinrich forderte alle in ähnlicher Lage auf, es immer wieder zu versuchen. Es würden ständig neue Termine hinzugefügt: "Sie werden irgendwann Glück haben und einen Termin bekommen."

Verimpfung von Resten

Viele Teilnehmende im Video-Chat wollten wissen, warum im Hamburger Impfzentrum nicht die Reste verimpft werden, die häufig in Impfampullen anfallen und die je nach Impfstoff einen oder mehrere zusätzliche Impfungen ermöglichen könnten. Heinrich erklärte dazu, dass im Impfzentrum zu viele verschiedene Ärztinnen und Ärzte arbeiteten und dass die Haftung nicht geklärt sei. Ein Hausarzt in der Praxis könne das möglicherweise besser bewerkstelligen, als das Impfzentrum mit seinen 500 Ärztinnen und Ärzten.

Nebenwirkungen beim Impfen

Auch die Frage nach den Nebenwirkungen einer Corona-Schutzimpfung wurde gestellt. "Sie müssen damit rechnen, dass Sie ab der Einstichstelle eine Rötung haben", sagte der Impfarzt. Auch könne sich der Arm etwas schwer anfühlen. Abgeschlagenheit und leichtes Fieber seien möglich. Um mögliche allergische Redaktionen zu erkennen, bleiben alle Geimpften auch 15 Minuten nach der Impfung noch im Impfzentrum oder in der Praxis, so Heinrich.

AstraZeneca-Freigabe befürwortet

Heinrich äußerte sich nach Abschluss des Video-Chats bei NDR 90,3 auch zu dem Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Spahn vom Donnerstag, den Impfstoff von AstraZeneca komplett für alle Bevölkerungsgruppen freizugeben. Dies sei sinnvoll, da ohnehin bald damit zu rechnen sei, dass die Priorisierung aufgegeben werde, meinte der Hamburger Arzt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 05.05.2021 | 20:00 Uhr

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