Die Köhlbrandbrücke zur blauen Stunde © NDR Foto: Hagen Thom

Wirtschaftssenator: Keine neue Köhlbrandbrücke für Hamburg

Stand: 03.02.2021 12:53 Uhr

Hamburg verliert offenbar eines seiner wichtigsten Wahrzeichen im Hafen - als Ersatz für die marode Köhlbrandbrücke plant der Senat nur noch mit einem Tunnel.

Das hat Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) am Dientagabend erstmals öffentlich eingeräumt. Bislang schien das Rennen offen: eine neue, höhere Köhlbrandbrücke - oder ein Tunnel. Aber tatsächlich ist diese Entscheidung offenbar bereits seit mehr als einem halben Jahr gefallen: Im vergangenen Juni haben sich Senatsvertreter darauf verständigt, nur noch die Variante für einen Bohrtunnel unter dem Köhlbrand weiter zu untersuchen, erklärte Westhagemann auf Nachfrage in einer Ausschusssitzung der Bürgerschaft.

Vorteile eines Tunnels überwiegen

Ein Tunnel wird mit mindestens drei Milliarden Euro zwar wesentlich teurer als eine neue Brücke, hat laut dem Wirtschaftssenator aber mehrere Vorteile. Zum einen sei der Verkehr nicht der Witterung ausgesetzt, zum anderen halte der Tunnel wesentlich länger als eine Brücke - und der Hohlraum unter der Fahrbahn kann nach den Worten des Senators zusätzlich genutzt werden.

Kritik von der Linksfraktion

Irritiert zeigte sich der Linken-Abgeordnete Norbert Hackbusch - vor allem, weil die Bürgerschaft bislang nicht beteiligt wurde. Das werden wir nicht akzeptieren, so Hackbusch. Ihm war aufgefallen, dass im Haushalt für die kommenden beiden Jahre nur noch Geld für die Tunnelplanung vorgesehen ist.

Hackbusch wirft der Hafenverwaltung HPA außerdem vor, dass die Köhlbrandbrücke schon jetzt nicht mehr richtig gepflegt wird - obwohl es erst 2034 einen Tunnel geben soll. Denn erst Ende Januar war bekannt geworden, dass die marode Brücke wohl wesentlich länger halten muss als bislang geplant. Zuvor war die Rede davon gewesen, dass sie bis 2030 ersetzt wird, nun also geht die Wirtschaftsbehörde von 2034 aus.

Jetzige Brücke muss bis 2034 durchhalten

Die Köhlbrandbrücke ist außerdem zur Bundesstraße aufgewertet worden. Sie ist nun der nördliche Startpunkt der B3, die in Deutschland auf einer Gesamtlänge von rund 760 Kilometer bis an die Schweizer Grenze führt. Das ist laut Wirtschaftsbehörde die Voraussetzung dafür, dass der Bund sich finanziell am Bau der neuen Köhlbrandquerung beteiligt. Seit dieser Woche müssen Lkw-Fahrer hier nun Maut zahlen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 03.02.2021 | 13:00 Uhr

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