Stand: 03.09.2018 06:24 Uhr

Tausende demonstrieren für Seenotrettung

Tausende haben am Sonntag in Hamburg dafür demonstriert, dass die Stadt Menschen aufnimmt, die im Mittelmeer gerettet werden. Hamburg solle ein "sicherer Hafen" werden, forderten sie. Die Behörden sollten offensiv anbieten, Gerettet aufzunehmen und sich politisch in Deutschland und der EU für die Seenotrettung einsetzen. Die Demonstrierenden stellten sich gegen rechts und forderten legale Fluchtwege.

Demonstrierende bei der Demo der Seebrücke Hamburg.

Hamburger bekunden Solidarität mit Geflüchteten

Hamburg Journal -

In Hamburg haben mehr als 10.000 Menschen friedlich für Seenotrettung im Mittelmeer und gegen Rechtsextremismus demonstriert. Sie fordern die Hafenstadt auf, Gerettete aufzunehmen.

2,06 bei 587 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Organisatoren zählen mehr als 16.000 Teilnehmer

Nach Angaben der Polizei gingen etwa 10.000 Menschen auf die Straße. Die Organisatoren zählten rund 16.400 Teilnehmer. Viele der Demonstrierenden trugen orangefarbene Rettungs- und Warnwesten, mit denen sie an diejenigen erinnern wollten, die auf der Flucht ertrunken sind. Zahlreiche Protestierende brachten ihre Kinder mit. Auf den Schildern standen Sprüche wie "Seebrücke statt Seehofer", "Kein Adler braucht diesen Horst" oder "Menschenrechte statt rechte Menschen". Nach dem Spiel des FC St. Pauli gegen den 1. FC Köln schlossen sich viele Stadionbesucher dem Zug an. Nach Polizeiangaben gab es keine Zwischenfälle. "Alles verlief friedlich", sagte eine Sprecherin.

Bischöfin Fehrs: Seenotrettung ist Gebot christlicher Seefahrt

Die Demonstration begann an den Landungsbrücken und zog über das Millerntorstadion zum Rathausmarkt. Bei der Auftaktkundgebung sagte die evangelische Bischöfin Kirsten Fehrs, die Rettung von Menschen aus Seenot sei "ein Grundgebot der christlichen Seefahrt". Nirgendwo dürfe unwidersprochen hingenommen werden, wenn Menschenwürde verletzt werde, wie jetzt zum Beispiel in Chemnitz. "Wir dürfen nicht dulden, dass man Flüchtlinge auf See ertrinken lässt und auch nicht, dass sie angepöbelt und zusammengeschlagen werden", sagte sie.

Demonstranten tauchen Hamburg in Orange

Forderung nach staatlicher Seenotrettung

Auf einer Zwischenkundgebung vor dem Millerntorstadion verurteilten Freiwillige von Jugend Rettet die Kriminalisierung der Seenotrettung und forderten eine staatlich organisierte Seenotrettung auf dem Mittelmeer. "Jeder Tag an dem wir an unserer Arbeit gehindert werden, ist ein tödlicher Tag für Menschen auf der Flucht." Unter großem Applaus kommentierte ein Redner des Fansprecher-Rates des FC St. Pauli die Chemnitzer Ausschreitungen: "In diesen dunklen Zeiten ist es einfach unsere verdammte Pflicht, auf die Straße zu gehen und uns in den Weg zu stellen." Nationalismus und Abschottung seien keine Alternative.

Bei der Abschlusskundgebung auf dem Rathausmarkt appellierte der Kapitän des Rettungsschiffes "Lifeline", Claus-Peter Reisch: "Machen Sie diese Stadt zu einer offenen, einer sicheren Stadt für Flüchtlinge." Auch Vertreter der Linken und Grünen sprachen auf der Abschlusskundgebung. Am Ende der Groß-Demo legten sich die Teilnehmer auf den Rathausmarkt, um an den Tod Tausender Menschen im Mittelmeer zu erinnern.

Aufruf von Hamburger Initiativen, Vereinen und Verbänden

Verbände, Vereine, Parteien und linke Gruppierungen hatten zu der Demonstration aufgerufen. Die Seenotrettung im Mittelmeer sei eine humanitäre Pflicht und kein Verbrechen, heißt es im Aufruf der Organisatoren von Seebrücke Hamburg. Unter den Aufrufenden waren die Hamburger Grünen, die Linke, der FC St. Pauli, Sea-Watch, Sea- Eye, der Paritätische Wohlfahrtsverband, Caritas, Diakonie sowie zahlreiche Stadtteilinitiativen.

Auch in anderen Städten wie Berlin, Kassel oder Warschau wurde am Sonntag für eine humane Flüchtlingspolitik demonstriert. Bereits am Sonnabend gab es in Flensburg eine Kundgebung unter dem Motto "Seebrücke statt Massengrab".

Weitere Informationen

Niedersächsische Abgeordnete für Seenotrettung

05.08.2018 19:30 Uhr

Niedersächsische Landespolitiker unterstützen parteiübergreifend private Seenotrettung im Mittelmeer. Das zeigt eine NDR Umfrage. Unterschiede gibt es bei den Begründungen und Lösungswegen. mehr

"Menschen sterben, weil wir nicht helfen dürfen"

20.07.2018 07:40 Uhr

Das Rettungsschiff "Lifeline" ist auf Malta festgesetzt. Die Hildesheimerin Neeske Beckmann gehört zur Crew. Für sie ist es frustrierend, Flüchtlingen nicht helfen zu dürfen. mehr

NDR Info

Brok: "Wer in Seenot ist, muss gerettet werden"

18.07.2018 06:50 Uhr
NDR Info

Der CDU-Europa-Abgeordnete Brok hat auf NDR Info die Rettung von Menschen aus Seenot als humanitäre Pflicht bezeichnet. Kritik übte er an der italienischen Regierung. mehr

Demonstration für private Seenotrettung

13.07.2018 19:30 Uhr

In Hamburg-Altona haben mehr als 1.500 Menschen für den Erhalt der privaten Seenotrettung im Mittelmeer demonstriert. Sie forderten, dass Rettungsschiffe wieder europäische Häfen ansteuern dürfen. mehr

Dossiers

Flüchtlinge in Hamburg

Viele Flüchtlinge suchen Schutz in Hamburg. NDR.de sammelt hier Nachrichten, Reportagen und Interviews zum Thema Flüchtlinge in Hamburg. mehr

Hintergrund: Flüchtlinge in Norddeutschland

Wie viele Flüchtlinge kommen nach Deutschland und woher kommen sie? Wie viele der Menschen nehmen die norddeutschen Länder auf und wie leben sie hier? Die wichtigsten Fakten. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 02.09.2018 | 20:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

00:37
Hamburg Journal 18.00

Illegales Autorennen: Unbeteiligte verletzt

20.09.2018 18:00 Uhr
Hamburg Journal 18.00
00:39
Hamburg Journal 18.00

HSV Hamburg gewinnt gegen Hamm

20.09.2018 18:00 Uhr
Hamburg Journal 18.00
02:11
Hamburg Journal

"Welt am Sonntag" feiert 70. Jubiläum

19.09.2018 19:30 Uhr
Hamburg Journal