Stand: 12.07.2020 20:12 Uhr  - NDR 90,3

Rotlicht-Demo für Sex-Arbeit trotz Corona

Sexarbeiterinnen, Sexarbeiter und Bordell-Betreibende aus ganz Deutschland verlangen, dass trotz der Corona-Krise endlich wieder Leben in die Bordelle kommt: Dafür haben am Samstagabend in Hamburg-St. Pauli nach Polizeiangaben rund 400 Menschen demonstriert. Zu diesem Anlass wurden sogar die Tore der Herbertstraße einmal geöffnet - auch für Frauen, die nicht dort arbeiten.

Sexarbeiterinnen protestieren gegen Corona-Auflagen

Hamburg Journal -

Existenzangst auf dem Hamburger Kiez: Rund 400 Sexarbeiterinnen haben sich in der Herbertstraße versammelt, um gegen die Corona-Auflagen in Bordellbetrieben zu demonstrieren.

3,91 bei 11 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

"Konzepte liegen längst vor"

Bild vergrößern
Rund 400 Menschen demonstrierten in der Herbertstraße.

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie könnten sie kein Geld mehr verdienen, sagte Johanna Weber, politische Sprecherin des Bundesverbandes für erotische und sexuelle Dienstleistungen. Während Friseure, Kosmetikerinnen und Masseure längst wieder arbeiten dürften, drohe Prostituierten die Arbeit in der Illegalität. Dabei hätten Hurenverbände längst Konzepte zum sicheren Arbeiten auch unter Corona vorgelegt.

In der Schweiz wieder erlaubt

Die Sexarbeiterinnen und -arbeiter hätten sehr lange viel Verständnis für die Corona-Beschränkungen aufgebracht, doch so langsam schwinde die Geduld. Das habe auch damit zu tun, dass in vielen Nachbarländern erotische und sexuelle Dienste bereits wieder erlaubt sind. "In der Schweiz ist Prostitution seit vier Wochen wieder erlaubt und es hat seitdem keine Corona-Fälle im Zusammenhang mit Bordell-Besuchen dort gegeben", so Weber, die seit 27 Jahren in Hamburg als Prostituierte arbeitet.

Videos
29:26
DIE REPORTAGE

Die Reeperbahn in der Corona-Krise

DIE REPORTAGE

Durch die Corona-Gefahr steht das Leben auf der Reeperbahn plötzlich still und viele vor dem wirtschaftlichen Aus. Doch der Kiez wäre nicht der Kiez, wenn er sich nicht zu helfen wüsste. Video (29:26 min)

Transparente und ein Geigenkonzert

Statt einer Demonstration mit Sprechchören gab es am Abend ein kleines Geigenkonzert und viele Transparente, die die Frauen in und vor den Schaufenstern der Herbertstraße in die Höhe hielten. "Wir sind Hygieneprofis" hieß es darauf und: "Hört auf wegzuschauen – uns gibt es auch."

Es gibt keine verlässlichen Zahlen darüber, wie viele Menschen in der Sex-Branche arbeiten. Im Rahmen des Prostituiertenschutzgesetzes hatten sich bis Ende 2018 rund 32.800 Menschen offiziell angemeldet.

Weitere Informationen

Gericht erlaubt Escort-Service trotz Corona

Das Verwaltungsgericht Schwerin hat einem Eilantrag einer Prostituierten entsprochen. Die Frau will wieder als Escort-Dame sexuelle Dienstleistungen erbringen - außerhalb von Bordellen. (06.07.2020) mehr

Prostituierte geraten in Zeiten der Corona-Pandemie in Not

Seit zwei Monaten sind die Bordelle geschlossen, das Prostitutionsgewerbe steht still. Viele Sexarbeiterinnen haben Existenzängste, einige geraten in gefährliche Abhängigkeiten. (23.05.2020) mehr

Ausländische Prostituierte: Ohne Geld und Familie

Viele Prostituierte, wie die in der Braunschweiger Bruchstraße, trifft die Corona-Krise schwer. Sie verdienen nichts, sind nicht versichert und sitzen fernab der Heimat fest. (05.05.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 12.07.2020 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

02:00
Hamburg Journal
02:22
Hamburg Journal
05:10
Hamburg Journal