Stand: 24.07.2019 07:33 Uhr  | Archiv

In der Elbe wird jetzt gebaggert

Christopher Iwens (l-r), Deputy Area Director der Firma Deme, Michael Westhagemann (parteilos), Hamburgs Wirtschaftssenator, Andreas Scheuer (CSU), Bundesverkehrsminister, Jan Pörksen (SPD), Chef der Hamburger Senatskanzlei, Angela Titzrath, Vorstandsvorsitzende der Hamburger Hafen- und Logistik AG, Hans-Heinrich Witte, Präsident der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, und Maximilian Rothkopf, Mitglied des Vorstands der Hapag-Lloyd AG, drücken gemeinsam einen Knopf zum Auftakt des Fahrrinnenausbaus für die Elbvertiefung. © picture alliance/Axel Heimken Foto: Axel Heimken
Start der Elbvertiefung: Gemeinsamer Knopfdruck mit Bundesverkehrsminister Scheuer (3.v.l.).

Die Saugbagger sind für die Elbvertiefung jetzt ganz offiziell bei der Arbeit. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sowie Vertreter des Hamburger Senats und der Wirtschaft gaben an Bord des Ausflugsschiffes "Hammonia" um 13.51 Uhr per Knopfdruck das symbolische Startsignal für die erneute Vertiefung der Elb-Fahrrinne zum Hamburger Hafen. Daraufhin senkte sich der Saugrüssel des Baggerschiffs "Scheldt River" und begann mit der Arbeit - umrundet von rund ein Dutzend Schiffen, auf denen Umweltschützer protestierten.

Nach 17 Jahren Planung und langwierigen juristischen Auseinandersetzungen sei dies ein großer Tag für Hamburg und ein wichtiger Schritt für die Zukunftsfähigkeit des Hamburger Hafens, hieß es in mehreren Ansprachen anlässlich des Festaktes.

Umweltschützer reichen tote Stinte

Die Gäste, die an Bord der "Hammonia" gingen, wurden schon am Anleger im schleswig-holsteinischen Wedel von rund 50 Umweltschützern mit Transparenten und lauten Rufen wie "Herr Scheuer, was soll der Quatsch, wir haben hier nur noch den Matsch" empfangen. Gemeint ist der Schlick, der nach Ansicht der Kritiker vom BUND, NABU und WWF die Elbe langfristig verstopfen könnte, wenn die Fahrrinne um einen Meter ausgebaggert wird. Die Demonstranten überreichten den Gästen tote Stinte, das sind kleine Elbfische, in Sektgläsern.

"Bestgeprüftes Infrastrukturvorhaben Deutschlands"

"Die Elbvertiefung ist das bestgeprüfte und meistbegutachtete Infrastrukturvorhaben in Deutschland", hielt Scheuer den Protesten entgegen. 13 Klagen und Prozesse seien am Ende rechtskräftig entschieden worden, alle Bedenken der Gerichte ausgeräumt. "Das ist keine Hamburger oder norddeutsche Investition", sagte der Minister, sondern von bundesweiter Bedeutung. Hans-Heinrich Witte, der Präsident der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt, wies darauf hin, dass rund 15 Prozent der Gesamtkosten der Elbvertiefung für Umwelt- und Naturschutz ausgegeben würden.

Immer größere Schiffe unterwegs

Mit der bislang neunten Elbvertiefung reagiert der Hamburger Hafen auf die immer größeren Frachter. Schiffe mit einem Tiefgang bis zu 13,50 Meter sollen künftig unabhängig von Ebbe und Flut den Hamburger Hafen erreichen oder verlassen können - mit der Flutwelle darf der Tiefgang maximal 14,50 Meter betragen. Die Containerschiffe, die den Hamburger Hafen anlaufen, sind in den vergangenen Jahren deutlich größer geworden. Im Verkehr mit Asien, der in Hamburg die wichtigste Rolle spielt, werden Schiffe mit mehr als 20.000 Containern Tragfähigkeit eingesetzt. Sie könnten deutlich mehr Ladung aufnehmen, wenn die Elbe vertieft ist.

Begegnungsbox bei Wedel

Von großer Bedeutung ist eine Begegnungsbox in Höhe Wedel, wo es möglich sein soll, dass zwei große Containerschiffe zugleich passieren können. Die Fahrrinne wird in diesem Abschnitt auf 385 Meter verbreitert. Damit ist die Unterelbe keine Einbahnstraße mehr, die Kapazität verdoppelt sich. Insgesamt könnten Berechnungen zufolge nach dem Abschluss der Maßnahmen drei Millionen Container zusätzlich im Hamburger Hafen umgeschlagen werden, ohne dass den Reedern Kosten durch weitere Schiffsanläufe entstehen.

Umschlag zieht wieder an

In den vergangenen Jahren stagnierte der Umschlag des Hamburger Hafens bei rund neun Millionen Containern. Die Konkurrenten in Rotterdam und Antwerpen zogen davon. In der Rangliste der weltgrößten Häfen steht Hamburg nur noch auf Platz 19. Zu Beginn dieses Jahres zog der Containerumschlag erstmals seit langer Zeit wieder deutlich an.

VIDEO: Darum geht's: Elbvertiefung (2 Min)

Seit Monaten vorbereitende Arbeiten

Mit der Ausfahrt am Dienstag haben zwar offiziell die Arbeiten in der Fahrrinne begonnen, tatsächlich laufen schon seit Beginn des Jahres vorbereitende Arbeiten. Unter Wasser werden im Strombett der Elbe riesige Ablageflächen für den Aushub der Bagger geschaffen. Bei der Elbvertiefung werden insgesamt rund 40 Millionen Kubikmeter Baggergut aus der Elbe geholt und an anderer Stelle wieder deponiert.

Ausbau kostet fast 780 Millionen Euro

Die Gesamtkosten der Elbvertiefung sind noch nicht endgültig klar, aber die Größenordnung schon: Rund 776 Millionen Euro - oder fast so viel wie eine Elbphilharmonie, wie man in Hamburg sagt. Der Bund soll rund 490 Millionen Euro davon tragen, die Stadt 286 Millionen Euro. Bislang seien die Arbeiten im Zeit- und Kostenplan, heißt es bei der Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt in Bonn. Die endgültige Abrechnung wird wohl erst im Jahr 2021 vorliegen, wenn alle Maßnahmen abgeschlossen sind.

Kein Grund zur Freude für Umweltschützer

Keinen Grund zum Feiern hatten am Dienstag die Umweltschützer, die 17 Jahre lang mit juristischen Mitteln gegen die Elbvertiefung gekämpft haben. Klagen laufen immer noch, aber gebaut wird nun trotzdem. Immerhin haben der Schutz der seltenen Sumpfpflanze Schierlingswasserfenchel und andere Argumente der Naturschützer dazu geführt, dass eine ganze Reihe von Projekten für den ökologischen Ausgleich zum Gesamtpaket der Elbvertiefung gehören.

Hamburger Hafenwirtschaft für Begrenzung der Schiffsgrößen

Gunther Bonz, der Präsident des Unternehmensverbandes Hafen Hamburg und damit Sprecher der Hafenwirtschaft, fand auch mahnende Worte. Für die größten Containerschiffe reiche auch diese Elbvertiefung schon nicht mehr aus. "Eigentlich müssten wir den Startschuss für das nächste Projekt geben", sagte Bonz. Die Hafenwirtschaft strebe allerdings stattdessen eine Begrenzung der Schiffsgrößen an. Es sei nicht länger tragbar, dass zugunsten kleiner betriebswirtschaftlicher Vorteile bei den Reedereien die Steuerzahler in Europa immer größere Hafenanlagen und tiefere Zufahrten mit Millionenbeträgen finanzieren müssten.

Weitere Informationen
Containerschiff im Hamburger Hafen © Hafen Hamburg Marketing e.V./ Hettchen

Was bringt die Elbvertiefung?

Damit die neuesten XXL-Containerschiffe den Hamburger Hafen unabhängig von der Tide erreichen können, wird die Elbe derzeit vertieft. Was passiert da genau - und wo drohen Gefahren? mehr

Containerschiff auf der Elbe. © fotolia Foto: Kara

Chronologie: Die Debatte um die Elbvertiefung

Den Antrag zum weiteren Ausbau der Unterelbe hat Hamburg bereits 2002 gestellt. Aber wann und ob überhaupt die Bagger loslegen können, ist noch immer offen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 Aktuell | 23.07.2019 | 18:00 Uhr

Containerschiff im Hamburger Hafen © Hafen Hamburg Marketing e.V./ Hettchen

Was bringt die Elbvertiefung?

Damit die neuesten XXL-Containerschiffe den Hamburger Hafen unabhängig von der Tide erreichen können, wird die Elbe derzeit vertieft. Was passiert da genau - und wo drohen Gefahren? (23.07.2019) mehr

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