Obdachlose in Hotels: Initiatoren ziehen positive Bilanz

Stand: 03.06.2021 16:28 Uhr

130 Menschen ohne Wohnung sind in den vergangenen Monaten in Hotelzimmern untergekommen. Jetzt endet das spendenfinanzierte Projekt von "Hinz&Kunzt", der Diakonie und der Obdachlosen-Tagesstätte Alimaus. Das Fazit fällt positiv aus.

Für viele Menschen seien dadurch Perspektiven entstanden, sagen die Projektpartner. Es mache etwas mit den Menschen, wenn sie so zur Ruhe kämen, mit einem sicheren Bett und Privatsphäre im eigenen Zimmer, sagte Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer von "Hinz&Kunzt". Viele würden dann weniger Alkohol konsumieren, Termine besser einhalten und seien motivierter, ihr Leben wieder zu ordnen.

Einige fanden Wohnung oder Job

Mindestens 15 Projektteilnehmende hätten in der Zeit eine Wohnung gefunden, mindestens 10 einen festen Job. Leider könne man aber nicht allen, die dabei waren, eine neue Unterbringung anbieten, so Karrenbauer. "Dabei wissen wir, dass die Menschen auf der Straße ganz schnell wieder verelenden."

Lob auch von der Sozialsenatorin

Das Projekt sei eine gute Ergänzung in der Corona-Zeit gewesen, lobte auch Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD). Daraus ließen sich auch Lehren ziehen, die für die Obdachlosenhilfe insgesamt gelten.

Die Initiatoren des Projektes fordern schon lange, dass für Obdachlose die Einzelunterbringung zum Standard wird. Die Möglichkeit zur Ruhe zu kommen und die Wahrung der eigenen Privatsphäre in den Hotelzimmern seien Voraussetzung für die soziale Stabilisierung gewesen, sagte Landespastor Dirk Ahrens. "Deshalb begrüßen wir es, dass nun die Regierungsfraktionen mit einem Modellprojekt den Housing-First-Ansatz in Hamburg starten."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 Aktuell | 03.06.2021 | 16:00 Uhr

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