Stand: 05.05.2020 10:31 Uhr  - NDR 90,3

Kochen in der Corona-Krise: Senfeier für Hebammen

Lokale und Cafés geschlossen, Restaurantmitarbeitende in Kurzarbeit. Die Gastronomie in Hamburg leidet unter der Corona-Pandemie. Statt aber frustriert zu Hause zu sitzen, haben Lokalbesitzende die Initiative "Kochen für Helden" gegründet.

Koch Dennis bereitet Senfeier für Alltagshelden zu. © NDR Foto: Elke Spanner
Statt für Gäste wird nun für Heldinnen und Helden des Alltags gekocht: Koch Dennis bereitet Senfeier zu.

"Ich mache jetzt gerade den Spinat für die Senfeier fertig, ein bisschen Knoblauch mit rein ... passt!", sagt Koch Dennis. Senfeier mit Spinat stehen heute auf dem Speiseplan im Lokal Klippkroog in Altona. Das Essen ist allerdings nicht für Gäste des Restaurants. Das ist seit der Corona-Pandemie geschlossen.

Essen für Alltagsheldinnen und -helden

Dennis füllt die Senfeier in große Gläser ab. Die werden an Menschen ausgeliefert, die gerade Besonderes leisten. Das Klippkroog macht mit bei "Kochen für Helden", einer Initiative von Gastronomen, die ehrenamtlich Essen an Mitarbeitende in Kliniken, Pflegeeinrichtungen und Supermärkte ausliefern. Inhaberin Anne Behm erzählt, dass sie nach der Schließung ihres Lokals zunächst zwei Wochen fassungslos zu Hause saß. Dann entschloss sie sich, die Zeit sinnvoll zu nutzen: "Die zwei Wochen waren die schlimmsten. Jetzt haben wir wenigstens was zu tun und die Gedanken kreisen nicht immer nur um dasselbe Thema. Zuerst haben wir die Kühlhäuser leer gekocht. Jetzt bekommen wir viele Spenden."

Die Gläser sind befüllt, die Kisten komplett. Behm und ihr Team laden das Essen in das Auto der Inhaberin. Vorne der Kindersitz ihrer kleinen Tochter, hinten die Essenskisten und noch ein paar Getränke dazu. Einmal die Woche beliefert der Klippkroog die Hebammen im Krankenhaus Altona, die auch heute schon sehnsüchtig warten.

Ungewohntes Arbeiten im Krankenhaus

Eine Hebamme nimmt geliefertes Essen im Empfang. © NDR Foto: Elke Spanner
Hebamme Gesine Grabichler nimmt Getränke und Senfeier in Empfang - ein Lieblingsessen der Arbeitenden auf der Geburtsstation.

Gerade über die Senfeier freut sich Hebamme Gesine Grabichler sehr. Die sind längst zum heimlichen Lieblingsessen der Hebammen, Pflegekräfte und der Arztinnen und Ärzte auf der Geburtsstation geworden. Die seien wegen der Corona-Beschränkungen gerade besonders belastet, sagt die Hebamme: "Na die Anspannung ist da. Es sind keine Besucher mehr hier." Nur noch die Partner, die die Frauen zur Geburt begleiten dürften, könnten manchmal auch mit auf der Station sein. "Insofern haben wir jetzt weitere Aufgaben, weil wir die Frauen auffangen müssen, wenn sie jetzt plötzlich ganz alleine sind", sagt Grabichler.

Das Essen von "Kochen für Helden" ist eine kleine Anerkennung dafür. Anne Behm sagt, dass der Klippkroog die Heldinnen und Helden weiter beliefern wird - zumindest, bis sie ihr Lokal eines Tages wieder öffnen kann.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 05.05.2020 | 12:18 Uhr

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