Stand: 23.05.2018 20:32 Uhr

Jüdische Gemeinde feiert Rabbiner-Ordination

Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg sind in Hamburg fünf Rabbiner ordiniert worden. Die jüdischen Gelehrten hatten zuvor eine dreijährige Ausbildung am Rabbinerseminar absolviert. An der Zeremonie in der Synagoge im Stadtteil Eimsbüttel nahmen am Mittwoch neben Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) auch der israelische Oberrabbiner David Lau und der stellvertretende israelische Bildungsminister Meir Porush teil.

"Wir sind dankbar, dass es wieder ein vielfältiges jüdisches Leben in der Stadt gibt", sagte Tschentscher. Der Rabbiner der Hamburger Gemeinde, Shlomo Bistritzky, sprach die Diskussion um den Wiederaufbau der jüdischen Gemeinden in Deutschland nach der Shoah (Holocaust) an und betonte: "Wir sind nicht vorübergehend hier, wir sind gekommen, um zu bleiben."

Rabbinerseminar 2014 gegründet

Das Hamburger Rabbinerseminar war im September 2014 mit maßgeblicher Unterstützung des russischen Schiffbau-Unternehmers Garegin Tsaturov gegründet worden. Der Chef der Pella-Sietas-Werft in Hamburg-Neuenfelde leitet auch die Stiftung Jüdische Zukunft, die Träger des Seminars ist. Es knüpft an eine Hamburger Tradition an. Der Name "Or Jonathan" bedeutet "Licht Jonathans". Er nimmt Bezug auf den Rabbiner Jonathan Eybeschütz, der 1690 in Krakau geboren wurde und 1764 in Altona starb.

Große jüdische Gemeinde Anfang des 19. Jahrhunderts

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Die jüdischen Gelehrten absolvierten eine dreijährige Ausbildung am 2014 gegründeten Rabbinerseminar.

Nach der Vertreibung der Juden aus Spanien waren seit Ende des 16. Jahrhunderts zahlreiche der sogenannten Sepharden über Portugal und die Niederlande nach Hamburg gekommen. Das jüdische Leben in der Hansestadt erlebte einen Aufschwung, wovon noch heute die Gräber auf dem alten Jüdischen Friedhof in Altona zeugen. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war die israelitische Gemeinde Hamburgs nach Angaben des Instituts für die Geschichte der Deutschen Juden die größte in Deutschland. Damals habe sie etwa 8.000 Mitglieder gehabt, sagte der stellvertretende Institutsdirektor Andreas Brämer.

Unter den Nazis verschleppt und umgebracht

Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten flüchteten viele Hamburger Juden ins Ausland oder wurden von 1941 an deportiert und ermordet. Bereits bei den November-Pogromen 1938 seien mehr als 1.000 Juden verschleppt worden. Rund 8.000 jüdische Hamburger seien im Holocaust umgekommen, sagte Brämer.

Unterschiedliche Aufgaben für neue Rabbiner

Die erste Rabbiner-Ordination in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg hatte 2006 in Dresden stattgefunden. Davor waren in Deutschland zuletzt 1942 Rabbiner ordiniert worden. Unter den neuen Hamburger Rabbinern ist Nathan Grinberg, der bereits in der Lübecker Gemeinde tätig ist. Ein anderer Absolvent soll als Kalligraph Tora-Rollen und andere heilige Schriften restaurieren und schreiben. Ein weiterer Rabbiner wird für das Friedhofswesen in Hamburg zuständig sein. Von den beiden übrigen Absolventen werde einer für die Stiftung Jüdische Zukunft arbeiten, der andere seine Studien fortsetzen, hieß es.

Mehr Juden in anderen deutschen Großstädten

Die jüdische Gemeinde Hamburg zählt nach Angaben der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland derzeit 2.447 Mitglieder. Damit ist sie vergleichsweise klein. In Berlin, München oder Frankfurt leben deutlich mehr Juden.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 23.05.2018 | 19:30 Uhr

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