Stand: 21.09.2019 08:40 Uhr

Hamburg Kommentar: Klimastreik muss weitergehen

von Andreas Gaertner
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NDR 90,3 Redakteur Andreas Gaertner kommentiert den Klimastreik.

Rund um den Globus sind am Freitag Millionen Menschen dem Aufruf zu einem weltweiten Klimastreik gefolgt. In Hamburg kamen etwa 70.000 Menschen an den Jungfernstieg, mehr als doppelt so viele wie erwartet – vor allem Schülerinnen und Schüler. Aufgerufen hatte die "Fridays for Future"-Bewegung. Ein Kommentar von Andreas Gaertner.

"Danke Fridays for Future" steht auf dem Plakat, das ein älteres Ehepaar hochhebt - am Rande der großen Klima-Demo in Hamburg. Mich hat das gerührt und beschämt zugleich. Denn wir Älteren haben es bisher - Entschuldigung, dass ich das so sage - verkackt.

Hoffnung, dass sich endlich was bewegt

Hat uns nun die schwedische Schülerin Greta oder ein Rekord-Hitze-Sommer nach dem anderen aufgeschreckt? - Egal! Hauptsache es bewegt sich was. Millionen Menschen weltweit, mindestens 70.000 in Hamburg, haben am Freitag ein Zeichen gesetzt, für ihre Angst und ihre Hoffnung. Ja, auch Hoffnung, dass sich endlich etwas bewegt.

Dürftige Beschlüsse beim Klimakabinett

Ob das Klimakabinett mit seinen Beschlüssen den Umschwung gebracht hat, darüber darf jetzt gestritten werden. Bahnkarten billiger anbieten, Fliegen ein bisschen teurer machen, Ölheizungen künftig verbieten, das sind tatsächlich nur Tropfen auf die immer heißer werdenden Steine.

Bevölkerung wünscht sich mehrheitlich bessere Klimapolitik

Und SUV´s statt mit Diesel zu betanken künftig elektrisch fahren zu lassen mit Batterien, für die anderswo weiter Natur und Menschen ausgebeutet werden, das mag zwar die Autoindustrie für eine tolle Idee halten. Bürger und Verbraucher jedoch sind viel weiter: Fast zwei Drittel der Deutschen wünschen sich laut der aktuellsten Infratest-dimap-Umfrage ein Umsteuern in der Klimapolitik, selbst wenn dies dem Wirtschaftswachstum schade.

Menschen sind offen für neue Lösungen

Umfrage und Riesen-Demo zeigen: Die Menschen in diesem Land sind für vernünftige Lösungen so offen wie selten zuvor. Notfalls auch bereit, zu verzichten. Wie sich teuer gemachte Energie und soziale Gerechtigkeit in Einklang bringen lassen, wie unser Wohlstand künftig aussehen, und wie er erwirtschaftet werden kann, darüber muss jetzt geredet werden. Der Druck von unten hat schon etwas bewirkt, hat zumindest das Klimakabinett nachsitzen lassen.

Mehr Druck auf Politik und Wirtschaft notwendig

Doch noch sind die Leistungen im Fach Klima ungenügend. Für 2020 wurde das Klassenziel schon verfehlt. Politik, Wirtschaft und auch wir Verbraucher müssen uns noch mehr anstrengen. Ohne Druck geht das offenbar nicht. Ziemlich sicher müsst ihr weiter schwänzen und demonstrieren, liebe "Fridays for Future"-Bewegung !

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 21.09.2019 | 08:40 Uhr

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