Stand: 17.04.2018 13:55 Uhr

Hafenfähre entführt: Verdächtige kommen davon

Der Fall ist fast genau sechs Jahre her: Am frühen Abend des 19. April 2012 hatten neun Anhänger der verbotenen Arbeiterpartei PKK eine Hamburger Hafenfähre gestürmt und sie in ihre Gewalt gebracht. Fast 80 Fahrgäste waren damals an Bord. In einem spektakulären Einsatz auf der Elbe beendete die Polizei schließlich die Entführung. Die juristische Aufarbeitung dagegen endet jetzt in einem Desaster: Ein Großteil der Tatverdächtigen kommt straflos davon, weil der Prozess verschleppt wurde.

Polzei führt eine Person weg von einer Fähre.

Entführte Fähre: Keine Strafe für Verdächtige

Hamburg Journal -

Im April 2012 haben Anhänger der kurdischen Arbeiterpartei PKK eine Fähre im Hafen entführt. Fünf der Entführer blieben straffrei - das Gericht versäumte, den Prozess anzusetzen.

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Nachfragen brachten nichts: Verjährung eingetreten

Wie Recherchen des Hamburg Journals ergaben, hat das Amtsgericht Altona einfach keinen Termin für einen Prozess angesetzt. Die Staatsanwaltschaft hatte bereits im November 2012 Anklage erhoben - wegen Freiheitsberaubung und Nötigung. Mehr als zwei Dutzend Mal fragte sie bei Gericht nach, wie es in dem Verfahren weitergehe. All das nützte nichts: In der vergangenen Woche stellte das Gericht fest, dass Verjährung eingetreten ist.

"Es werden eben leider auch bei uns Fehler gemacht"

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19. April 2012: Polizisten sichern im Hamburger Hafen am Anleger in Finkenwerder eine von Kurden entführte Hafenfähre.

Seitens des Gerichts heißt es, der zuständige Richter sei sich seiner Verantwortung bewusst, weil er zum Ende hin den drohenden Verjährungseintritt nicht im Blick gehabt habe. "Das darf nicht passieren, aber es werden eben leider auch bei uns Fehler gemacht", sagte Gerichtssprecher Kai Wantzen. Die Staatsanwaltschaft ist verärgert, weil die Ermittlungsarbeit vergebens gewesen sei. Als "absolut unprofessionell" bezeichnete Joachim Lenders von der Deutschen Polizeigewerkschaft das Verhalten des Gerichts. Es sei ein Schlag ins Gesicht der Opfer, wenn nicht verhandelt und abgeurteilt werde.

Die fünf Tatverdächtigen können sich freuen: Sie kommen straflos davon. Die vier übrigen Beschuldigten kamen vor Jugendgerichte. Gegen eine 20-Jährige stellte die Richterin das Verfahren gegen eine Auflage ein: Die Abiturientin sollte einen Aufsatz von mindestens 2.500 Wörtern schreiben. Thema: "Politische Meinungsäußerung und Demonstrationsfreiheit in den Grenzen der Grundfreiheiten anderer". Ein Tatverdächtiger wurde in den Jugendarrest geschickt. Gegen einen dritten wurde das Verfahren eingestellt. Und was mit dem vierten passierte, ließ sich nicht mehr klären.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 16.04.2018 | 19:30 Uhr

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