Stand: 02.06.2018 08:40 Uhr

Fernwärme-Gutachten: Stadt in Bedrängnis

von Volker Frerichs

Das Hamburger Fernwärmenetz ist nach Einschätzung von Gutachtern derzeit nur noch 645 Millionen Euro wert. Und das bringt die Stadt in Bedrängnis: Denn Hamburg muss das Netz vom Energieversorger Vattenfall zurückkaufen, darf aber keinen überhöhten Preis zahlen. Nach dem Volksentscheid hatte Hamburg mit Vattenfall 950 Millionen Euro als Kaufpreis vereinbart.

Volker Frerichs © Marco Maas / fotografirma.de Foto: Marco Maas
Der Rückkauf des Fernwärmenetzes ist keine leichte Aufgabe für die Stadt, meint NDR 90,3 Redakteur Volker Frerichs.

Das Kohlekraftwerk Moorburg muss an das Fernwärmenetz angeschlossen werden. Nicht nur, weil es ohnehin vielen Menschen nur schwer zu vermitteln ist, dass die dort erzeugte Wärme nutzlos verpufft. Sondern auch, weil diese Option derzeit wohl der einzige Trumpf ist, den der Senat nach Bekanntwerden des neuen Wertgutachtens noch in der Hand hält. Im Poker um den Rückkauf des Fernwärmenetzes.

Moorburg-Lösung als pragmatischer Ausweg

Vattenfall wird nicht freiwillig auf 300 Millionen Euro verzichten. Pacta sunt servanda - Verträge sind einzuhalten. Das dürfte das Motto des Energiekonzerns sein. Die Stadt Hamburg wiederum darf nicht mal eben 300 Millionen Euro verpulvern. Das verbietet die Landeshaushaltsordnung. Gleichzeitig aber muss man einen Volksentscheid umsetzen und das Fernwärmenetz von Vattenfall zurückkaufen. Die Moorburg-Lösung wäre ein möglicher und pragmatischer Ausweg aus diesem Dilemma. Aber, ganz klar, nur zeitlich begrenzt, also mit einem vertraglich festgelegten Kohleausstiegsdatum. Damit könnten vermutlich auch die Grünen über ihren umweltpolitischen Schatten springen.

Keine einfache Aufgabe

Einfach wird das alles natürlich nicht. Eine solche Lösung muss zunächst der grünen Basis vermittelt werden. Und schließlich gibt es ja auch den Koalitionsvertrag mit der SPD. Dort wird die sogenannte Moorburgtrasse zum Anschluss des Kohlekraftwerks ans Wärmenetz kategorisch ausgeschlossen. Und auch hier gilt natürlich: Pacta sunt servanda - Verträge sind einzuhalten. Die nächsten Wochen werden also spannend. Für die Stadt Hamburg. Für die rot-grüne Koalition. Und vor allem für den neuen Bürgermeister Peter Tschentscher, der sich nun beweisen muss.

 

Weitere Informationen
Pressekonferenz von Vattenfall mit Georg Friedrichs, Tuomo Hatakka und Pieter Wasmuth (von links) © NDR Foto: Reinhard Postelt

Vattenfall wirbt für Fernwärme-Lösung

Der Energiekonzern Vattenfall will im Kraftwerk Moorburg Fernwärme für Hamburg produzieren. Der Kohleausstieg müsse für Kunden bezahlbar bleiben, sagte Konzernchef Hatakka. (02.05.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Der Hamburg-Kommentar | 02.06.2018 | 08:40 Uhr

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