Stand: 23.08.2020 12:25 Uhr

Corona beschleunigt das Ladensterben in Hamburg

Mann geht an einem leerstehenden Geschäft vorbei, auf einem Zettel im Fenster steht "Wir schließen am 12. 08".
Leerstehendes Geschäft: Immer mehr Läden machen dicht.

Die Corona-Krise hat viele Hamburger Einzelhändlerinnen und Einzelhändler hart getroffen. An vielen Ecken in der Stadt wie beispielsweise in Winterhude, Eimsbüttel oder der Innenstadt, stehen viele Läden leer oder die Geschäfte werden bald dichtmachen. Auch "Das Kittels" im Lehmweg in Hoheluft-Ost, ein kleiner Laden mit britischen Produkten, hat es getroffen. Vier Jahre waren sie hier, in einem Monat müssen auch sie raus. "Da ist einmal der Brexit, der jetzt sehr hart ausfallen wird, dann war da Corona, wir haben sehr unter dem Lockdown gelitten und haben massive Umsatzeinbußen", sagt Inhaber Alex Kittel. "Hinzu kommt noch eine unkooperative Vermieterin, die nicht bereit ist, den Weg mit uns gemeinsam zu gehen."

Krise des Einzelhandels begann vor Corona

Vielen der rund 20.000 Hamburger Einzelhändlerinnen und Einzelhändler ging es auch vor der Krise schon schlecht. Online-Handel, Überangebot und veraltete Konzepte waren die Probleme und dann wirkte die Corona-Krise für manch ein Geschäft wie ein Brandbeschleuniger. "Es ist eine noch nie dagewesene Situation, die so katastrophal ist, wie sich das nie jemand hat vorstellen können", sagt Bettina Hees von der Hamburger Handelskammer. Man könne derzeit gar nicht so schnell gucken wie Läden schlössen. "Wir setzen uns mit den Unternehmen zusammen, um eine konkrete Idee zu entwickeln, die online und stationären Handel verbinden muss."

Die Devise scheint in Hamburg nun zu heißen: umdenken. Einkaufsstraßen und Geschäfte sollen attraktiver werden, Shoppen soll wieder Laune machen. Das will auch die Politik unterstützen. "Ich glaube, es hängt auch damit zusammen, dass sich auch das Kaufverhalten verändert hat und Corona-bedingt spüren wir jetzt, dass dieser Effekt noch zunimmt, weil weniger in den Läden eingekauft wird", sagt Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos). "Der ganz entscheidende Punkt ist, dass man kreative und neue Ansätze finden muss, um zukünftig Käufer in die Läden zu locken."

Ausmaß der Laden-Schließungen noch unklar

Für Alexander Kittel und seinen kleinen Laden kommen neue Ideen zu spät. Doch er denkt bereits um. "Ich glaube, der Einzelhandel wird neu gedacht werden", sagt Kittel. "Ich denke, dass wir nicht mehr Einzelkämpfer haben werden, Kooperation ist eine Möglichkeit, Store in Store oder kurzeitige Pop-Up-Läden zu haben."

Was genau es sein wird, wird sich noch zeigen. Auch wie viele Läden in Hamburg die Krise nicht überstehen werden, wird sich noch zeigen müssen. Das Ausmaß dürfte sich im Oktober abzeichnen, wenn die neuen Insolvenzen vorgelegt werden, sagt die Sprecherin der Handelskammer. Es gebe bisher unterschiedliche Schätzungen, die davon ausgehen, dass zehn, 20 oder auch 40 Prozent der Läden verschwinden werden. "Das wird man dann sehen. Es ist auf jeden Fall eine wirklich kritische Situation."

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 22.08.2020 | 19:30 Uhr

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