Stand: 16.04.2020 14:29 Uhr  - NDR 90,3

Corona-Maßnahmen: Wirtschaftsverbände zum Teil enttäuscht

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Handelskammer-Präses Aust begrüßt das Vorgehen von Bund und Ländern.

Die Handelskammer Hamburg hat das Vorgehen von Bund und Ländern in der Corona-Krise mit seinen Lockerungen in der Wirtschaft begrüßt. "Wir begrüßen das umsichtige Vorgehen von Bund und Ländern, die Gesundheit der Bevölkerung auch weiterhin in den Vordergrund zu stellen und gleichzeitig die Beschränkungen für die Wirtschaft teil- und schrittweise zu lockern", sagte Handelskammer-Präses Norbert Aust.

Perspektive gefordert

Gleichzeitig müsse es für jene Branchen, deren Auflagen nicht gelockert würden, zeitnah einen Plan mit einer Perspektive geben. Außerdem sollte "die komplette Bandbreite möglicher Maßnahmen ausgeschöpft werden, zum Beispiel durch klare und verbindliche Hygienevorschriften oder die Nutzung technologischer Möglichkeiten zum Infektionsschutz". Aust mahnte eine enge Zusammenarbeit der Bundesländer an, "um Ausweichreaktionen zu vermeiden und die Situation für die vielen länderübergreifend arbeitenden Betriebe nicht unnötig zu verkomplizieren".

Restaurantbetreiber enttäuscht

Der Hamburger Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA zeigte sich enttäuscht, dass die angekündigten Lockerungen Restaurants und Hotels außen vor lassen. DEHOGA-Präsident Franz Klein schätzt, dass allein die Hamburger Restaurants inzwischen Umsatzeinbußen von mehr als 100 Millionen Euro verzeichnen. Er sprach von einer relativ hoffnungslosen Lage. Für die Betriebe sei ein Zeitrahmen auch deshalb wichtig, weil für die wiederöffnungen Vorbereitungen getroffen werden müssten.

Handelsverband: Rechtssicherheit gefragt

Einzelhandelsgeschäfte unter 800 Quadratmetern, die ab Montag wieder öffnen dürfen, nutzen jetzt das Wochenende um Hygienemaßnahmen umzusetzen, wie Brigitte Nolte vom Handelsverband Nord sagte. Viele Inhaber wünschten sich allerdings rechtssicherheit. So sei unklar, ob viele Geschäfte in Centern öffnen dürfen, oder ob große Läden möglicherweise Teilflächen für Kunden aufmachen können. Dass generell nur Kleine Geschäfte von der Lockerung profitieren stößt im Verband auf Unverständnis. Das der Einzelhandel Hygienemaßnahmen auch auf großen Flächen umsetzen könne zeige sich gerade in Supermärkten und Baumärkten, so Nolte.

Der Industrieverband IVH erklärte, die Industrie brauche "die baldige, bedachte, schrittweise Rückführung der Einschränkungen". IVH-Vorstandschef Matthias Boxberger sagte, der industrielle Sektor insgesamt sei vom Gesetzgeber als systemrelevant zu behandeln. "Die Industrie wird letztlich das Rückgrat bei der Refinanzierung der staatlichen Corona-Hilfen sein."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 04.04.2020 | 07:00 Uhr

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