Stand: 19.05.2020 21:24 Uhr  - NDR 90,3

Corona-Demos: Kritiker bilden buntes Spektrum

Innensenator Andy Grote. © NDR Foto: Screenshot
Das Versammlungsgeschehen auf dem Rathausmarkt sorge die Innenbehörde, so Senator Grote.

Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD) hat sich am Dienstag zu Protesten gegen die Corona-Verordnungen in Hamburg geäußert. Das Versammlungsgeschehen von großen Menschenmengen auf dem Rathausmarkt bereite der Innenbehörde Sorgen. Die Proteste würden aber nicht vom Verfassungsschutz beobachtet. "Das ist ganz überwiegend eher bürgerlich und jetzt noch nicht mit einer verfassungsfeindlichen Ausrichtung versehen", so Grote.

Die Teilnehmenden bilden demnach ein sehr buntes Spektrum. Unter ihnen seien unter anderem Menschen, die von den Verfügungen betroffen seien. Dafür habe er ein gewisses Verständnis, so Grote. Er fügte hinzu: "Es gibt aber auch eine ganze Anzahl von Menschen, die allgemein eine hohe Distanz zum Staat und staatlichen Maßnahmen haben." Diese hätten mitunter "sehr spezielle Weltbilder und diffuse Theorien" und darüber hinaus auch "besondere Biografien" und zum Teil "skurrile Positionen".

Demonstranten aus dem rechten Spektrum

Bei den Protesten seien auch Personen aus dem rechten Spektrum anwesend. Dazu zählte Grote Mitglieder von NPD über rechte Subkultur bis AfD. Diese Teilnehmerinnen und Teilnehmer würden nicht aktiv Einfluss nehmen und seien auch organisatorisch nicht aktiv. Sie beobachteten die Demonstrationen, in der Hoffnung, "neue Gefolgschaft" zu finden. Diese Gruppe habe am vergangenen Sonnabend aber nur 30 bis 50 Personen ausgemacht, die Corona-Kritiker dagegen 400 bis 500. Dennoch habe die Anwesenheit der rechten Teilenehmenden Folgen. "Durch die Präsenz haben wir ein sehr hohes Aufkommen an linken Gegendemonstranten gehabt", sagte der Innensenator.

Körperliche Angriffe zwischen Demonstranten

Als sehr aggressiv bezeichnete Grote das Auftreten mehrerer Hundert Demonstranten aus dem linken und Antifa-Spektrum. Sie hätten sich spontan auf dem Rathausmarkt versammelt, wo der Landesvorsitzende der NPD anwesend war. Diese Versammlung sei nicht genehmigt und auch nicht zulässig gewesen. In einzelnen Fällen seien Menschen körperlich angegriffen worden. Die Polizei hätte alle Hände voll zu tun gehabt, um die Beteiligten voneinander zu trennen. Für das kommende Wochenende seien erneut zahlreiche Demonstrationen angemeldet worden. "Wir müssen befürchten, dass sich diese konfrontative Lage an den nächsten Wochenenden noch fortsetzen kann", so Grote. Es handle sich aber um keine Massenbewegungen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 19.05.2020 | 13:00 Uhr

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