Ein Schwan ist mit seinen Küken im Schilf an der Alster auf Futtersuche. © picture alliance/dpa | Christian Charisius Foto: Christian Charisius

Alsterschwäne: Schilf-Inseln als Barrieren

Stand: 09.07.2022 11:49 Uhr

Die ersten Schwanenküken schwimmen bereits auf der Alster, doch Hamburgs Schwanenvater ist besorgt. Und das hat vor allem mit den Menschen zu tun.

Einige Brutpaare hätten die Außenalster verlassen und seien in die abgelegenen Gebiete gezogen, sagte Schwanenvater Olaf Nieß der dpa. Grund für die Flucht ist das intensive Freizeitverhalten der Hamburgerinnen und Hamburger und ihrer Gäste auf den Gewässern der Hansestadt. "Das ist im Prinzip seit dem ersten Corona-Jahr so, wo wir absolut massivste Störungen hatten und die Boote mit einem Abstand von 50 Zentimetern zueinander auf dem Wasser fuhren. Da gab es schlimme Szenen", sagt Nieß.

Ansprache an Sportlerinnen und Sportler

Derzeit würden vor allem Stand-Up-Paddle-Boards und auch große Badeinseln Probleme machen. Freizeitsportlerinnen und -sportler sollen nun vor allem mit Flyern, freundlicher Ansprache durch die Polizei und mithilfe schwimmender Barrieren dazu gebracht werden, die Tier- und Pflanzenwelt weniger zu stören. So gebe es schwimmende Schilf-Inseln, die sich harmonisch in die Natur integrieren und gleichzeitig den "Verkehrsstrom" sinnvoll steuern sollen, ohne wie eine Absperrung auszusehen.

Strafen als letztes Mittel

Ohne diese Barrieren würden sehr viele Menschen mit ihren Booten oder Boards zu nah an die Nester der Wasservögel und damit auch über die Wasserpflanzen wie das Schilf fahren. "Wenn das mal einer macht, dann ist das ja alles cool. Wenn das an einem Tag aber 200 bis 250 machen, dann ist das nicht mehr okay", so der Schwanenvater. Viele Menschen seien sich der Folgen ihrer Handlungen dabei gar nicht bewusst. Strafen sollen dennoch nur das letzte Mittel sein.

VIDEO: Heimatkunde: Alsterschwäne (3 Min)

Schwanenküken können vorsichtig beobachtet werden

Etliche Wasservögel hätten in Folge der vergangenen zwei Jahre entweder ihre Brutplätze verlagert oder ihr Verhalten geändert. "Die Tiere sind empfindlicher geworden und ziehen sich derzeit deutlicher zurück. Das freie Herumschwimmen verlagern sie teilweise in die Nacht, wenn es ruhiger ist." Dennoch können einige Schwanenküken beobachtet werden. "Wir gehen im Bereich der gesamten Alster und den Nebenflüssen von etwa zehn Brutpaaren aus. Wie viel Nachwuchs die Schwäne haben, können wir nicht sagen. Aber bislang sieht es gut aus und es entwickelt sich täglich weiter."

Erste Fälle von Vogelgrippe

Die Tiere seien zudem ein bisschen später dran, weil sie zum Schutz vor der Vogelgrippe ein paar Tage später als üblich aus dem Winterquartier entlassen wurden. Die Vogelgrippe ist auch jetzt schon wieder ein Thema, das Nieß und sein Team genau im Blick haben. Er sei durchaus angespannt, weil unweit der Hansestadt bereits die ersten Fälle von Vogelgrippe aufgetaucht seien.

Schwanenwesen mit langer Tradition

Das Hamburger Schwanenwesen gibt es seit dem 11. Jahrhundert. Die Planstelle des Schwanenvaters existiert seit 1674 und ist damit die älteste Behördenplanstelle der Stadt. Nieß zufolge brachen die Hamburger Stadtväter damals mit dem Brauch, dass das Halten von Schwänen Fürsten und Königen vorbehalten war. Bis heute gilt die Legende, dass Hamburg den Status als Freie und Hansestadt nur so lange hält, wie es Schwäne auf der Alster gibt.

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Schwanenvater Olaf Nieß und seine Mitarbeiter begleiteten mit Booten die Alsterschwäne in Richtung Außenalster. © picture alliance / dpa Foto: Christian Charisius

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 09.07.2022 | 11:00 Uhr

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