Stand: 12.08.2015 16:54 Uhr  | Archiv

Schacht Konrad: vom Eisenerzbergwerk zum Endlager

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Das alte Bergwerk Schacht Konrad bei Salzgitter: Ab 2022 soll hier Atommüll eingelagert werden. (Archivbild)

Wohin mit dem Atommüll? Fast 40 Jahre sind seit den ersten Untersuchungen des Eisenerzbergwerks Schacht Konrad bei Salzgitter vergangen. Damals, im Jahr 1975, prüften Experten erstmals die tiefen Stollen auf ihre Tauglichkeit, radioaktiven Müll für eine sehr lange Zeit sicher zu lagern. Es folgte ein umfangreiches Planfeststellungsverfahren, Umweltverbände und Landwirte klagten. Nun soll Deutschlands erstes Atomendlager wohl im Jahr 2022 in Betrieb gehen. Ob es dabei bleibt? Eine Chronologie.

September 1957: Der Bau des Bergwerks mit zwei Tagesschächten beginnt. Sie reichen knapp 1.200 Meter in die Tiefe. Benannt werden sie nach Konrad Ende, dem früheren Aufsichtsrat des damaligen Eigentümers Salzgitter AG.

Dezember 1960: Der Abbau des Eisenerzes beginnt. Ab dem Jahr 1965 wird es in größeren Mengen gewonnen.

1975: Die Untersuchungen zur Möglichkeit einer Endlagerung atomaren Mülls beginnen.

September 1976: Nachdem die Förderung bis August 1976 stark zurückgeht, wird das Bergwerk Ende September eingestellt. Das Erz aus Niedersachsen ist auf dem Weltmarkt nicht konkurrenzfähig, ausländisches Erz mit zum Teil höherem Eisenanteil wird preisgünstiger importiert. Seit Beginn des Abbaus sind auf der Schachtanlage Konrad 6,7 Millionen Tonnen Eisenerz abgebaut worden. Diese Menge macht der Deutschen Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern für Abfallstoffe (DBE) zufolge aber nur 0,5 Prozent des gesamten Vorkommens dieser Lagerstätte aus.

August 1982: Der Bund stellt beim Land Niedersachsen den Antrag auf die Einleitung des Planfeststellungsverfahrens für ein Endlager für Atommüll. Zuvor hat die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB), die Vorgängerbehörde des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS), den Schacht für tauglich erklärt.

1987: Die Schachtanlage geht für rund 43 Millionen Euro in den Besitz des Bundes über. Zuvor gehörte sie den Stahlwerken Peine-Salzgitter AG, einem Zusammenschluss der Salzgitter AG und dem Hüttenwerk Ilseder Hütte.

September 1992 und März 1993: Nach einer Frist für Einsicht und Einwendungen werden bei einem 75-tägigen Erörterungstermin Themen rund um das mögliche Endlager diskutiert. Das BfS als Antragsteller, das niedersächsische Umweltministerium als Genehmigungsbehörde und zahlreiche Einwender besprechen sich dabei. Mehr als 290.000 Einwendungen wurden zuvor eingereicht. Ein Konvoi von 54 Traktoren liefert 250.000 Einwendungen gegen das Projekt im Umweltministerium in Hannover ab.

2000: Die rot-grüne Bundesregierung unter Kanzler Gerhard Schröder und die Energiekonzerne beschließen den Ausstieg aus der Atomenergie. Sie legen fest, dass für Schacht Konrad das Genehmigungsverfahren "nach den gesetzlichen Bestimmungen" abgeschlossen werden soll.

Mai 2002: Die SPD-geführte niedersächsische Landesregierung unter Ministerpräsident Sigmar Gabriel stimmt dem Planfeststellungsbescheid für Schacht Konrad zu. Er sieht die Entsorgung aller Arten radioaktiver Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung vor. Die Einlagerungskapazität ist auf 303.000 Kubikmeter begrenzt. Drei Kommunen und zwei Landwirte klagen daraufhin beim Oberverwaltungsgericht.

März 2006: Das Lüneburger Oberverwaltungsgericht weist die Klage ab. Doch einige Kläger wenden sich an das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig.

April 2007: Das Bundesverwaltungsgericht weist die Klage ab und gibt so grünes Licht für den Bau des Endlagers. Die Stadt Salzgitter und ein Landwirt legen daraufhin eine Verfassungsbeschwerde ein.

Januar 2008: Der Umbau von Schacht Konrad zum Atom-Endlager wird endgültig genehmigt. Wie das Bundesamt für Strahlenschutz mitteilt, hat das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie den "Hauptbetriebsplan für die Errichtung eines Endlagers Konrad" zugelassen.

März 2008: Die Stadt Salzgitter scheitert mit einer Verfassungsbeschwerde gegen die geplante Einlagerung des strahlenden Mülls.

November 2009: Das Bundesverfassungsgericht weist die Beschwerde eines Landwirts ab und macht so den Weg für das Endlager wohl endgültig frei.

Januar 2010: Die Schachtanlage Asse II bei Wolfenbüttel, rund 20 Kilometer entfernt vom Schacht Konrad, ist marode und baufällig. Sie soll alsbald geschlossen werden. Doch zuvor sollen die 126.000 Fässer mit Atommüll aus dem Schacht herausgeholt werden. Das BfS spricht sich dafür aus, den radioaktiven Abfall im künftigen Endlager Schacht Konrad unterzubringen.

Mai 2011: Die Stadt Salzgitter einigt sich mit dem Land Niedersachsen und dem Bund auf einen Fond in Höhe von 100 Millionen Euro. Damit sollen Kommunen, die in der Vergangenheit gegen die Genehmigung geklagt hatten und Nachteile von der Errichtung des Endlager befürchten, entschädigt werden.

Juni 2012: Wasser dringt in den Schacht Konrad ein - nach Expertenangaben sogar mehr als in die Wolfenbüttler Asse.

März 2013: Im März 2013 gab die Deutsche Gesellschaft zum Bau und Betrieb von Endlagern für Abfallstoffe (DBE) bekannt, dass sich die Inbetriebnahme des Endlagers wegen zusätzlicher Sanierungsaufwände bis 2021 verzögern könnte.

September 2014: Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) geht davon aus, dass sich die Inbetriebnahme des Lagers um ein weiteres Jahr auf 2022 hinauszögern wird. Das gibt sie bei einer Sitzung der Endlagersuchkommission bekannt.

Oktober 2014: Das BfS in Salzgitter erklärt, die Einrichtung des Lagers werde insgesamt mindestens 2,9 Milliarden Euro kosten. Ursprünglich waren einmal 900 Millionen für das Projekt vorgesehen gewesen. Auch der konkrete Eröffnungstermin ist weiterhin ungewiss.

November 2014: Es wird bekannt, dass es etwa doppelt so viel radioaktiver Müll in den Schacht Konrad gebracht werden könnten - statt 298.000 sogar bis zu 600.000 Kubikmeter.

August 2015: Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) stellt in Berlin das sogenannte Nationale Entsorgungsprogramm vor. Demnach soll Schacht Konrad möglichst nicht erweitert werden. Es soll bei den beschlossenen 300.000 Kubikmetern bleiben.

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Aktuell | 15.12.2016 | 08:38 Uhr

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