Stephanie Pieper © NDR/ Foto: Christian Spielmann

NachGedacht: James Bond? Ist im Home-Office!

Stand: 29.01.2021 08:45 Uhr

Der globale Start des neuen James Bond soll im Oktober sein. Gleichzeitig bittet der Bundesarbeitsminister, im Home-Office zu arbeiten. Wie passt beides zusammen? Darüber sinniert unsere Kolumnistin Stephanie Pieper.

Stephanie Pieper © NDR/ Foto: Christian Spielmann
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von Stephanie Pieper

007 zuhause auf der Couch? Statt eines geschüttelten Wodka Martini ein Bier in der einen Hand und eine Chips-Tüte in der anderen? Statt den Westen zu retten, statt um die Welt zu jetten, statt Bond-Girls zu verführen - einfach nur rumlümmeln, in die Glotze starren und Autoverfolgungsrennen am Computer spielen? Der Geheimagent im Dienst ihrer frisch geimpften Majestät im Home-Office: eine seltsame Vorstellung.

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Szene aus dem Film "Der Rausch" - von Thomas Vinterberg © Henrik Ohsten / 2020 Zentropa Entertainments3 ApS, Zentropa Sweden AB, Topkapi Films B.V. & Zentropa Netherlands B.V Foto:  Henrik Ohsten

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Dabei gäbe es, gerade jetzt, so viel zu tun für James Bond außerhalb der eigenen vier Wände - wo er schon den Brexit nicht verhindern konnte, was ihm übrigens immer noch übel zu nehmen ist, aber sei es drum: Wer, wenn nicht 007, könnte die Bösewichte in der Pharma-Industrie dazu bringen, endlich den Impfstoff rüberwachsen zu lassen, auch auf den Kontinent! Aber, ach, James ist und bleibt halt der britischen Krone treu - und würde wohl eher seinem Boris als unserer Ursula dabei helfen, die sehnsüchtig erwarteten Impfdosen in möglichst großer Zahl zu sichern.

Wenigstens sein Technik-Tüftler Q könnte sich aber doch was Pfiffiges einfallen lassen, um diesem blöden, klitzekleinen, nervigen Virus endlich ein für alle Mal klarzumachen, dass es in unseren Körpern nix zu suchen hat. Unsere ewige Dankbarkeit wäre ihm sicher.

Produktplatzierung updaten?

Bonds Produktionsfirma, so ist zu lesen, denkt inzwischen darüber nach, einige Szenen aus "Keine Zeit zu sterben" nachzudrehen, denn all die teuren Autos, Smartphones und Uhren, die der Spion sonst in bester Product-Placement-Manier sein eigen nennt, sind durch den verspäteten Filmstart längst veraltet. Zu sehr 2020, zu wenig 2021. Ach herrje, Kamera an und "Action"? Darsteller Daniel Craig kann einem da nur leid tun: Womöglich hat es seinem Bond-Body weniger gut getan, die vergangenen Monate nicht im Fitnessstudio, sondern zuhause zu verbringen.

Nach meiner persönlichen Erfahrung ist ein Leben zwischen "binge watching", "extreme couching" und Kühlschrank-Checking jedenfalls nicht dazu angetan, die Muskelmasse des eigenen Körpers in eine Leinwand-taugliche Form zu bringen. Es sei denn, man gehört zu jenen, die sich in Pandemie-Zeiten zu Fitness-Freaks entwickelt haben - eine Spezies Mensch, von der ich gehört habe, dass sie existieren soll. Während andere schon froh sind, wenn sie statt 10.000 Schritten täglich, die uns die Gesundheitsgurus beharrlich empfehlen, dieser Tage wenigstens 1.000 schaffen.

Gruselige Pseudo-Anglizismen im Umlauf

Nein, so richtig taugt die Vorstellung von James Bond im Home-Office nicht - zumal in Großbritannien damit das Innenministerium gemeint ist. Home Secretary ist demnach nicht Miss Moneypenny, sondern die Innenministerin. Das Arbeiten von zuhause heißt im Englischen vielmehr: working from home, kurz WFH.

Der Begriff Home-Office ist also nur ein weiterer peinlicher Beleg dafür, wie die deutsche Sprache verhunzt wird - siehe auch: Beamer und Oldtimer, Handy und Hometrainer. Da haben diejenigen, die sich über die englischen Wörter in der deutschen Sprache aufregen, mit ihrer Kritik ausnahmsweise mal recht - und es widmet sich sogar ein eigener Wikipedia-Eintrag diesen gruseligen Pseudo-Anglizismen.

Home-Office: Ein Privileg nicht für alle

Gleichwohl, dies als ernster Gedanke zum Schluss, ist es letztlich ein Privileg, dank digitaler Technik überhaupt mobil arbeiten zu können. Ohne die Herausforderung unterschätzen zu wollen, die vor allem die Paarung von Home-Office und Home-Schooling mit sich bringt: Immerhin haben viele Menschen in Büro-Jobs überhaupt die Möglichkeit, auch während der Pandemie weiterzuarbeiten und Geld zu verdienen.

Anderen ist dies verwehrt: Kellnerinnen und Verkäuferinnen, Krankenschwestern und Erzieherinnen, Dachdecker und Klempner, Fleischfabrikarbeiter und Mülleinsammler können ihren Job schlicht nicht vom heimischen Küchentisch aus erledigen. Sie müssen entweder vor Ort sein und sich damit auch dem Risiko einer Ansteckung aussetzen - oder sie sind zur Kurzarbeit gezwungen, weil ihre Firma unter den Pandemiefolgen leidet.

Haben jedoch die von uns vor gut einem Jahr beklatschten Heldinnen und Helden des Alltags bereits eine Corona-Dividende für ihr gutes Tun bekommen? Leider nicht. Den wohlfeilen Worten Taten folgen zu lassen, dabei wird uns auch ein James Bond nicht helfen können.

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Stephanie Pieper, Ulrich Kühn, Claudia Christophersen und Alexander Solloch. © NDR Foto: Christian Spielmann

NachGedacht

Unsere Kolumnisten lassen die Woche mit ihren Kulturthemen Revue passieren und erzählen, was sie aufgeregt hat. Persönlich, kritisch und gern auch mit ein wenig Bösartigkeit gespickt. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | NachGedacht | 29.01.2021 | 10:20 Uhr

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